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Interview | Beitrag vom 28.03.2019

Drama um den Brexit"Wirklich ein historischer Prozess"

Nicolai von Ondarza im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Die britische Premierministerin Theresa May vor einer Flagge der Europäischen Union (imago)
Theresa May hat ihren Rücktritt angeboten - doch gebracht hat das nichts, außer noch mehr Druck auf sie. (imago)

Aus Sicht Theresa Mays war es ein gutes Tauschangebot: Das Parlament stimmt für ihren Brexit-Deal, dann tritt sie zurück. Doch so wird es wohl nicht kommen. Großbritannien-Experte Nicolai von Ondarza sieht in Sachen Brexit nur eines: maximale Konfusion.

"Spannend": Mit diesem Wort umschreibt Nicolai von Ondarza den gestrigen Abstimmungsmarathon über mehrere Brexit-Szenarien im britischen Parlament. Der Experte von der Stiftung Wissenschaft und Politik hat das Geschehen selbst im Unterhaus verfolgt. Eine Mehrheit erhielt keiner der Vorschläge: "Die Konfusion ist maximal", urteilt von Ondarza im Deutschlandfunk Kultur. 

Dabei habe es "kurz" die Möglichkeit gegeben, dass das ausgehandelte Brexit-Abkommen doch durchkommen könnte: als der Brexiteer Boris Johnson nach Mays Rücktrittsangebot ankündigte, unter diesen Bedingungen werde er dem Deal zustimmen - wahrscheinlich weil er selbst Premier werden wolle. Doch die nordirische DUP habe ihr Nein zum Abkommen bekräftigt, so von Ondarza:

"Dieses Manöver ist nach hinten losgegangen"

"Man muss sagen: Auch dieses Manöver ist nach hinten losgegangen. May hat jetzt gesagt, sie geht und den letzten Rest Autorität verloren, ohne damit die Mehrheit zu bekommen nach allem, was wir wissen, um dieses Austrittsabkommen noch durchzubekommen."

Der Experte beobachtet die Vorgänge in Großbritannien mit dem Gefühl, "dass es wirklich ein historischer Prozess" sei.


Diese Einschätzung teilt auch unser London-Korrespondent Friedbert Meurer:

Friedbert Meurer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Korrespondent Friedbert Meurer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)"Es ist für mich, muss ich sagen, die zweitgrößte Story meines Lebens nach der Wiedervereinigung. Das wird auch hier ab und zu mit der deutschen Einheit verglichen. Es ist so ein gigantisches Thema, das wirklich alle betrifft. Alles sind davon betroffen - teilweise existenziell." 

(bth)

Das gesamte Gespräch mit Friedbert Meurer hören Sie hier:
Ralph Sina kommentiert die Entwicklungen um den Brexit mit Blick auf die EU:
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