Seit 05:05 Uhr Studio 9

Freitag, 23.08.2019
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Länderreport / Archiv | Beitrag vom 27.04.2016

Die Heimatsuche Peter HuchelsEin Dichter im Schwarzwald-Exil

Von Matthias Kußmann

Podcast abonnieren
Der Schriftsteller und Lyriker Peter Huchel (1903-1981) im Jahr 1956. (picture alliance / ZB)
Der Schriftsteller und Lyriker Peter Huchel im Jahr 1956. (picture alliance / ZB)

"Sinn und Form" hieß eine wegweisende Zeitschrift in der DDR. Sie war so streitlustig wie ihr Autor und Leiter Peter Huchel, der in Konflikt mit der Staatsführung geriet. Die Ausreise führte den Dichter nach Staufen im Breisgau, wo er nie richtig heimisch wurde.

Einwohnermeldeamt Staufen:
"Anmeldung: Peter, Monica und Stephan Huchel"
"Bisherige Wohnung: Rom, 1-2, Largo di Villa Rassimo, Italien"
"Neue Wohnung: 7813 Staufen (Breisgau), Bötzen­weg 51"

Am 12. Mai 1972 bezieht der Dichter Peter Huchel mit Frau und Sohn ein Haus in Staufen bei Freiburg. Der Beamte im Ein­wohnermeldeamt tut seine Pflicht eher lustlos. Huchels römische Adresse war "Villa Massimo", ein internationales Künst­ler­haus. Beim Staufener Be­amten wird sie zur "Villa Rassi­mo", naja. Und die neue Adres­­se lautet Bötzen­straße, nicht Bötzen­­weg. Aber sei´s drum. Ein Jahr zuvor, am 27. April 1971, durf­te Huchel aus der DDR ausreisen, nach­dem er dort Jahre lang über­­wacht und isoliert wurde, Reise- und Publika­tions­­verbot hatte. Er geht zuerst als Stipendiat nach Rom, dann nach Stau­fen. Schönes Städt­chen, Hügel, Wein­berge, das Klima fast me­di­terran - ein "Ort, wo andre Urlaub ma­chen", wie es so heißt. Huchel könnte endlich auf­atmen, nur:

"Es gibt auch Zeiten, wo ich hier in dieser schönen Landschaft spazieren gehe, und plötzlich wieder Sehnsucht habe nach der Mark: nach den Seen, nach dem Schilf, nach den Kiefernwäldern."

Peter Huchel stammt aus der Mark Brandenburg. 1903 in Groß-Lichterfelde geboren, verbringt er den größten Teil seines Le­bens in der Mark. Vor allem die Kindheitsjahre auf einem Gutshof in Langer­wisch prägen ihn. Wörter, Bilder, Töne, Ge­­­rüche von da­mals durchziehen sein Werk.

"Natürlich komme ich aus meiner Sprache nicht he­raus, die ersten sechs, sieben Jahre der Kindheit, die sehr wichtig sind für einen Schriftsteller. Ich schäme mich auch dessen nicht, dass ich vielleicht provinziell bin. Ich habe natürlich sehr viele Land­ausdrücke in meinen Gedichten."

Huchel studiert Literatur und Philosophie, Mitte der 20er Jahre publi­ziert er erste Gedichte, dann auch Hörspiele. 1941 muss er zum Militär. Nach dem Krieg arbeitet er beim Berliner Rund­­­funk. Anfang `49 wird in der "Sowje­ti­­schen Besatzungs­zo­ne" die Lite­ratur­­zeitschrift "Sinn und Form" ge­grün­det - Huchel ist ihr erster Chef­redak­­teur. Die DDR-Oberen lassen ihm zunächst etwas Frei­heit, das Blatt soll weltoffen sein, auch Richtung Westen. Er macht es zu einem in­ter­nationalen lite­rarischen Forum von Rang. Walter Jens nennt "Sinn und Form" …

"…die wichtigste und beste Kulturzeitschrift aller Deutschländer nach dem Krieg."

Kein Jubel über Ulbrichts Geburtstag

Nur: Das geht nicht gut. Huchel druckt zu viele West-Au­to­ren, DDR-Themen kommen kaum vor. Wenn denn einer mit marxistischem Hintergrund schrei­bt, ist er ebenfalls aus dem Westen, etwa Bloch oder Ador­­no. Kein Jubel über Ulbrichts Geburtstag, nichts zum so genannten "Bitter­felder Weg", der auch Ar­beiter zum Schrei­­­­­­ben brin­gen soll. Huchel besteht auf lite­ra­rischer Qualität.

"Die Zensur bin ich sel­ber, ich weiß, was ich bringen kann."

Schön wär´s. Er bekommt immer mehr Schwie­rig­keiten. 1962 wird seine Stelle gekün­digt, er gilt als Staatsfeind. Nun sitzt er da in seinem Haus im Wald, Wilhelms­horst bei Potsdam, Huber­tus­­weg 41 – und die Stasi sieht und hört und liest mit. Seine Frau Monica:

"Es war ein amtlich bestellter Spitzel, der wohnte ge­genüber und schrieb auf, wenn uns jemand be­suchte oder schrieb die Autos auf. Oder wenn mein Mann mal zum Bauern ging, Milch zu holen, dann lief der im­mer ein Ende hinter ihm her, das war natürlich eine grässliche Zeit."

Huchels Gedicht "Hubertusweg" beginnt so:

"Wir kamen vom Bahnhof / und sahen das Schluss­licht des späten Zuges / im Nebel erlöschen. Einer ging hinter uns, / wir sprachen vom Wetter. / Der Wind wirft Regen / aufs Eis der Teiche, / langsam dreht sich das Jahr ins Licht."

Und die dritte Strophe:

"Dort unten steht, / armselig wie abgestandener Tabak­rauch, / mein Nachbar, mein Schatten / auf der Spur meiner Füße, verlass ich das Haus. / Missmutig gähnend / im stäubigen Regen der kahlen Bäume / bastelt er heute am rostigen Maschendraht. / Was fällt für ihn ab, schreibt er die Fahndung / ins blaue Oktavheft, die Autonummern meiner Freunde, / die leicht verwundbare Straße belauernd, / die Konter­bande, / verbotene Bücher, / Brosamen für die Ein­geweide, / versteckt im Mantelfutter."

Zehn Jahre lang wird der Autor bespitzelt und immer mehr isoliert. Er darf nicht veröffentlichen, nicht rei­sen. Die Gedichtbände "Chausseen Chaus­seen" und "Die Sternenreuse" erscheinen im Westen. Seine Frau Monica bringt die Familie mit Überset­zun­gen aus dem Russischen durch.

"Nach einer so großen Aufgabe wie der Zeitschrift und seiner eige­nen Lyrik muss das schon sehr schwer sein für einen Menschen. Ich hab das für mich nicht ganz so emp­funden. Ich hatte die Familie, ich hatte den Haushalt, ich hatte mein Übersetzen."

Zu den Freunden, die zu Huchel halten, gehören Rei­­ner Kunze, Günter Kunert, Walter Janka, alle selbst Au­ßen­seiter in der DDR. Und der junge Lyriker und Lieder­macher Wolf Biermann.

"Du lass dich nicht erschrecken in dieser Schre­ckens­zeit  / das wolln sie doch bezwecken, dass wir die Waffen strecken, / schon vor dem großen Streit, schon vor dem großen Streit."

Das Lied "Ermutigung" ist eins der be­kann­testen von Wolf Biermann, er widmet es Huchel. Der Bei­stand der Freunde tut gut, dennoch ist Huchel erschöpft, seine Aus­­reise­anträge werden jahre­lang ab­gelehnt. 1970 nimmt sich der Internationale PEN-Club des "Falles" an. Es er­scheint ein Aufruf in der Lon­doner "Times", der welt­weit wahrgenommen wird – der Autor soll endlich ausreisen dürfen. Darauf knickt die DDR-Führung ein. Huchel darf das Land verlas­sen, unter der lachhaften Be­din­gung, nicht nach West­deutsch­land aus­zureisen. Er geht als Stipendiat nach Rom - und ver­lässt die Mark Bran­den­burg für immer.   

"Am Tage meines Fortgehns / entweichen die Dohlen / durchs glitzernde Netz der Mücken. Am Acker klebt / der Rauch des Güterzuges, / der Himmel regenzwirnig, / dann grau gewalkt, / ein schweres Tuch, / niedergezogen / von der nassen Fahrspur. Namen, vernarbt und überwuchert / von neuen Zellen, / wie die verzerrte Schrift / im Baum – / ein eisiger Hauch / fegt über die Tenne der Worte. / Die Mittagsdistel erlosch / im heuigen Licht der Scheune"

Begegnung mit einem Mäzen

Aus Rom kommend, findet Huchel im Mai `72 ein Haus in Staufen. Der Schriftsteller Erhart Kästner, der dort lebt und sein Werk schätzt, hat den Kunst­­sammler Franz Armin Morat auf ihn aufmerk­sam gemacht. 

"Es trat ein Herr an mich heran, der in Freiburg lebt, der ein Mäzen ist. Es war sehr schwierig, ich wollte mich nicht unterstützen lassen, schließlich haben wir uns geeinigt. Er zahlt mir für die nächsten vier Jahre das Häuschen, in dem ich wohne."

"Jetzt stehen wir vor Peter Huchels erstem Wohnhaus in Staufen in der Bötzenstraße, in einer wunderbaren Halbhöhenlage mit sehr schönem Blick auf die Stau­fener Burg und über die Rheinebene. Heute ist es leider etwas diesig, sodass man die Vogesen nicht richtig erkennen kann. Aber an schönen Tagen hat man hier einen fantastischen Blick übers gesamte Rheintal bis hin zu den Vogesen."

… sagt Jörg Martin, Stadtarchivar von Staufen. Den­noch fühlt sich Huchel da nicht wohl. "Zu lieb­lich, zu hübsch" ist die Land­schaft für ihn, der sich nach der märki­schen Ebene sehnt.

"Das Haus von Huchel – heute wirkt es eher etwas verwahrlost, es ist ein gelber Bungalow, ein typischer Bau aus den 60er Jahren. Hinter diesem Bungalow sehen wir den berühmten Pool, in dem Marie Luise Kaschnitz so gerne badete."

Kaschnitz, eine Grande Dame der deut­schen Nach­kriegsliteratur, die in Frankfurt und Rom lebte, war mit Huchel befreun­det. Wenn sie ihr Elternhaus im nahen Boll­schweil besuchte, kam sie nach Stau­fen herüber. Frei­lich ist der berühmte Pool eher ein Pool­chen, 4 mal 8 Meter.

Heute steht das Haus leer. Wer wohl inzwischen hier gelebt hat? Schmutzige Fenster, zerris­se­ne Vor­hän­ge, ein verwahrloster Garten. Der Pool ist mit einer alten Plane ab­ge­deckt. Den Blick auf die Rhein­ebene gibt es nicht mehr, verwil­derte Büsche ver­sperren die Sicht. Es ist 40 Jahre her, dass Huchel hier wieder auszog. Den­noch wirkt das HausausHausHhuunbf wie ein Bild für seine Heimat­losig­keit und Trauer der späten Jahre.Die Vögel singen un­gerührt weiter.

"Mein Mann, der die märkische Landschaft liebte und mochte, und der zum Beispiel Polen liebte, weil der Himmel immer flach war über dem Land und es wa­ren keine Berge – der war eigentlich hier nicht glück­lich."

"Ich hatte ja früher in meinem Leben immer einen "an­ständigen" Beruf, ich war ja nicht Lyriker. Und jetzt, als alter Baum, bin ich nun verpflanzt worden in die Bundesrepublik, und kriege keine Stellung mehr im Rundfunk oder an einer Zeitschrift. Und muss nun leider, obwohl ich sehr ungern Gedichte lese und früher überhaupt nicht Gedichte vorgetragen habe … Nun mache ich aus der Not eine Tugend und fahre herum und knalle diesen Leuten manchmal ein paar hundert Metaphern ins Gesicht. Aber sie ertra­gen die Sache sehr geduldig. Im Allgemeinen habe ich das Gefühl, dass ich sehr gut hier aufgenommen worden bin, ich kann mich also nicht beklagen."

Im Westen gilt er als "Ex-DDR-Autor"

Im westdeutschen Literaturbetrieb ist Huchel, der "Ex-DDR-Autor", ein Star – während er sich selbst einfach einen "deutschen" Autor nennt.

"Ich war ja schon vor `33 da, für mich gibt es also nicht die DDR-Literatur und die westdeutsche Lite­ratur. Ich hab nun mal nen kleinen Laden und betrei­be den weiter. Ich denke auch nicht daran, mich hier in diesen west-literarischen Betrieb reinreißen zu lassen."

Was aber geschieht. Er wird zu zahllosen Lesungen ein­ge­laden.

"Ich bin vielleicht ein Einzelfall. Die Leute gehen viel­leicht nicht meiner Lyrik wegen hin. Ich bin leider Gottes so etwas sensations-umwittert noch. Da fin­den sich dann sehr viele Zuhörer ein, ich lese meist vor 400 Leuten, in kleineren Gesellschaften vor 200, unter 100 bin ich nie gekommen. Man muss natürlich andauernd unterwegs sein und lesen, um sein Leben zu verdienen."

Das klingt gut und auch ein wenig heroisch, stimmt aber nicht. Huchel bekommt im Westen fast jedes Jahr einen anderen Literaturpreis, darunter hoch do­tierte – an Geld fehlt es nicht.

"Mein Mann ist eigentlich ein bisschen auch ge­flüchtet von hier. Er hat wahnsinnig viele Reisen gemacht, Lesereisen mit dem Goethe-Institut oder auch sonst auf Einladungen. Er war lange in Eng­land, er hat eine nordische Reise gemacht, Schwe­den und Dänemark. Dann hat er noch mal ne ganz lange Tour­­nee gemacht durch Italien, von Mai­land bis Pa­lermo. Ich glaube, er war zu verbunden mit der Land­schaft, aus der im Grunde seine Ge­dichte ge­speist waren, als dass er sich hier noch mal hätte umstellen können, das war wohl nicht mehr möglich."

1972 kommt Huchels Lyrikband "Ge­zählte Tage" heraus. Die Texte sind zum großen Teil in der DDR ent­standen, es gibt An­spielungen auf seine Leidens­zeit. Sieben Jahre später er­scheint sein letz­tes Buch, "Die neunte Stunde". Die Gedichte hat er in Staufen geschrieben, doch der Ort kom­mt darin nicht vor. Staufen ist für ihn nur eine "Not­herberge", wie er ein­mal sagt. Er behält sein märki­sches, struppi­ges Re­per­to­ire bei – ein letzter trauriger Blick in sei­ne öst­liche Land­schaft. Die Literaturkritik der 70er Jahre will auch darin poli­tische Botschaften sehen, jedes Sandkorn ein Politi­kum – doch Huchel winkt ab. Kurz vor seinem Tod sagt er:

"Was so hinein gelegt wird von den Leuten, die eine Analyse geben, könnte stimmen, stimmt manchmal, manchmal ist man selber erstaunt, was man ge­schrie­­­ben haben soll. Die wirkliche Erschei­nung des Dichters kann man eigentlich nur aus seinen Gedich­ten entnehmen. Die kann nur der musische Leser empfinden – und nicht, und nur teilweise der Kritiker."

Huchel kündigt dem Suhrkamp Verlag noch seine Autobiografie an, schreibt aber kaum etwas. Er schweigt, sitzt vor dem Fernseher, geht selten durch die Staufener Wein­berge, manch­mal mit seinem Freund Erhart Kästner. Später er­innern sich die Au­toren-Witwen Monica Huchel und Anita Kästner:

"Mein Mann war ein echter Faulpelz, was Spazierengehen anlangte, den musste man furchtbar scheuchen, damit er sich überhaupt in Be­wegung setzte."

"Mein Mann zum Bei­spiel liebte nie, wenn einer beim Spazierengehen immer stehen blieb, und das hat der Peter natürlich gemacht. Mein Mann wollte immer ans Ziel. Es wurde kompensiert durch den Hund, der dann eben Stöcke holen musste. Mein Mann rannte dann mal da hin, und der Peter blieb dann stehen und schaute, so war das. War ein ganz schönes Paar, ja."

Ein stiller Mensch an lauter Straße

Huchels letzte Bleibe in Staufen ist das frühere Arbeiterwohnhaus einer Sägerei. Mit Blick auf den Belchen, einen der höchsten Berge des Schwarz­walds – und mit perma­nen­tem Verkehrslärm.

"Jetzt sind wir an der Münstertäler Straße, der Verbin­dung von Staufen in den Schwarzwald, das ist die Straße zum Schauinsland und den Schwarzwald hoch. Hier steht etwa zwei Kilometer vor dem Alt­stadt­­kern von Staufen Peter Huchels letztes Wohn­haus, in dem er bis zu seinem Tod 1981 gelebt hat. Ein sehr einfaches Gebäude, und mittlerweile auch total re­noviert und umgebaut, sodass von Huchels Zeit sich wenig mehr erkennen lässt. Mit Ausnahme der Terras­sen­-Platten, die wir da vorne sehen, aber das dürfte auch schon alles sein."

Seltsam, dass ein stiller Literatur- und Naturmensch an so eine laute Straße zieht.

"Ja, es ist merkwürdig. Es war wohl einfach das Glück, ein eigenes Haus zu haben, auch ein ab­ge­sondertes Haus zu haben. Der Verkehr war damals sicher genauso groß, weil es eben eine durchaus wichtige Straßenverbindung ist in den Schwarz­wald."

In Huchels späten Jahren kommt der Fotograf Stefan Moses nach Staufen und fotografiert ihn im nahen Wald. Anita Kästner:

"Er kam dann einen Tag später noch mal zu uns und sagte, ich weiß nicht, ich habe den Film nicht mehr von dem Huchel, ist der vielleicht bei euch irgendwo hier liegen ge­blieben? Da hab ich gesagt, wir haben nichts gefun­den."

Sie suchen den ganzen Garten ab, auch das Auto des Fotografen – nichts. 

"Da sagt er: Ich kann den Peter jetzt nicht noch mal in den Wald schleppen, dann müssen wir eben irgend­was andres machen. Und nach vielen, vielen Mo­­naten gehe ich mit unserem Hund, mit der Maina spazieren. Oben, an einer bestimmten Stelle, macht sich der Hund selbstständig, und läuft ziel­sicher zu einem Baum hin, scharrt an dem Baum, und kommt mit dem Film im Maul zurück – den hat­ten sie oben im Wald einfach verloren. Es ist ein Wunder: Der Film ist erhalten."

"Wir sind jetzt im 'Stubenhaus' in Staufen. Und hier im Erd­geschoss des Stubenhauses wurde vor drei Jah­ren die Gedächtnisausstellung für Peter Huchel und Erhart Kästner eingerichtet."

Ein schlichtes Grab

Die kleine, gut gemachte Schau würdigt Leben und Werk der beiden Autoren und ihre Freundschaft in Staufen. Erhart Kästner starb dort schon 1974, Peter Huchel am 30. April 1981.

"Ja, er wurde krank, das war 78/79, das war eine sehr schlimme Zeit für ihn. Aber er ist hier im Haus gestor­ben, er war nie im Krankenhaus, immer nur vorüber­gehend, wenn irgendwas war. Er war bis zuletzt hier."

"Wir stehen hier vor dem Grab von Peter Huchel auf dem historischen Friedhof von Staufen. Peter Huchel ist hier nicht allein beerdigt, sondern zusammen mit sei­ner Frau Monica und seinem sehr früh verstorbe­nen Sohn Stephan. Das Grab selbst ist recht schlicht ge­halten, mit dunklem Efeu berankt und einem Rho­do­dendron-Strauch – wird aber nach wie vor als Eh­ren­grab der Stadt Staufen gepflegt und erhalten."

Sein kurzes aber großes letztes Gedicht schreibt Peter Huchel 1977, vier Jahre vor seinem Tod. Es heißt schlicht "Der Fremde geht davon" – und zeigt den Autor nach allem Schmerz der vergangenen Jahre erstaunlich ge­lassen:

"Der Fremde geht davon / und hat den Stempel / aus Regen und Moos / noch rasch der Mauer aufge­drückt. / Eine Haselnuss im Geröll / blickt ihm mit weißem Auge nach. // Jahreszeiten, Missgeschicke, Nekrologe – unbekümmert geht der Fremde davon."

Mehr zum Thema

Christoph Meckel: "Erinnerungen an Lebzeiten" - Bruchstücke biografischer Erfahrungen
(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 18.11.2015)

Wenn Verse locken (3) - Vom Reiz des Rezitierens
(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 11.03.2015)

Länderreport

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur