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Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.08.2016

Dokumentarfilm über Immobilienboom"Ein System der Gier"

Filmemacher Andreas Wilcke im Gespräch mit Britta Bürger

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Zahlreiche Baukrähne sind in Berlin zu sehen - vor allem bezahlbare neue Wohnungen werden gebraucht. (dpa / Jörg Carstensen)
Bauboom und Nobelsanierung: In Berlin steigen die Wohnungspreise. (dpa / Jörg Carstensen)

"Muss ein Hartz-IV-Empfänger am Potsdamer Platz wohnen?", fragt einer der Protagonisten im Dokumentarfilm "Die Stadt als Beute". Filmemacher Andreas Wilcke hat vier Jahre lang den Immobilienboom in Berlin beobachtet - und zeigt eindringlich, wie Wohnraum zur Ware verkommt.

"Die Stadt als Beute" heißt ein neuer Dokumentarfilm, der den Immobilienboom in Berlin schildert. Der Filmemacher Andreas Wilcke hat internationale Makler, Investoren und Kaufinteressenten bei ihrer Schnäppchenjagd begleitet und kontrastiert dies mit der Situation von Mietern, die mehr und mehr aus den attraktiven Innenstadtbezirken verdrängt werden.

Vor vier Jahren ist Wilcke das erste Mal mit der Kamera losgezogen. Damals sei "noch von einem entspannten Wohnungsmarkt die Rede" gewesen, erzählt der Filmemacher, der seit 20 Jahren in Friedrichshain lebt.

"Es hieß offiziell, Berlin habe sehr viele freie Wohnungen. Das hat mich neugierig gemacht. Denn was man so gehört hat, waren ganz andere Geschichten: Dass die Leute aus den Wohnungen raus mussten und Schwierigkeiten hatten, eine neue zu finden."

Auf Immobilienkongressen traf er Makler und Spekulanten, die sich über die Verwertung des Immobilien-Marktes ausgetauscht haben: "Muss ein Hartz-IV-Empfänger am Potsdamer Platz wohnen?", fragt einer der Protagonisten im Film. "Wir können nicht an den Schwächsten der Gesellschaft ausrichten, wie sich die Stadt entwickeln soll", lautet eine andere Aussage.

"Es ist ein Klassendenken vorhanden"

Für Wilcke spiegeln diese Aussagen letztendlich nur das wieder, "womit wir alle leben". Denn: "Es ist ein Klassendenken vorhanden, bei jedem von uns. Wir werden ja darauf trainiert, unsere Ellenbogen einzusetzen, uns zu optimieren, rationalisieren. Das finde ich das Haarsträubende."

An meisten habe ihn dagegen geschockt, dass die Menschen von der Politik mehr oder weniger alleingelassen werden; dass in Kauf genommen werde, dass Wohnraum eine Ware sei. "Worüber wir uns aber eigentlich nicht wundern müssen, da das ganze System auf Gier aufgebaut ist."

In den kommenden Tagen kommt der Film in die Kinos: ein Film über Gentrifizierung, Aufwertung und Verdrängung auf dem Wohnungsmarkt - aber auch eine Hommage an die Stadt Berlin.

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