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Interview | Beitrag vom 28.05.2021

Die Macht von Faktenchecks und EmotionenWie mit Verschwörungsgläubigen sprechen?

Katharina Nocun im Gespräch mit Ute Welty

Ein Mann auf einer Querdenker Demonstration trägt eine  Angela Merkel Maske und hat ein Schild um den Hals hängen: "Democracy out, Fascism in". Berlin 13. April 2021. (AFP / John MacDougall)
Demonstration gegen die Coronapolitik im April 2021 in Berlin: Viele treibt auch der Glaube an geheime Verschwörungen auf die Straße. (AFP / John MacDougall)

Gespräche mit Verschwörungsgläubigen sind herausfordernd. In der Regel folgen sie aber bestimmten Mustern. Die Autorin Katharina Nocun zeigt auf, was sich im Hintergrund solcher Debatten abspielt - und wie man auf falsche Behauptungen reagieren kann.

Wer gegen Verschwörungserzählungen etwas unternehmen möchte, sollte die gängigsten Maschen von Verschwörungsideologen durchschauen. Das sagt die Buchautorin Katharina Nocun. Zusammen mit Pia Lamberty hat sie "True Facts. Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft" geschrieben.

In der esoterischen Szene, in der seit vielen Jahren beispielsweise Mythen über das Impfen kursierten, sei die "Rosinenpickerei" weit verbreitet, so Nocun.

"Das heißt, man sucht sich gezielt eine einzelne Studie raus, die vielleicht sogar schon veraltet ist, die vielleicht sogar auf falschen Zahlen basiert, und sagt: ‚Diese Studie bestätigt das, was ich sage‘." Alles andere einschließlich des wissenschaftlichen Umfeldes werde ignoriert.

Das eigene Besonderssein

Wenn Diskussionspartner falsche Behauptungen oder Halbwahrheiten nur aufgeschnappt hätten, könne man der verschwörungsgläubigen Person mit Faktenchecks etwas entgegensetzen, meint die Autorin. Schwieriger werde es, wenn psychologische Faktoren in der Debatte eine Rolle spielten:

"Der Glaube an so eine große Verschwörung kann einem das Gefühl geben ‚Ich bin was Besonderes. Ich habe eine geheime Wahrheit erkannt, die andere nicht erkennen‘. Und dann prallen Argumente eben doch sehr oft ab."

Von Inhalten zur emotionalen Ebene  

Bei der Richtigstellung von Falschmeldungen aus der Verschwörungsszene bestehe immer die Gefahr, dass sich die Falschinformation durch Wiederholung verfestige, sagt Nocun: "Man riskiert, dass sich falsche Inhalte weiterverbreiten und Menschen dadurch erst aufmerksam werden."

Und wenn man mit Inhalten bei einer Person nicht durchkomme, helfe manchmal der Blick auf die emotionale Ebene - und damit auf mögliche Motivationen für Glaubenskonstrukte. Nocun nennt dieses Beispiel:

"Wenn ich glaube, dass nächste Woche der Bürgerkrieg ausbricht, und ich bin hoch verschuldet, dann brauche ich die Schulden nicht zurückzahlen." In Extremsituationen könne ein solcher Gedanke tatsächlich emotional entlastend wirken.

(huc)

Pia Lamberty, Katharina Nocun: "True Facts. Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft"
Quadriga Verlag, Berlin  2021
176 Seiten, 12 Euro

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