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Im Gespräch | Beitrag vom 08.08.2020

Die Natur genießen und schützen Streifzug durch das "wilde Deutschland"

Moderation: Vladimir Balzer

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Der Pressereferent und ehemalige Wildtierbeauftragter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Derk Ehlert, steht im Tiergarten in Berlin, im Hintergrund das Bundeskanzleramt.  (picture-alliance/dpa/Gregor Fischer )
Der Berliner Wildtierreferent Derk Ehlert sieht sich als Mittler zwischen Natur und Stadtmenschen - dafür schlägt er sich auch mal in die Büsche des Tiergartens vor dem Bundeskanzleramt (picture-alliance/dpa/Gregor Fischer )

Deutschland ist ein grünes Land, doch diese Vielfalt ist gefährdet. Jede dritte Tier- und Pflanzenart ist bedroht. Wie können wir die heimische Natur genießen und zugleich schützen? Streifen Sie mit uns durch das "wilde Deutschland"!

Wer Natur liebt, kommt in Deutschland auf seine Kosten: Ein Drittel der Landesfläche ist bewaldet, es gibt 104 Naturparks, über 8800 Naturschutzgebiete, 16 Gebiete sind offiziell als Nationalparks ausgewiesen – vom Bayerischen Wald bis zum Wattenmeer. In diesen Corona-Zeiten sind sie mehr denn je beliebte Reiseziele, auch wegen der vielfältigen Tier- und Pflanzenarten, die dort zu finden sind. Doch diese heimische Artenvielfalt ist gefährdet. Die Schäden in deutschen Wäldern haben ein historisches Ausmaß erreicht. Jede dritte Tier- und Pflanzenart ist bedroht. Nach Untersuchungen in NRW ist die Biomasse der Fluginsekten seit 1989 mancherorts um bis zu 80 Prozent zurückgegangen.

Halsbandsittiche in Köln, Biber an der Isar

"Es gibt so viele tolle wilde Ecken in Deutschland", sagt Derk Ehlert, Wildtierreferent bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Berlin. "Das Wattenmeer ist unglaublich artenreich, das Rheinland, die Berge!" Er habe schon Luchse in der Nähe von Kassel beobachtet, Elche in Mecklenburg-Vorpommern. "Mich reizt aber auch die Stadtnatur, die Anpassungsfähigkeit der Tiere an das Stadtleben." So gebe es in Köln und Wiesbaden freilebende Halsbandsittiche. Berlin sei die Hauptstadt der Nachtigallen. Und wo könne man so unmittelbar Biber beobachten wie im Berliner Tiergarten oder an der Isar in München?

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Der Mensch zerstört seinen eigenen Lebensraum

Derk Ehlert sieht sich als Mittler zwischen Natur und Stadtmenschen. Er wird gerufen, wenn Marder und Waschbären ihr Unwesen treiben oder Spaziergänger vermeintlich verwaiste Rehkitze finden. Er macht Führungen durch die wilde Stadtnatur; auch auf YouTube. Mit seiner eigenen Derk-Ehlert-Stiftung setzt er sich für den Natur- und Artenschutz sein. Für sein Engagement wurde er 2017 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Auch er warnt vor den Folgen des Artensterbens: "Letztlich nehmen wir uns selber den Lebensraum. Die Natur ist kraftvoll, sie kann sich von einer `Grippe´ wie dem Menschen erholen. Aber wir müssen lernen: Ohne die Ameisen im Garten haben wir keine Zukunft. Wir müssen lernen, dass wir nur ein ganz kleiner Teil des Gesamten sind."

(sus)

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