Seit 10:05 Uhr Lesart
Mittwoch, 28.10.2020
 
Seit 10:05 Uhr Lesart

Fazit | Beitrag vom 13.10.2020

Doku über Designer Martin MargielaDas Modephantom

Reiner Holzemer im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein Model mit einer Kugelperücke, die auch ihr Gesicht bedeckt, läuft über einen Laufsteg. (Reiner Holzemer Film / RTBF / Aminata Productions)
Verhüllung und Anonymität auch hier: eine Création von Martin Margiela auf der Pariser Fashion Week 2008. (Reiner Holzemer Film / RTBF / Aminata Productions)

Lange wurde gerätselt, wer hinter der Marke Martin Margiela steckt. Der belgische Modedesigner blieb unsichtbar. Filmemacher Reiner Holzemer ist es gelungen, ihn in der Dokumentation "Martin Margiela - Mythos der Mode" zu porträtieren.

Zuerst habe er die Entwürfe von Martin Margiela entdeckt, sagt der Filmemacher Reiner Holzemer. Da habe er noch gar nicht gewusst, wie geheimnisvoll der belgische Designer lebt, der sich 2009 ins Privatleben zurückgezogen hat: "Dass er sein Gesicht nicht fotografieren lässt, dass er seit 30 Jahren kein Interview gegeben hat."

Um Margiela von seinem Filmprojekt zu überzeugen, sei es hilfreich gewesen, dass er schon einen Film über den Modeschöpfer Dries Van Noten gedreht habe, sagt Holzemer: "Die beiden kennen sich. Sie haben beide an der Kunstakademie in Antwerpen studiert." So konnte Holzemer Zugang zu dem Modephantom Margiela bekommen.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Glück sei auch dabei gewesen: "Ich habe ihn zum richtigen Zeitpunkt kontaktiert." Vor zwei Jahren bereitete Margiela gerade eine Best-of-Ausstellung seines Schaffens in Paris vor. Es ging um 20 Jahre und 41 Kollektion, die er für sein eigenes Haus erschaffen hatte: "Und da dachte er: Das wäre doch schön zu filmen, weil es das so nie wieder geben wird", erzählt Holzemer.

Im Dokumentarfilm "Martin Margiela - Mythos der Mode" kommen internationale Stimmen von Modekennerinnen und -kennern zu Wort. Tenor dabei ist: Margiela war die letzte Revolution. Sein Einfluss werde noch mindestens 20 Jahre wirken. So viel Lob freue den Gepriesenen, sagt Holzemer: "Wobei er sich darauf gar nicht so konzentriert. Er widmet sich der Kunst. Er macht Skulpturen, er malt."

Der Meister ist im Film nie zu sehen

Margiela sei komplett uneitel, begeistert sich der Filmemacher: "Völlig untypisch für unsere Zeit und auch für seinen Beruf." Und so wird auch im Film das Rätsel um den Modeschöpfer nicht gelöst. Margiela ist nie im Bild zu sehen. Das einzige, das man sieht, sind seine Hände.

(beb)

Mehr zum Thema

Zum Tod von Kenzo Takada - Designer der leuchtenden Muster
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 05.10.2020)

Modemarke Fred Perry vs. "Proud Boys" - Die Diskurstricks der Rechten
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 02.10.2020)

Hengameh Yaghoobifarah und das KaDeWe - Subversive Werbung für Luxus?
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 25.09.2020)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsPokern mit dem Welterbe
Luftbild des Loreleyfelsen bei St. Goar inmitten des UNESCO-Weltkulturerbegebiets Mittelrheintal (picture alliance / dpa / Thomas Frey)

Mit dem Bau der Waldschlößchenbrücke wurde Dresden der Welterbestatus aberkannt. Ähnliches könnte sich jetzt durch Bebauungspläne für die Loreley-Landschaft ergeben, wo trotz Expertenkommission ein Hoteldorf entstehen darf, schreibt die FAZ.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur