Seit 11:05 Uhr Tonart
Montag, 20.09.2021
 
Seit 11:05 Uhr Tonart

Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 09.09.2014

DrogenpolitikLegalisierung von Cannabis kann Wirtschaftsboom auslösen

Auf Spurensuche in der Haschischszene

Von Mirko Heinemann

Hanfpflanzen (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Wer gewinnt, wer verliert bei der Legalisierung von Cannabisprodukten? (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Wird Deutschland zum zweiten Colorado in Cannabis-Fragen? Strafrechtsexperten und Politiker plädieren für eine Entkriminalisierung der Droge. Das hätte auch wirtschaftliche Folgen - und davon könnte die Staatskasse profitieren.

Die Legalisierung von Cannabisprodukten zieht immer weitere Kreise. Nach Lockerungen in den USA, den Niederlanden, in Tschechien, Portugal und Spanien plädieren nun auch deutsche Strafrechtsexperten für die Freigabe.

Schon bald könnte in Berlin-Kreuzberg das erste Cannabis-Café Deutschlands eröffnen. Entsteht hier ein neuer lukrativer Markt? Wer sind die Akteure? Wer gewinnt, wer verliert? 

Mirko Heinemann hat sich für Deutschlandradio Kultur auf die Spur des grünen Krauts gemacht - von Holland bis nach Berlin-Kreuzberg.

Im Görlitzer Park wird massiv gedealt

Die Dealer sind jeden Tag im Görlitzer Park in Berlin. Sie verbringen hier ihre Zeit, gemeinsam mit Freunden. Für die Polizei ist es schwer zu unterscheiden, wer hier Drogen verkauft und wer nicht.

Madi: "Sie kommen jeden Tag, fast jeden Tag. Und sie rennen hinter uns her. Und sie schlagen uns. Einmal war wieder eine Razzia. Ich bin ich vor der Polizei weggerannt, wie viele andere. Irgendjemand muss wohl einen Beutel mit Gras verloren haben. Aber es war nicht meins. Sie fassten mich, zeigten mir das Gras und sagten: Das ist dein Gras. Ich verstehe kaum deutsch und konnte nichts erwidern. Sie sprachen miteinander und sperrten mich ins Gefängnis."

Allein im ersten Halbjahr 2013 führte die Berliner Polizei dort 59 Einsätze durch und überprüfte über 400 Personen. 79 Menschen wurden verhaftet und 93 angezeigt. Ohne Erfolg. Nach wie vor wird im Görlitzer Park massiv gedealt.

"Wir hatten ganz schnell die Erfahrung: Für jeden Dealer, den wir in den Ermittlungen hatten – wir hatten ja nicht nur Konsumenten – sind auch sofort wieder neue da. Lücken schließen sich permanent."

Frank Tempel, Bundestagsabgeordneter der Linken, ist selbst Kriminalpolizist. Er war drei Jahre lange in Thüringen speziell für die Verfolgung von Drogendelikten zuständig:

"Man bekommt auch mit, dass es völlig aussichtslos ist, diese Szene mit polizeilichen Mitteln zu bekämpfen. Das war, wie wenn ich mit einem Hammer auf einem Gebirge rumhaue und der Meinung bin, irgendwann werde ich das Gebirge schon abgetragen haben."

 

Das vollständige Manuskript zum Feature von Mirko Heinemann können Sie als hier als PDF oder barrierefreies Textdokument herunterladen.

Weiterführende Information

Drogenpolitik - Illegalisierung hat "zu überhaupt nichts geführt" (Deutschlandradio Kultur, Interview, 9.8.2014)
Marihuana - Rocky Mountain High (Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 1.8.2014)
USA - High Rocky Mountain (Deutschlandradio Kultur, Weltzeit, 31.7.2014)
  

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Zeitfragen

WeltraumbergbauAuf in die Tiefen des Universums!
Künstlerische Darstellung von Astronauten, die auf dem Mars nach Wasser bohren. (NASA)

Der Studiengang Weltraumbergbau erforscht die Ressourcen des Alls. Anfangs reine Utopie, gelingt es inzwischen, etwa Sauerstoff auf dem Mars zu produzieren. Die Erkenntnisse könnten auch helfen, irdische Probleme wie den Klimawandel zu lösen. Mehr

ZivilcourageWann wir uns für Mitmenschen einsetzen
Die Silhouette einer Batman-Legofigur hebt sich dunkel vor einem unscharfen Bildhintergrund ab. (Unsplash / Ali Kokab)

"Zivilcourage" hat einen guten Ruf: Man setzt sich ein gegen Ungerechtigkeiten. Allerdings wagen laut Forschungen im Ernstfall nur wenige einzugreifen. Und jüngst reklamieren auch die sogenannten "Querdenker" für sich, "Zivilcourage" zu zeigen. Zu Recht?Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur