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Interpretationen | Beitrag vom 09.08.2020

Die "Sonnenquartette" von Joseph HaydnStrahlende Streicher

Moderation: Ulrike Timm

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Porträt des Komponisten Joseph Haydn (1732-1809), um 1800 (imago)
Pionier und Vollender in Personalunion: Joseph Haydn, Meister der Streichquartettkomposition (imago)

Joseph Haydns rund 80 Streichquartette legen eine weite Strecke zurück, von der kleinen Musik für das adelige Gartenfest zum musikalischen Bekenntnis geistigen Adels. Ein Meilenstein auf dem Weg dahin sind die "Sonnenquartette" op. 20.

Joseph Haydn hat das Streichquartett zwar nicht erfunden, aber er hat die Form fast im Alleingang zur Blüte gebracht – durch ihn wurde das Streichquartett zur Königsdisziplin in der Kammermusik.

Hier geht es zur Playlist der Sendung.

Anfangs, in den 1750er Jahren, musizierten der Pfarrer, der Gutsverwalter, Haydn an der Bratsche und ein ambitionierter Amateurcellist zur abendlichen Unterhaltung und gern auch mal draußen im Garten "kleine Musiken". Die späten, um 1800 entstandenen Streichquartette gehören dagegen von jeher zum Kanon der Quartettliteratur. Rund achtzig Streichquartette hat Haydn komponiert, durch sein gesamtes Komponistenleben begleitete ihn diese Kammermusikform.

Kammermusik aus dem Kompositionslabor

Die "Sonnenquartette" op. 20 – komponiert 1770-72 und benannt nach einem kunstvollen Stich, der die Erstausgabe schmückte – sind sein Kompositionslabor, es sind die Werke, in denen Haydn zu seiner ureigenen Sprache als Komponist von Streichquartetten fand. Nie zuvor und kaum je danach hat er so sehr experimentiert, sich selbst immer wieder neue Aufgaben gestellt.

Das Finale eines Streichquartetts sollte dem Kopfsatz ebenbürtig werden – ein Anspruch, aus dem heraus strenge Fugen entstanden. Das Menuett wechselt mehrfach seine Position in der Satzfolge, und die langsamen Sätze erscheinen etwa als Gesangsszene, als Variationenfolge oder auch als bizarres Capriccio mit jähen und wie improvisierend gehaltenen Ab- und Aufbrüchen.

Das Amadeus Quartet (imago / Werner Neumeister)40 Jahre in derselben Besetzung: Das legendäre britisch-österreichische Amadeus Quartet mit Norbert Brainin, Siegmund Nissel, Peter Schidlof und Martin Lovett (v.l.n.r.) (imago / Werner Neumeister)

Über die vielgestaltige Folge der sechs Streichquartette op. 20 meinte etwa der britische Musikwissenschaftler Donald Tovey: "Es gibt wohl kein Kammermusikwerk in der Geschichte der Instrumentalmusik, das so viel und dies so unauffällig erreicht hat." Haydns op. 20 sei unübertreffbar, danach könne es nicht mehr besser, sondern nur noch anders werden!

Weisheit und Witz

Bei aller Akkuratesse, kompositorischen Arbeit und – ja, auch das! – Gelehrsamkeit kommen in diesen Werken Haydns Charme und Witz nicht zu kurz. Die Quartette op. 20 sind seltener auf dem Podium zu hören, werden von Musikern aber oft besonders gern gespielt. Nicht zuletzt, weil Ensembles daran sich selbst formen und wachsen können.

Die heutige Sendung vergleicht zum einen Interpretationen durch musizierende Interpreten und widmet sich zugleich Haydns kompositorischer Interpretation des Streichquartetts, dieser damals immer noch sehr neuen Gattung der Kammermusik. Zu hören sind legendäre wie jüngere Ensembles, auf umsponnenen wie auf Darmsaiten – darunter das Hagen Quartett, das Quatuor Mosaïques, das Doric String Quartet, das Chiaroscuro Quartet und das Amadeus Quartet.

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