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Thema / Archiv | Beitrag vom 23.07.2013

"Die persische Lyrik ist ein ganz, ganz reicher Schatz"

Die Musikerin Cymin Samawatie über ihre Vertonung alter Gedichte

Moderation: Ulrike Timm

Dass sie sich zwei Kulturen verbunden fühlt, bietet Cymin Samawatie eine besondere Inspiration. (privat)
Dass sie sich zwei Kulturen verbunden fühlt, bietet Cymin Samawatie eine besondere Inspiration. (privat)

Es sei immer wieder überraschend, wo die persischen Texte sie hinführten, sagt Cymin Samawatie. Mit der Lyrik improvisiere sie sehr gern, erklärt die in Berlin lebende Musikerin, die aus einer iranischen Familie stammt. Trotz zweisprachiger Erziehung sei ihr Blut zu 100 Prozent persisch.

Ulrike Timm: Wir begegnen gleich einer Frau, die zwei Kulturen verinnerlicht hat in ihrem Leben wie in ihrer Kunst. Cymin Samawatie, in Braunschweig geboren, stammt sie aus einer iranischen Familie, und vor der Sendung habe ich sie hier im Radiofeuilleton-Studio getroffen, um mit ihr über ihre Musik zu sprechen und natürlich diese Musik auch zu hören. Cymin Samawatie vertont uralte persische Gedichte, sehr eigenwillig, sehr wunderbar, klingt so:

(Musikeinspielung)

Timm: Zwei Leidenschaften treffen sich bei Cymin Samawatie in einer Kunst, die für die Musik und die für alte persische Lyrik, ganz alte Dichtungen aus dem 13. und 14. Jahrhundert, und beides zusammenfließt in solche Lieder, wie wir eben eines hörten. Cymin Samawatie, herzlich willkommen!

Cymin Samawatie: Danke schön!

Timm: "As ney" heißt dieses Lied – worum geht es darin?

Samawatie: Rumi schreibt hier aus dem 11. Jahrhundert (persisches Zitat): "Hör dir die Geschichte der Rohrflöte an, wie sie sich über die Trennung beklagt, seitdem ich aus dem Röhricht herausgeschnitten wurde, bringen meine Melodien Mann und Frau zum Weinen."

Timm: Ein Lied voller Heimweh, dem Sie eine ganz elegische Musiksprache mitgegeben haben. Sehr kontemplativ – wussten Sie von Anfang an, so will ich mich ausdrücken?

Samawatie: Ich lasse mich überraschen, wohin mich die Lyrik und die Musik hinführt. Ich weiß am Anfang nie, was passieren wird. Ich improvisiere sehr viel, auch mit der Lyrik, und das ist jetzt dabei herausgekommen.

Timm: Was ist denn das Besondere an dieser uralten Dichtung des Dichters, der heißt schlicht Rumi.

Samawatie: Genau, Maulana sagt man auch. Er hat eigentlich noch einen ganz anderen Namen, den ich jetzt nicht vor mir liegen hab. Ich will jetzt nicht die Gefahr eingehen, es falsch auszusprechen.

Timm: Der ist ungefähr zwei Zeilen lang.

Samawatie: So ungefähr.

Timm: Aber bekannt ist der Mann als Rumi.

Samawatie: Rumi oder Maulana oder Mevlana, sagen auch manche, je nach Land und Bekanntheit spricht es jeder ein bisschen anders noch mal aus. Aber eigentlich ist er einer der sehr bekannten Dichter. Und was ich so faszinierend finde, ist einfach, dass es eine unheimlich schöne Sprache für mich ist. Ich liebe diesen Klang und ich liebe diese tiefen Bedeutungen. Diese vielschichtigen Bedeutungen, die in diesen Texten drin steckt, die mich selbst sehr berühren. Und das ist der Grund, warum ich diese Lyrik genommen hab und vertont habe.

Timm: Wie haben Sie sie gefunden?

Samawatie: Ich mache mich einfach auf die Suche und begegne immer wieder – also ich grabe. Die persische Lyrik ist ein ganz, ganz reicher Schatz, da drin versteckt, und den erforsche ich einfach. Ich hab auch einen Lehrer, der mir immer wieder neue Sachen mitbringt und mit mir diese Sachen erforscht, sozusagen.

Timm: Cymin Samawatie, Sie sind Braunschweigerin, Sie haben iranische Wurzeln. Sind diese persischen Dichter auch ein Suchen, ein Band zum kulturellen Hintergrund der Familie?

Samawatie: Vielleicht kann man das auch so sehen. Ob das ein Suchen ist oder einfach eine Sehnsucht, damit verbunden zu sein. Kann man durchaus so sagen, ja.

Timm: Haben Sie sie gezielt gesucht, einen Rumi im 11. Jahrhundert findet man eigentlich nicht per Zufall.

Samawatie: Doch, die haben mich gefunden und nicht ich sie. Also das erste Mal, als ich den Dichtern begegnet bin, das war ungefähr vor zehn Jahren wahrscheinlich, vielleicht auch vor zwölf Jahren. Und zwar hier in Berlin. Als ich bei meiner Tante gelebt habe eine Zeit lang und ich dann bei ihr zu Hause war und sie gerade dabei war, eine CD mit Gedichten von Khayyam sich anzuhören. Rezitationen von Ahmad Shamlou und ich fand es einfach total faszinierend, hab mir diese Sprache angehört und dachte mir, wow, warum berührt mich diese gesprochene Persisch.

Und ich hab mich auch gefragt, warum verstehe ich so wenig davon? Ich hab einzelne Wörter nur verstanden, aber ich hab überhaupt nicht die Zusammenhänge verstanden. Und das hat mich zum Nachdenken gebracht. Dann hat meine Tante mir diese Gedichte übersetzt. Und ich war dann fasziniert von der Bedeutung dieser Texte und habe dann angefangen, diese Texte zu lernen und sie auch zu vertonen. Einfach aus Faszination und aus Liebe zum Klang, zur Sprache und zum Inhalt.

Timm: Das heißt, das alte Persisch ist auch für Sie, eine Frau mit iranischen Wurzeln, etwas wie für uns Mittelhochdeutsch. Keine Sprache, die man spricht, die man kennt. Die haben Sie sich auch von Grund auf erarbeiten müssen.

Samawatie: Ja, vielleicht nicht ganz so, würde ich sagen, weil ich bin ja zweisprachig groß geworden, und da ist dann vielleicht schon noch mal eine andere Nähe da zur Sprache. Aber dadurch, dass ich in Deutschland wirklich geboren bin, groß geworden bin, ist schon auch eine Distanz dort. Also ich würde sagen, beides. Ich sag mal, mein Blut ist 100 Prozent persisch, und deswegen ist da schon auch eine ganz besondere Nähe zu dieser Sprache und zu der Kultur da.

Timm: Dieser Resonanzboden, auf dem Sie da leben, Cymin Samawatie, der interessiert mich. Also, in Braunschweig geboren, mit der deutschen Kultur aufgewachsen, aber auch mit der iranischen durch ihre Eltern. Wie leben Sie das für sich ganz privat.

Samawatie: Ja, ganz normal, so wie ich das schon immer gemacht habe. Es ist für mich etwas Selbstverständliches. Ich mache mir darüber nicht so viele Gedanken. Früher war es, glaube ich, noch etwas schwieriger, einfach auch, ich sag jetzt mal, durch die Stadt. Ich war eine der wenigen in unserer Klasse, die aus einem anderen Land gekommen sind, ich war die einzige Iranerin. In Deutschland war ich keine Deutsche, und im Iran war ich keine Iranerin. Man hat gesehen, dass ich anders bin. Und als Teenager habe ich darunter gelitten. Und mittlerweile sehe ich eher den Reichtum darin, dass ich beides haben darf und in beidem leben darf und aus beidem mir das Schönste raussuchen darf. Und damit auch als Künstler, mein künstlerisches Dasein ausleben darf und mich darin verlieren darf sogar.

Timm: Und dieser Reichtum in ihrem Leben, den findet man im ganzen Kulturellen. In Ihrer Wohnung sieht man wahrscheinlich auch beide Kulturen. Eine Freundin von mir hat ähnliche Wurzeln wie Sie, die hat eine kleine iranische Ecke in der Wohnung, und Teppiche sind von da. Und gleichzeitig lebt sie natürlich seit Langem völlig in Deutschland. Sie sind Deutsche als Braunschweigerin – wie ist das bei Ihnen?

Samawatie: Bei mir ist es sicherlich ganz genauso. Ich hab auch persische Teppiche, mein Vater war Teppichverkäufer. Und ich hab einen deutschen Ehemann und eine Tochter, und ich lebe hier in Berlin. Ich fühle mich hier auch wirklich zu Hause, weil, das ist das, was ich an Berlin auch wirklich mag, dass es hier auch eine Selbstverständlichkeit ist. Dass das Kind zweisprachig groß wird, dass man unfassbar vielen Kulturen begegnet, unfassbar vielen Menschen aus verschiedensten kulturellen Richtungen. Und das ist für mich einfach pure Inspiration. Und ich habe das Gefühl, ich darf hier einfach so sein, wie ich bin, ohne dass ich in irgendeiner Art und Weise unbedingt auffalle.

Timm: Wir wollen noch mal Musik hören, ein Gedicht, das Sie vertont haben. Das Gedicht – sagen Sie es selber – "Por se …"

Samawatie: Genau. Das Stück heißt "Por Se Ssedda", und es ist hier mit Hafis gemeint, "Voll seines Klanges", ein Gedicht von ihm aus dem 13. Jahrhundert.

Timm: Was ist das für ein Gedicht?

Samawatie: Der Kernvers lautet, das ist einer meiner Lieblingsverse. Er schreibt da:

"Hörst Du die Worte des Herzens, sag nicht, dass sie falsch sind. Kenner des Wortes bist Du nicht, mein Schatz, hier liegt der Fehler."

(Musikeinspielung)

Timm: "Por Se Ssedda" vom persischen Dichter Hafis, interpretiert von Cymin Samawatie und ihrer Band Cyminology. Cyminology für den eigenen Stil?

Samawatie: Für den eigenen Stil, für den eigenen Inhalt. Für die eigene Art zu arbeiten.

Timm: Sie haben Musik, die kreist: Es ist ein bisschen jazzig, es ist balladenhaft, es ist auch orientiert an dem Klang der Sprache. Ich dachte, es ist vielleicht sogar ein Titel aus Notwehr, weil man so nicht sagen kann, Sie passen in diese Schublade, heißt die Band Cyminology. Kann man das so sehen?

Samawatie: Ja, wir passen halt in keine Schublade hinein, es ist sozusagen das Schöne und auch gleichzeitig das Schwierige. Wir sind halt keine typische Jazzband, wir sind kein klassisches Ensemble und wir sind keine Weltmusikband. Aber aus diesen verschiedenen Bereichen gibt es Elemente, die man finden kann.

Timm: Bei Weltmusik zuckt ein bisschen die Nase. Mögen Sie das ganz besonders überhaupt nicht?

Samawatie: Ja, diesen Begriff mag ich nicht so gerne. Aber ich glaube, ich benutze ihn trotzdem, einfach weil die meisten Hörer wissen, oder schon wissen, was ich damit meine.

Timm: Kommen wir noch mal zurück zu dieser alten persischen Lyrik, die vertont wurde, Lyrik von Hafis.

"Wenn du die Sprache anderer Menschen hörst, und sie ist die Sprache des Herzens, dann sag nicht, das ist falsch",

heißt es in diesem Gedicht. Ist Hafis für Sie die Sprache des Herzens, einer anderen Zeit, einer anderen Epoche?

Samawatie: Das Gedicht bedeutet für mich, dass ich etwas in meinem Herzen habe, was ich herauslassen möchte oder was heraus muss, und nicht jeder versteht es. Ich bekomme auch von außen Kritik, wo Leute sagen, du darfst das nicht machen. Du kannst nicht ein Gedicht aus dem 13. Jahrhundert nehmen und dann mit einer modernen Skala vertonen. Oder du darfst das so nicht machen. Oder jenes nicht machen. Und für mich als Künstlerin fühlt sich das erst mal nicht gut an, wenn mir Regeln gegeben werden, von außen. Sondern ich möchte eigentlich gerne Grenzen und Regeln brechen, um etwas Neues zu entdecken. Das haben auch schon Menschen vor mir gemacht und es passiert auch, aber das war für mich, dieser Inhalt des Gedichtes, was da drin steckt. Und damit hat Hafis zu kämpfen gehabt im 13. Jahrhundert, und damit haben Künstler jetzt auch immer noch leider zu kämpfen.

Timm: Und Hafis, der ist ja schon mal kulturverbindend gelesen worden. Hafis, "Der Diwan" ist sein Hauptwerk, und einer der größten Fans von Hafis war Goethe, der aus dieser Inspiration heraus den "West-östlichen Diwan" schuf. Also die persische Lyrik ist immer mal wieder hochgeblubbert und neu gesehen, neu gehört worden.

Samawatie: Ja, die persische Lyrik ist etwas, was sich über die Jahrhunderte unfassbar entwickelt hat, ich würd sagen, es ist sehr spannend, das zu beobachten. Ich hätte mir gewünscht, dass es noch mehr weiter geht. Die moderne persische Lyrik kam dann irgendwann dazu mit Nima Yuschidsch, einem der ersten oder der Vater der modernen persischen Lyrik, Forough Farrokhzad, eine persische Lyrikerin. Und es dürfte für mich auch gern noch weiter gehen. Dadurch, dass ich nicht vor Ort bin und auch leider mein Tag nur 24 Stunden hat, habe ich mich noch nicht ganz weit da hineingearbeitet in die ganze persische Lyrik, die es gibt.

Und es gibt ja auch noch die deutsche Lyrik, die ich auch noch entdecken möchte und in der ich noch suche und krame. Es gibt einfach unheimlich viel, aber gerade im Persischen ist es schon zu beobachten, wenn man sich da so hineinarbeitet in diese ganze Vielfalt und wie sehr das sich entwickelt hat.

Timm: Sie haben uns vorhin erzählt, dass Sie wegen Ihrer kulturellen Wurzeln natürlich einen Zugang haben zum Klang dieser Sprache. Dass Sie sich aber dieses alte Persisch aus dem 13. und 14. Jahrhundert selber auch erarbeiten müssen. Die Schrift, die Worte, den Klang – wie machen Sie das? Lesen Sie es laut, entziffern Sie es erst mal, hören Sie gleich eine Musik dazu? Wie läuft das künstlerisch bei Ihnen ab?

Samawatie: Ich sag jetzt mal, jeder, der sich dafür interessiert – und es kommt natürlich auch darauf an, auf welcher Ebene man sich dafür interessiert. Bei mir war das so, dass mich erst mal nur der Klang fasziniert hat und ich unheimlich viel mir das angehört habe über CDs. Dann habe ich einen Lehrer gefunden, der mit mir gearbeitet hat. Im Moment arbeite ich mit Jamshid Razban, einem Professor für Lyrik, der hier in Berlin arbeitet und der sich mit mir hinsetzt und diese Lyrik mir vorliest. Mir das erklärt, was es bedeutet, mir hilft bei der Aussprache und mir auch hilft, die Sachen zu finden, die ich haben will.

Also manchmal sage ich ihm auch, das ist das Thema, was mich jetzt interessiert, welcher Dichter, welche Dichterin fällt dir dazu ein. Bring mir doch mal bitte was mit, und lass uns mal zusammenlesen. Er hilft mir auch dabei, selber Lyrik zu schreiben. Ich hab bestimmte Sachen, die mir sehr am Herzen liegen, die mich beschäftigen. Ich schreib die dann manchmal auf Deutsch oder auf Englisch auf. Und dann hilft er mir dabei, diese Texte auch zu übersetzen, sodass auch dort eine gewisse Qualität und Tiefe entstehen kann.

Timm: Wir wollen am Schluss auch noch ein Stück von Ihnen selber hören, was Sie selbst getextet und selbst komponiert haben. Auf einer CD versammelt: diese alte persische Lyrik vom großen Hafis, vom nicht viel kleineren Rumi und dann von Cymin Samawatie. Wird einem da nicht ein bisschen schwindelig, wenn man das alles so zusammenpackt?

Samawatie: Ich denke, nicht. Also ich lege den Fokus auf den Inhalt und gar nicht so sehr auf die Dichter. Ich denke, von außen wird eher der Fokus auf die Dichter gelegt. Mir geht es vor allem um den Inhalt und um die Schönheit.

Timm: Und Sie meinen, Hafis würde Sie verstehen?

Samawatie: Ich verstehe Hafis hoffentlich. Und er versteht mich auf jeden Fall.

Timm: Cymin Samawatie, Sie haben eine Stimme, die alleine trägt, ohne Mikroport. Das ist gar nicht so häufig in Ihrem Bereich. Aber Sie sind von Haus aus Schlagzeugerin, gar nicht Sängerin. Wann haben Sie Ihre Stimme entdeckt, die ja sehr eigen klingt.

Samawatie: Darüber könnten wir jetzt diskutieren, was ich genau bin. Ich habe mit Gesang auf jeden Fall angefangen, sehr viel autodidaktisch, ich habe komponiert, ich hab mir Gitarre beigebracht und ich hab am Klavier gespielt. Ich habe irgendwann mal entschlossen, Musik zu studieren.

Timm: Und ich dachte, das war Schlagzeug dann?

Samawatie: Ich hab angefangen mit Klavier-Hauptfach, weil ich damals nicht Gesang nehmen konnte. Und dann habe ich in meinem Studium gewechselt auf Schlagzeug-Hauptfach, aber auch auf Gesang und hab dann quasi diese drei Säulen gehabt für mich, Klavier, Gesang, Schlagzeug, klassisch. Und nach meinem Klassikstudium hatte ich das Bedürfnis, noch mal Jazz zu studieren und bin dann nach Berlin gezogen und habe hier Jazzgesang studiert und auch wieder mit den Fächern Gesang, Schlagzeug und Klavier.

Timm: Und Sie sind auch musikalisch sehr vielfältig – das sind alles Kompositionen, Gesang, Klavier, Kontrabass, Percussion, also eine klassische kleine Jazzbesetzung. In Ihrem nächsten Konzert in Berlin, am 7. August im Heimathafen Neukölln ist es eine ganz große Besetzung. Und, das fand ich besonders erstaunlich, also zur Orchesterbesetzung mit unterschiedlichsten Instrumenten kommt dann eine hebräische Sängerin, ein libanesischer Sänger, Sie mit diesem persischen Klang. Ist das – ja, wie ist das entstanden, was will diese Besetzung sagen?

Samawatie: Mich fasziniert einfach alles, was es gibt auf der Welt. Ich beschäftige mich gerne mit anderen Kulturen, mit anderen Sprachen. Ich bin auch der Meinung, wenn man sich mit allem beschäftigt, egal was, entdeckt man auch unheimlich viel Schönes darin, und das ist das, was ich gerne finden möchte. Manchmal suche ich länger und manchmal entdecke ich es sofort. Und dieses Festival, "Nächte des Ramadan" hat mich eingeladen, vor zwei Jahren schon mal, und da habe ich mich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt, was es für mich bedeutet, Ramadan hier in Berlin zu feiern und dafür zu komponieren.

Timm: Und was bedeutet es für Sie?

Samawatie: Genau das bedeutet es für mich, dass ich mich mit anderen Sachen beschäftige und ich als Nicht-Muslimin mich auch damit beschäftige, was beschäftigt einen Moslem im Ramadan hier in Berlin. Und da habe ich mich mit jemandem zusammengesetzt, der mir auch erklärt hat, das sind die Koransuren, die gelesen werden, das ist das, worum es geht. Und da habe ich dann zum Beispiel das Arabische genommen, um das zu vertonen. Ich fand den Gedanken schön, die letzten zehn Tage des Ramadan sind auch die Klagetage. Da habe ich an David gedacht, an die Bibel, der sehr viel geklagt hat, hab den sechsten Bußpsalm genommen. Da war es mir auch ein Anliegen, den im Original zu vertonen, also im Hebräischen.

Und vor zwei Jahren habe ich das selbst alles gesungen, und dieses Jahr habe ich die Möglichkeit gehabt, mir noch mehr Leute einzuladen, und habe dann dementsprechend Leute genommen, die auch in dieser Sprache groß geworden sind und das dann singen. Und mir war es auch wichtig, ein Stück zu komponieren, wo diese drei Sprachen gleichzeitig erklingen. Ich fand diese Idee einfach auch schön.

Timm: Das ist ein Vorgriff auf Ihr nächstes Konzert im Oktober, hier in Berlin. Jetzt wollen wir noch mal Cymin Samawatie hören mit Musik und Texten von Cymin Samawatie. Sagen Sie selbst, was wir da erwarten können.

Samawatie: Das ist ein Stück, das heißt "Sendegi". Es geht um das Leben, um mein Leben und um die ganzen Dinge, die in meinem Leben hervorkommen und der Wunsch, sozusagen zu leben. Und wenn ich sterbe, dass trotzdem noch etwas bleibt.

Timm: Wir wünschen Ihnen erst noch mal ein langes, glückliches, erfolgreiches Leben – Cymin Samawatie zu Gast im Studio des Radiofeuilletons und jetzt mit einer eigenen Komposition zu hören.

(Musikeinspielung)

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