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Interview | Beitrag vom 07.11.2019

Digitale-Versorgung-GesetzDeutsche Angst vor Datenmissbrauch

Erwin Böttinger im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Bei der Magnetresonanztomographie (MRI, MRT) wird ein Patient in die Röhre geschoben. (imago-images/ Panthermedia)
In Zukunft "komplett durchleuchtet"? - Die Patientendaten gesetzlich Versicherter sollen bald für Forschungszwecke gesammelt werden. (imago-images/ Panthermedia)

Haben wir zu große Sorge vor Datenmissbrauch? Das meint der Mediziner und Wissenschaftler Erwin Böttinger. Dass ein neues Gesetz nun die Verwertung von Patienten-Daten für Forschungszwecke erleichtern soll, bringt aus seiner Sicht enormen Mehrwert.

Ärzte können künftig Gesundheitsapps verschreiben. Der Bundestag hat digitale Anwendungen am Computer, auf Smartphones oder Tablets als Kassenleistung ermöglicht. Die Regelung ist Bestandteil des Digitale-Versorgung-Gesetzes, mit dem Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorantreiben will.

Unter anderem soll es die Telemedizin stärken, Verwaltungsprozesse vereinfachen und auch die Verwertung von Gesundheitsdaten für Forschungszwecke erleichtern.

Im Vorfeld sorgte das Gesetz für kontroverse Debatten über Datenmissbrauch. Ob und wie seine Daten genutzt werden, könne der gesetzlich versicherte Patient nun nicht mehr selbst entscheiden – so die Sorge der Datenschützer.

Dagegen wandte Spahn ein, es handele sich nicht um Behandlungsdaten, sondern sekundäre Informationen wie Alter, Geschlecht, Wohnort und verordnete Behandlungen. 

Eine Angst- statt Nutzendebatte

Erwin Böttinger, Leiter des Digital Health Centers am Hasso-Plattner-Institut, befürwortet das Gesetz uneingeschränkt. Die Sorgen der Datenschützer kann er nicht nachvollziehen: "Dass wir jetzt in Deutschland in der öffentlichen Debatte und im Parlament mit einigen Abgeordneten wieder diese Angstdebatte vornehmlich führen und nicht die Nutzendebatte, das ist schon sehr bedenklich", sagte er im Deutschlandfunk Kultur.

Die Sorge vor Datenmissbrauch basiere auf der Vorstellung, "dass es überall Personen gibt, die Daten missbrauchen wollen. Das ist doch ein hypothetisches Risiko, dem ein ganz konkreter Nutzen gegenübersteht."

Sorgen in anderen EU-Ländern nicht so groß

Aus seiner Sicht bringt das Gesetz einen "enormen Mehrwert" für die Medizinwissenschaft und damit auch einen Nutzen für Bürgerinnen und Bürger. Gerade Patienten mit chronischen Erkrankungen – so seine Erfahrung – würden der Datenweitergabe sehr viel offener gegenüberstehen: "Ich stelle schon fest, dass die Ängste bei denen, die unter Erkrankungen leiden, sehr viel geringer sind. Das geht so weit, dass die sagen: Um Himmelswillen, bitte, macht doch was mit den Daten, nutzt die", damit man den Krankheiten endlich Herr werde.

Aus Sicht Böttingers ist die Debatte über Weitergabe von Patientendaten eine deutschlandspezifische Diskussion: "Gehen wir in andere EU-Länder, wo die gleichen Datenschutzgrundverordnungsregelungen gelten, nämlich die Europäische Datenschutzgrundverordnung; gehen wir nach Finnland, nach Estland, nach Dänemark: Es scheint in diesen Gesellschaften diese Ängste nicht in diesem Ausmaß zu geben. Dort wird genau das schon lange gemacht, wo das Gesetz jetzt einen ersten Schritt hingehen möchte."

(lkn/epd)

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