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Thema / Archiv | Beitrag vom 07.03.2013

Die okkulten Wurzeln des Radios

Die Lehre vom Äther und die Frühzeit des Hörfunks

Von Christian Berndt

Okkultismus spielte bei den Anfängen des Radios noch eine große Rolle. (Stock.XCHNG)
Okkultismus spielte bei den Anfängen des Radios noch eine große Rolle. (Stock.XCHNG)

Bei einem Radio denkt man heute wohl kaum an Übersinnliches. Das war zu seiner Entstehungszeit anders. Unter den Pionieren der Elektrotechnik glaubten nicht wenige, dass sich mit der Entdeckung der elektro-magnetischen Wellen nun auch Gedanken übertragen ließen – und zwar über eine Substanz namens Äther.

Wenn Nikola Tesla seine Versuche mit elektromagnetischer Übertragung vorführt, gerät das Publikum in Verzückung. Der in die USA eingewanderte, serbische Pionier der Elektrotechnik will Ende des 19. Jahrhunderts beweisen, dass sich elektrische Energie drahtlos übertragen lässt. Auch wenn er seine Auftritte, in denen er von Blitzen umringt ist, wie Zaubertricks präsentiert, trägt er entscheidend zur Entwicklung der Radiotechnik bei. Aber seine Hauptthese ist falsch: Tesla glaubt, dass sich die Wellen durch eine Substanz namens Äther übertragen. Damit ist er nicht der Einzige.

Zur gleichen Zeit kann 1886 der deutsche Physiker Heinrich Hertz die Existenz elektromagnetischer Wellen nachweisen. Auch Hertz glaubt mit seinem Experiment bewiesen zu haben, dass elektrische Funken Verschiebungen im Äther auslösen. Seit der Antike gibt es den Glauben an diese unsichtbare, alles umgebende Substanz, und auch die Forschung der Neuzeit setzt die Existenz des Äthers voraus. Descartes und Newton erklären damit die Ausbreitung des Lichts.

Im 19. Jahrhundert sind es paradoxerweise gerade die neuen, wissenschaftlichen Entdeckungen, die als Bestätigung der Äther-Theorie gelten. Denn durch irgendwas, glaubt man, müssten sich Elektrizität oder auch Röntgenstrahlen ja bewegen. Und die Entdeckung dieser unsichtbaren Kräfte, für die es noch keine Erklärungen gibt, macht nicht nur die mystische Dimension des Äthers als alles umgebender Weltseele en vogue. Die neuen Fragen lassen renommierte Forscher auch offen für Okkultismus werden.

Wissenschaftler wie Madame Curie oder Sigmund Freud nehmen an spiritistischen Séancen teil, in denen Kontakt zur übersinnlichen Welt gesucht wird. Man zieht nun Forschungsergebnisse für okkulte Theorien heran – Forscher erklären etwa Gedankenströme zu einer Art elektromagnetischer Wellen, die wir über den uns umgebenden Äther telepathisch weitergeben können. Und der englische Physiker Oliver Lodge, der wesentlich zur Radioentwicklung beigetragen hat, startet noch 1927 in der BBC ein Experiment, mit dem er über das Radio Gedanken an die Hörer übertragen will.

Das Radio verdankt seine Erfindung in nicht geringem Maße spiritistischen Ideen. Auch das Erfindergenie Tesla glaubte an Telepathie. Er ließ einen riesigen Sendeturm errichten, der eine weltweite Kommunikation durch den Äther ermöglichen sollte. Einstein widerlegte zwar 1905 die Äthertheorie, doch der Begriff lebt weiter. Und mit dem Internet erlebt die Vision einer globalen, wechselseitigen Kommunikation fröhliche Wiederauferstehung.

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