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Konzert / Archiv | Beitrag vom 13.07.2019

Die Operette "Der Teufel auf Erden" wiederaufgeführtHöllenspaß im Theater Chemnitz

Moderation: Stefan Lang

In einer roten Höllenlandschaft steht ein Pförtner, der einem Teufel Auskunft gibt. (Theater Chemnitz  / Nasser Hashemi)
Schwierige Suche im Diesseits: Ruprecht (Alexander Kuchinka, rechts) soll Satan finden und fragt beim Höllenpförtner (Matthias Otte) nach. (Theater Chemnitz / Nasser Hashemi)

Wenn die Hölle überfüllt ist, muss der Chef das Aufnahmeprozedere neu regeln. Doch Satan ist verschwunden. Teufel Ruprecht soll ihn finden und steigt dafür auf die Erde herab. Dort merkt er: Auch hier geht es höllisch zu.

Das Theater Chemnitz kann auf eine reiche Operettentradition zurückblicken. Schon der Vater von Operettenstar Richard Tauber war hier im Haus lange Jahre als Intendanz involviert.

Nun wird die Tradition neu befeuert - die vergessene Operette von Franz von Suppé "Der Teufel auf Erden" steht seit einiger Zeit auf dem Spielplan. Das Werk wurde mit der Volksoper Wien wieder aufgelegt: Texte neu geschrieben, die Musik gestrafft und raffiniert verändert.

Wo steckt der Satan?

Verantwortlich dafür sind Theaterintendant Christoph Dittrich, der das Experiment wagte, die Operette von 1877 wieder auf die Bühne zu bringen. Und Texter Alexander Kuchinka, der als Schauspielsänger auch gleichzeitig als Höllenknecht Ruprecht die Suche nach "Oberboss Satan" aufgetragen bekommt. Vier Akte voller Höllenspaß sind daraus geworden - am Ende ist nicht ganz klar: Wo fängt die Hölle an, wo hört sie auf? 

Eine rot gekleidete Ballgesellschaft mit Blinkhörnern auf dem Kopf. (Theater Chemnitz  / Nasser Hashemi)Ein Ball in der Hölle? Oder doch ein Tanz auf Erden? (Theater Chemnitz / Nasser Hashemi)

Ruprecht landet im ersten Akt mitten im 17. Jahrhundert in einem Kloster. Seine Suche bringt den Teilerfolg. Die Klosteroberin, Mutter Aglaja, ist die Tochter des Satans. Sie hat das Kloster auch so geführt, einen Reliquienhandel aufgezogen und die Mitglieder des Ordens skandalös schikaniert. Ruprecht hat nebenbei seinen Gegenpart gefunden: Rupert-Engel, der ihn fortan auf seiner Reise ungebeten begleiten wird.

Ein Engel ärgert einen Teufel, indem er Glitter über ihn streut. (Theater Chemnitz  / Nasser Hashemi)Nicht gesucht und doch gefunden: Engel Rupert (Matthias Winter) verfolgt Teufel Ruprecht (Alexander Kuchinka). (Theater Chemnitz / Nasser Hashemi)

Diese wird im zweiten und dritten Akt in einer Kadettenanstalt des Folgejahrhunderts fortgesetzt. Letzten Endes finden Teufel und Engel den Satan vor Ort, aber er ist nicht willens zurückzukommen. 

Im letzten Akt, der in der Gegenwart spielt, zeigt sich, dass der Teufel seine Spuren wie Sporen hinterlassen hat: Den Teufel an sich gibt es nicht mehr, nur das Teuflische in den Menschen. Was für ein Höllenspaß, den sich der "Teufel auf Erden" da gemacht hat.

Aufnahme vom 3. und 4. Juni 2019 im Operhaus vom Theater Chemnitz

Franz von Suppé
Der Teufel auf Erden

Fantastisch-burleske Operette auf ein Libretto von Karl Juin und Julius Hopp
Textliche Neufassung: Alexander Kuchinka
Musikalische Revision: Jakob Brenner

Ruprecht - Alexander Kuchinka, Sängerschauspieler
Rupert - Matthias Winter, Bariton
Mutter Aglaja - Dagmar Schellenberger, Sopran
Oberst Donnersbach - Gerhard Ernst, Sängerschauspieler
Amanda/ Amalia/ Amira - Marie Hänsel, Sopran
Isabella/ Isolde/ Iska - Sophia Maeno, Mezzosopran
Isidor/ Isbert/ Ismail - Andreas Beinhauer, Bariton
Reinhart/ Reinwald/ Reiner - Reto Rosin, Tenor
Haderer/ Thomas/ Vizeleutnant Nebel/ Herr Kappe - Matthias Otte, Sängerschauspieler
Tanzschulleiter - Carsten Knödler, Schauspieler

Opernchor der Theater Chemnitz
Robert-Schumann-Philharmonie
Leitung: Jakob Brenner

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