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Interview | Beitrag vom 04.02.2019

Die Initiative I.L.A. Der Weg zum guten Leben für alle

Laima Eicke im Gespräch mit Julius Stucke

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Ein Ballon mit der Aufschrift "Es gibt keinen Planet B." ist vor Braunkohlekraftwerken bei Kerpen zu sehen - aufgenommen am Rande des Landesparteitags der nordrhein-Westfälischen Grünen, der im Oktober 2018 am Hambacher Forst stattfand. (Ina Fassbender/ dpa )
"Es gibt keinen Planet B" - Slogan einer Umweltschutz-Demonstration. Das I.L.A.-Kollektiv wirbt für alternative Lebensweisen und fordert einen politischen Wandel. (Ina Fassbender/ dpa )

Der konsumintensive Lebensstil in Industriegesellschaften ist für viele kostengünstig und scheinbar folgenlos. Doch die Kosten dafür tragen andere Länder und künftige Generationen. Ein junges Wissenschafts-Kollektiv will Alternativen aufzeigen.

Das I.L.A.-Kollektiv wünscht sich "eine Gesellschaft, in der Wohlstand und Lebensqualität ohne Ausbeutung von Mensch und Natur möglich sind, in der Menschen kooperieren und Freiheit und sozial-ökologische Gerechtigkeit zusammen gehen", wie es in einer aktuellen Pressemitteilung zu einer neuen Buchveröffentlichung heißt. I.L.A. - das steht für "Imperiale Lebensweise und Ausbeutungsstrukturen im 21. Jahrhundert", die die Gruppe abschaffen will.

Wer ist hier naiv?

Rund 35 Menschen aus unterschiedlichen universitären und aktivistischen Zusammenhängen organisieren sich in dem Kollektiv, erklärt Laima Eicke im Deutschlandfunk Kultur. Als naive Weltretter sehen sie sich nicht, betont die wissenschaftliche Mitarbeiterin vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam: Umgekehrt sei schließlich die Vorstellung naiv, man könne angesichts realer Bedrohungsszenarien wie etwa dem Klimawandel einfach weitermachen wie bisher.

Dass das Kollektiv dabei nicht ohne Weiteres für alle sprechen kann, reflektiere es mit: Man behalte genau im Blick, wie das Kollektiv zusammengesetzt ist und für wen man sprechen könne.

Die Kosten tragen andere

Unter "imperiale Lebensweise" verstehe das I.L.A.-Kollektiv einen Lebensstil, der "übermäßig auf die Ressourcen des Planeten zugreift" und die Kosten dafür abwälzt, erklärt Eicke. Davon betroffen seien etwa "vulnerable Gruppen in der Gesellschaft", aber auch andere Länder und zukünftige Generationen, die sich mit den Folgen heutiger Lebensweisen konfrontiert sehen.

Auch würden die Kosten verschleiert: Kaum jemand sei sich etwa der katastrophalen Lebensbedingungen bewusst, unter denen eine Näherin in Indien das Hemd herstellt, das man trägt, sagt Eicke. Auch sei der Klimawandel in zahlreichen Ländern im globalen Süden bereits viel deutlicher zu spüren als in den westlichen Wohlstandsgesellschaften.

Politischer Wandel nötig

Um dies zu ändern und zu einer global sensiblen Lebensweise zu finden, seien private Konsumentscheidungen allerdings nicht der einzige Weg, betont Eicke. Es müsse auch darum gehen, "politische und wirtschaftliche Institutionen, die unser Handeln bestimmen", anders und neu aufzubauen. "Die imperiale Lebensweise ist über Jahrzehnte und Jahrhunderte gewachsen" und sei tief verankert in unseren gesellschaftlichen Institutionen und in unseren Denkmustern, so Eicke.

Auch deshalb wolle das I.L.A.-Kollektiv mit seiner aktuellen Buchveröffentlichung aufzeigen, wie viele Menschen sich bereits auf dem Weg zu einer neuen Lebensweise befinden. Nicht zuletzt mache dies auch Mut: Zum heutigen Lebensstil gebe es bereits zahlreiche Alternativen.

(thg)

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