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Breitband | Beitrag vom 06.03.2021

Digitale KontaktverfolgungRückwärts denken, um vorwärts zu kommen

Sibylle Anderl im Gespräch mit Katja Bigalke und Martin Böttcher

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Ein Smartphone mit der App SafeVac liegt auf blauen Einwegschutzmasken. (dpa / Eibner-Pressefoto)
Über die App "SafeVac 2.0" des Paul-Ehrlich-Instituts können Covid-19-Geimpfte Nebenwirkungen mitteilen. (dpa / Eibner-Pressefoto)

Die Corona-Warn-App wird zu wenig genutzt, die Gesundheitsämter sind überlastet: In Deutschland hakt es bei der Kontaktverfolgung. Nun liefert eine Studie Ideen für eine bessere Strategie.

Nach hinten, nicht nach vorne: Das ist die Strategie zur Kontaktverfolgung von Coronainfizierten, die eine Studie aus dem Fachmagazin "Nature Physics" anstrebt. Mit den Richtungen ist die Art gemeint, wie Infektionsketten ermittelt werden. Bei der "Vorwärtsrichtung" fragt man einen Infizierten nach den Kontakten, die er oder sie hatte, und warnt diese Kontakte vor einer möglichen Ansteckung – so wie es auch bei der Corona-Warn-App geschieht.

"Da geht es um das Übertragungspotential des Infizierten", sagt die Wissenschaftsjournalistin Sibylle Anderl von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Dann gibt es noch die "Rückwärtsrichtung", wobei der Infizierte gefragt wird, wie und wo er sich angesteckt hat: "Und da ist die Hoffnung, dass man einen größeren Ausbruch findet, den man dann entsprechend verfolgen kann", erklärt Anderl den Ansatz der Studie aus dem Fachmagazin "Nature Physics".

Gut vernetzte Personen identifizieren

Warum die Rückwärtsrichtung den Wissenschaftlern aussichtsreicher erscheint, liegt an der besonderen Struktur von Kontaktnetzwerken: "Es gibt auf der einen Seite Individuen, die sehr stark vernetzt sind, und dann gibt es andere, die kaum Kontakte haben." Bezogen auf die Pandemie hieße das, bei einem Ausbruch die gut vernetzten Personen, also häufig genannten Kontakte, zu identifizieren.

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"Wenn irgendjemand oder ein Ereignis in mehreren Kontaktverfolgungslisten auftaucht, dann scheint das tatsächlich ein Ausbruch gewesen zu sein. Dann scheint da die Ansteckung stattgefunden zu haben", erklärt die Wissenschaftsjournalistin Anderl.

Auf größere Ausbrüche konzentrieren

In einem Modell haben die Wissenschaftler diese größeren Ausbrüche isoliert und nachverfolgt. Die Ergebnisse haben gezeigt: "dass tatsächlich die Eindämmung der Pandemie bereits ziemlich gut funktioniert, wenn man nicht alle Kontakte isoliert betrachtet und nachverfolgt, sondern wirklich nur diejenigen, die mit den größten Ausbrüchen verbunden sind."

"Das macht diese Effizienz der Methode aus: Wenn man beschränkte Möglichkeiten hat, die Kontaktverfolgung auszuführen, dann ist es tatsächlich schon sehr zielführend, wenn man sich nur auf die größten Ausbrüche konzentriert, die man eben mit dieser Methode identifizieren könnte", erklärt Anderl.

Kontakte der Infektionsquelle isolieren

Für eine digitale Kontaktnachverfolgung ergibt sich daraus ein mehrstufiges Benachrichtigungssystem: Zum einen müsste eine solche App Infektionsquellen identifizieren. Die Corona-Warn-App kann das momentan nicht und auch andere Apps listen zwar Kontakte auf, "aber man weiß nicht, welcher dieser Kontakte tatsächlich derjenige war, der den Infizierten selbst angesteckt hat". Der zweite Schritt wäre, die Kontakte der Quelle nachzuverfolgen und zu isolieren.

"Im Prinzip wäre das von der Implementierung gar nicht so anders als die Apps, die es momentan schon gibt. Man müsste die Daten nochmal in einem zusätzlichen Schritt auswerten und das passt im Prinzip genauso mit Datenschutz und dezentraler Speicherung zusammen, wie das bisher auch schon gemacht wird", sagt Sibylle Anderl. 

(nog)

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