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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 15.08.2018

Dirk Bockmühl: "Keim daheim"Anleitung zum Zusammenleben mit Bakterien

Von Michael Lange

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Cover von Dirk Bockmühl "Keim daheim", im Hintergrund wird ein Salat gewaschen (Droemer / dpa/Joker / Collage: DLF Kultur)
Praxisnah und verständlich beschreibt Dirk Bockmühl, was sich gegen Mikroben im Haushalt unternehmen lässt. (Droemer / dpa/Joker / Collage: DLF Kultur)

Schimmel an der Wand, Ablagerungen in der Waschmaschine und schleimige Rückstände im Siphon: Für Dirk Bockmühl sind das hoch interessante Lebensgemeinschaften. In "Keim daheim" erklärt der Biologe, wie sich Bakterien in Bad und Küche beikommen lässt.

Eine Wohnung ist nicht nur Lebensraum für Menschen oder Haustiere. In ihr finden auch Billionen unsichtbarer Mikroorganismen ihre ökologische Nische: im Spülbecken, in der Waschmaschine, im WC oder in der Matratze. Zum Glück sind die allermeisten von ihnen ungefährlich.

Mikroben mögen es warm, feucht und dunkel. Der menschliche Darm oder bestimmte Regionen der Haut wie die Achselhöhlen bieten ihnen ideale Lebensräume. Und weil der Mensch jede Menge Mikroben mit sich herumträgt, ist natürlich auch sein Umfeld voll davon. In jedem Haushalt, egal wie oft geputzt wird, wimmelt es von unsichtbaren Mitbewohnern.

Gesundheitsrisiken und Krankheiten, die durch Mikroben

In lockerer Alltagssprache, anschaulich, mit vielen Beispielen und gespickt mit mehr oder weniger lustigen Kalauern gelingt es Dirk Bockmühl, seinen Lesern die Welt der Mikroben näher zu bringen. Schimmel an der Wand, Ablagerungen in der Waschmaschine und schleimige Rückstände im Siphon der Abwasserleitung haben viele schon einmal gesehen. Und sich davor geekelt. Für den Mikrobiologen jedoch sind das hoch interessante Lebensgemeinschaften. Bakterien und Pilze leben in Gruppen zusammen und schützen sich durch Schleimschichten in so genannten Biofilmen vor der Außenwelt.

Was sich dagegen unternehmen lässt, beschreibt der Professor praxisnah und verständlich. Fachkundig erklärt er die Wirkung von Kosmetika, Putz- oder Waschmitteln. Ohne zu dramatisieren, nennt er Gesundheitsrisiken und Krankheiten, die durch Mikroben hervorgerufen werden können. Stets steht für ihn der praktische Nutzen einer Information im Vordergrund. 

Die Küche – der gefährlichste Ort der Wohnung

Zur Gefahr für die menschliche Gesundheit werden seiner Einschätzung nach vor allem die Keime in der Küche. Sie ist – wie Dirk Bockmühl schreibt – der "gefährlichste" Ort jeder Wohnung, und nicht etwa das Badezimmer oder das WC. Wer frisches Hühnerfleisch zerlegt und anschließend auf demselben Brettchen Gemüse schneidet, setzt sich ohne Not dem Risiko einer Lebensmittelinfektion aus. Wer das Hühnchen vor der Zubereitung wäscht, verteilt außerdem Fäkalkeime im Spülbecken und auf der Arbeitsplatte. Von hier gelangen dann die unerwünschten Keime in Spüllappen und Haushaltsschwämme, wo sie sich ungestört wochenlang weiter vermehren können.

Dirk Bockmühl ist kein weltfremder Professor, sondern ein Mann der Praxis. In der Wissenschaftler-WG, in der er wochentags wohnt, und am Wochenende bei seiner Familie erlebt er die gleichen Diskussionen wie viele seiner Leser. Was bringen Toilettensteine? Was ist sauberer: Die Spülmaschine oder das Spülen mit der Hand? Was bringen antibakterielle Deodorants? Und so weiter. Dirk Bockmühl weiß aber auch, dass zu viele Ratschläge unnötig Sorgen machen. Der letzte Tipp in seinem "Keim-Knigge" lautet folglich: "Lassen Sie sich nicht verrückt machen."

Dirk Bockmühl: Keim daheim – Alles über Bakterien, Pilze und Viren
Illustrationen von Claire Lenkova
Droemer Taschenbuch, München
288 Seiten, 16,99 Euro

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