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Interview / Archiv | Beitrag vom 15.09.2016

Doku über Multiple Sklerose"Unsere Gesellschaft kann davon lernen"

Jann Kessler im Gespräch mit André Hatting

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Ein junger Mann sitzt in einem Rollstuhl. (Imago / Westend61)
Auch für viele MS-Patienten bietet der Rollstuhl noch ein kleines, letztes Stück Mobilität. (Imago / Westend61)

Weil seine Mutter selbst schwer erkrankt ist, macht sich der Filmemacher Jann Kessler auf die Suche nach MS-Patienten. Wie unterschiedlich sie mit der Krankheit umgehen, zeigt sein Film "Multiple Schicksale".

Seit Jahren leidet Jann Kesslers Mutter an MS – Multipler Sklerose. Als er mehr über ihre Krankheit wissen will, kann sie bereits nicht mehr sprechen. In der Hoffnung mehr zu erfahren, begibt sich der damals 18-jährige Filmemacher auf eine Reise quer durch die Schweiz und trifft andere Menschen, die mit MS leben.

Er begegnet Bernadette, die immer noch lacht, obwohl ihr manchmal nicht danach zu Mute ist. Luana, die sich ermutigende Worte auf den Arm tätowieren lässt. Er trifft auf Melanie, die einen wortreichen Schutzwall um sich herum aufbaut. Oliver, der seine Kräfte im Alltag gezielt einteilen muss. Graziella, die versucht, die Normalität aufrechtzuerhalten.

Und er begegnet Rainer, der aus eigenem Willen aus dem Leben scheidet. Viele der Protagonisten sprechen sehr offen über ihren Alltag mit der Krankheit, den sie trotz aller Einschränkungen auch immer wieder genießen können und sehr intensiv leben.

"Ehrliche Auseinandersetzung mit der Krankheit"

Das Ergebnis dieser Reise ist der Dokumentarfilm "Multiple Schicksale – Vom Kampf um den eigenen Körper". Dass ihn die Porträtierten in ihr Leben gelassen haben, im Fall von Rainer bis zu seinem selbstgewählten Tod, den Kessler mit der Kamera festgehalten hat, habe ihn sehr berührt. Er habe "eine ehrliche Auseinandersetzung" mit der Krankheit erreichen wollen – deshalb habe er auch den Tod gefilmt, sagt Kessler. "Unsere Gesellschaft kann davon lernen."

Für ihn sei es lange Zeit nicht einfach gewesen zu verstehen, wie seine Mutter mit ihrer Krankheit umgegangen sei – ihre Weigerung, die Medikamente zu nehmen.

Ingesamt sieht Kessler noch viele Aufklärungsbedarf über MS. Vielen Menschen sei zum Beispiel nicht klar, dass die Krankheit sehr unterschiedlich verlaufen könne und nicht automatisch ein Todesurteil sein müsse. Auch das wolle er in seinem Film zeigen.

Der Film "Multiple Schicksale - Vom Kampf um den eigenen Körper" ist ab 15. September in den deutschen Kinos zu sehen.

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