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Fazit / Archiv | Beitrag vom 18.12.2012

Die Köchin des Präsidenten

Catherine Frot überzeugt in ihrem neuen Film als François Mitterrands kulinarische Assistentin

Von Jörg Taszman

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In Frankreich längst ein Star: die Schauspielerin Catherine Frot. (picture alliance / dpa / Abaca Hahn)
In Frankreich längst ein Star: die Schauspielerin Catherine Frot. (picture alliance / dpa / Abaca Hahn)

Die Schauspielerin Catherine Frot erfreut sich in Frankreich allergrößter Popularität - allein zwölf ihrer bisherigen Kinofilme erreichten über eine Million Zuschauer. In Deutschland kennt man sie vor allem aus "Odette Toulemonde" und "Das Mädchen, das die Seiten umblättert". Jetzt steht sie für den früheren Präsidenten am Herd.

Catherine Frot kocht nicht besonders gerne und doch ist sie eine Idealbesetzung für die Rolle der Hortense Laborie, die ja auch keine Spitzenköchin im herkömmlichen Sinne ist. Die bodenständige, resolute Frau aus der Provinz besitzt kein Sternerestaurant in Paris oder Lyon. Sie versteht sich auf das Anrichten von Tafeln für Privatpersonen und setzt auf eine schon raffinierte, aber bürgerliche Küche. Im Film "Die Köchin und der Präsident" wird sie in den Elysée-Palast beordert, weil "Monsieur le Président" sie sich als seine Leibköchin wünscht. Und in unserem Nachbarland ist ein Präsidentenwunsch heilig. Diese Geschichte hat schon etwas typisch Französisches. Das gibt auch Catherine Frot nach einigem Zögern zu.

"Nun, es ist Französisch in dem Sinne, dass sich hier alles um das Kochen dreht. Wir reden hier schon von französischer Gastronomie. Und es basiert ja auf einer wahren Geschichte. Diese Köchin arbeitete ja für François Mitterrand, der sich eine 'gut mütterliche Küche' wünschte, also etwas Bodenständiges. Das passt ja auch zu Frankreich, diese Verbundenheit zu einer Region, einer Gegend oder eben einer gewissen Küche. Und so ist das in der Tat schon ziemlich Französisch."

Mit der echten Köchin Danièle Delpeuch hat sich Catherine Frot öfter getroffen, von ihr auch die Handgriffe gelernt, die sie für ihre Rolle benötigte, um glaubwürdig zu sein. Mindestens ein raffiniertes Gericht kann Catherine Frot nach diesem Film nun auch kochen. Und das sagt sie nicht ohne einen gewissen Stolz.

"Ich war schon immer eine Feinschmeckerin. Ich wusste schon, was gut und was weniger gut ist. Aber nun weiß ich einfach mehr. Ich habe einen der schönsten Märkte in Frankreich kennengelernt, in Brive in dieser Gegend des Périgord, aus der Danièle und natürlich auch meine Filmfigur stammt. Ich kann Ihnen das gar nicht beschreiben. Alles in den Regalen ist so üppig und doch nobel. Es gibt kleine Feigen mit Gänseleber, tausende kleine Köstlichkeiten wie Trüffel, Ente, Früchte ... Und es wird so schön präsentiert. Da bekommt man sofort Lust zu essen. Das ist schon eine Sinnenfreude, die uns alle vereint."

In Frankreich erreichte "Die Köchin und der Präsident", diese kulinarische Komödie mit ernsten Untertönen, weit über eine Million Zuschauer. Der Film überzeugt vor allem deshalb, weil er einen subtilen Einblick in Hierarchien ermöglicht. So geht es auch um das Eindringen einer Frau in eine klassische Männerdomäne. Die vielen Berater des Präsidenten sehen es nicht gerne, dass der Präsident den Zeitplan durcheinanderbringt, nur um mit seiner Köchin zu plaudern. In einer schönen Szene sieht man dann den Präsidenten, der vom in Frankreich sehr bekannten Schriftsteller Jean D'Ormesson verkörpert wird, abends in die Küche schleichen. Hortense schmiert ihm dann ein Brot mit viel Trüffeln. Dabei fällt dann der aufschlussreiche Satz:

""Ich könnte Ihnen stundenlang über das Kochen erzählen und ehrlich gesagt möchte ich viel lieber darüber reden als über Politik.""

Wenn Catherine Frot über ihre Arbeit redet und auch über die Beziehung zum Leben, zur Gesellschaft und zur Politik, dann benutzt sie gerne sehr bildliche Metaphern wie das von der Ameise, dem Ameisenhaufen und dem König oder der Königin der Ameisen. Es geht um die Individualistin und das Leben und Arbeiten in der Gemeinschaft. Es charakterisiert auch ihre beiden großen Leidenschaften: das Kino und das Theater. Auf der Bühne ist sie ganz allein auf sich gestellt. Catherine Frot hat sehr lange Theater gespielt, bevor sie vom Kino entdeckt wurde, und vor allem ein Autor wie Samuel Beckett hat es ihr angetan. Im nächsten Jahr wird sie wieder auf der Bühne stehen und Beckett spielen. Diese Entscheidungen, ob Kino oder Theater, trifft sie mit viel Pragmatismus.

"Die Dinge geschehen, weil man Angebote bekommt. Mein Beruf ist Schauspielerin, und ich suche immer nach Dingen, die Sinn machen, die mich ansprechen. Egal ob im Kino oder im Theater. Es gab Phasen, da die Kinoangebote nicht sinnvoll waren, und dann bekommt man ein sehr gutes Angebot vom Theater. Das Wichtige ist immer, sich in allem selber wiederzufinden."

Schon Ende Januar kann das deutsche Publikum Catherine Frot in einem ganz anderen Unterhaltungsfilm entdecken. Der deutsche Titel heißt "Willkommen in der Bretagne". Es geht um den Kampf von Hebammen in einer bretonischen Kleinstadt . Das ist dann wieder die andere Seite der Catherine Frot, die eben eine populäre Darstellerin ist, und mit ihrem erfolgreichsten Film "Dinner für Spinner" fast 10 Millionen Zuschauer hatte. Und doch ist ihr Ruhm nicht unbedingt immer willkommen. Sie wünscht sich , nie ein so ein großer Star zu werden, dass sie keine Privatsphäre mehr hat. In ihrem geliebten Montparnasse, wo sie schon lange lebt, möchte sie nach wie vor selber zum Markt gehen und ungestört einkaufen.

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