Konzert / Archiv 27.11.2020

Dirigentenwettbewerb Sir Georg SoltiMitreißend energisch

Eine junge Frau blickt freudestrahlend ins Orchester, das vor ihr sitzt. Sie hat die Hände zum Dirigat gehoben, in ihrer rechten Hand hält sie einen Dirigierstab hoch. (Solti Dirigentenwettbewerb / Tibor Pluto)Die Gewinnerin des Wettbewerbs, Tianyi Lu aus Neuseeland (Solti Dirigentenwettbewerb / Tibor Pluto)

Mitte Oktober fand in Frankfurt am Main der 9. Internationale Dirigentenwettbewerb "Sir Georg Solti" statt. Gewonnen hat ihn die Dirigentin Tianyi Lu aus Neuseeland.

Aus über 430 eingeschickten Videobewerbungen aus aller Welt hatte die fünfköpfige Vorjury in mehreren Siebungsprozessen 13 Teilnehmer herausgefiltert und nach Frankfurt eingeladen. Das Halbfinale mit noch fünf Teilnehmern fand dann im Sendesaal des Hessischen Rundfunks mit dem Orchester des Hauses statt. Hier waren als Pflichtstücke die siebte Sinfonie von Ludwig van Beethoven, Robert Schumanns Klavierkonzert und die "Con-brio"-Ouvertüre von Jörg Widmann verlangt. Im Finale stellten sich dann die drei letzten Kandidaten auch dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester mit Beethovens siebter Sinfonie vor.

Wir folgen im Konzert der Dramaturgie des Wettbewerbs und übertragen zunächst das Finalkonzert. In der Konzertpause ist zu erfahren, wie die Finalisten und auch die Jury diesen außergewöhnlichen Wettbewerb erlebt haben. Im zweiten Teil bringen wir dann das Preisträgerkonzert, in dem die Gewinner noch einmal anhand von drei Beethoven-Ouvertüren brillieren können. 

Die drei Preisträger: 

Die Dirigentin Tianyi LuGewinnerin des 1. Preises, stammt aus einer chinesischen Familie und ist in Neuseeland aufgewachsen. Bis 2019 lebte sie in Australien, war zuletzt dort Assistentin beim Melbourne Symphony Orchestra. Wichtige Erfahrungen hat sie beim Royal Scottish Orchestra in Schottland, beim Gulbenkian Orchester in Portugal und als Assistentin von Gustavo Dudamel in Los Angeles gesammelt. Weitere Anregungen erhielt sie in Meisterkursen, u.a. bei Bernard Haitink. Darüberhinaus hat sie sich auch als Komponistin elektronischer Musik und als Barock-Flötistin einen Namen gemacht. Erst Mitte September hat sie ihren ersten Dirigierwettbewerb bestritten, den Guido Cantelli-Wettbewerb in Novara /Italien, den sie ebenfalls gewann. 

Johannes Zahn, erhielt den 2. Preis und zusätzlich den Publikumspreis, einen originalen Dirigierstab von Sir Georg Solti aus dessen Frankfurter Zeit. Johannes Zahn ist in München aufgewachsen und ließ sich zunächst als Cellist ausbilden. Sein Wechsel ins Fach Dirigieren führte ihn zu Lehrern wie Ulrich Windfuhr in Hamburg und Johannes Schlaefli in  Zürich. Er nahm an Dirigiermeisterkusen in Aspen teil und gewann 2018 den dort vergebenen Dirigentenpreis. Er ist außerdem 2. Preisträger des bekannten Jorma-Panula-Dirigentenwettbewerbs in Finnland. Dirigentische  Erfahrungen konnte er u.a. beim Städtischen Orchester Birmingham und den Festival Strings Lucerne sammeln. Auch einige Opernproduktionen durfte er bereits leiten, darunter "Cosí fan tutte" in Meiningen und "Rigoletto" in Bremen.

Der ungarische Dirigent Gábor Hontvári wurde ebenfalls mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Er hat zunächst in Budapest ein Doppelstudium in den Fächern Dirigieren und Chorleitung absolviert und ist dann in die renommierte Dirigierklasse von Nicolas Pasquet an die Musikhochschule Weimar gewechselt. Als Assistent war er eine Zeitlang an der Staatsoperette Dresden tätig. Meisterkurse im Bereich der historischen Aufführungspraxis führten ihn zu Frieder Bernius und Alessandro de Marchi. Seine musikalischen Interessen reichen aber auch bis zu allerneuesten Werken u. a. von Peter Eötvös und ganz jungen Komponisten. Zur Zeit ist Gabor Hontvari als Kapellmeister in Würzburg tätig.

9. Internationaler Dirigentenwettbewerb "Sir Georg Solti"
Alte Oper Frankfurt
Aufzeichnung vom 11. Oktober 

Finalkonzert 

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Leitung:  Tianyi Lu (1. Satz)
Johannes Zahn (2. und 3. Satz)
Gábor Hontvári (4. Satz)

Konzertpause
Christine Anderson im Gespräch mit den Jurymitgliedern Ulrich Edelmann (1. Konzertmeister des hr-Sinfonieorchesters) und Carola Reul (Geschäftsführerin Junge Deutsche Philharmonie) sowie den drei Preisträgern

Preisträgerkonzert

Ludwig van Beethoven
Ouvertüre zum Ballett "Die Geschöpfe des Prometheus" op. 43

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Leitung: Johannes Zahn

Ludwig van Beethoven
Ouvertüre zum Schauspiel "Coriolan" op. 62

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Leitung: Gábor Hontvári

Ludwig van Beethoven
Ouvertüre "Leonore" Nr. 1 op. 138 

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Leitung: Tianyi Lu 

Gioacchino Rossini
Ouvertüre zu Oper "La Scala di Seta"

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Leitung: Tianyi Lu

Mehr zum Thema