"Die Politik ist Gefangene der Leistungsanbieter"

13.08.2013
Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, hat die Studie der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International über Missstände im Pflegesystem gelobt. Brysch sagte, es sei sinnvoll, dass Transparency die bekannten Probleme zusammengetragen und beziffert habe.
Jetzt wisse man "schwarz auf weiß", wo die größten Probleme liegen. Brysch: "Es kann nicht sein, dass in unseren Pflegeheimen 140.000 Menschen unter freiheitsentziehenden Maßnahmen leiden. […] Die Zahlen gibt es, und die müssen wir benennen." Die Patientenschützer wollten auch wissen, in welchen Einrichtungen die Probleme in welchem Umfang auftreten.

Laut Brysch ist die unzureichende Kontrolle ein Problem: Es gebe "bundesweit agierende Kartelle von Leistungsanbietern". Diese sollten von kommunalen Behörden überprüft werden, die aber nicht wüssten, ob es andernorts Auffälligkeiten gebe. Deshalb sei ein entsprechendes bundesweites Register nötig. Aus Sicht der Patientenschützer müssten sich Kontrollen außerdem auf die wesentlichen Fragen beschränken und Kernnoten vergeben, zum Beispiel hinsichtlich der Fälle von Wundliegen, Stürzen oder Mangel- und Fehlernährung.

Man könne mit dem vorhandenen Personal "besser kontrollieren, wenn wir die Pflege messbar an den Ergebnissen ausrichten", betonte Brysch. Er forderte zugleich mehr Mitsprache für Patienten und ihre Vertreter hinsichtlich der Pflegeleistungen und wie sie kontrolliert werden.


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