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Literatur / Archiv | Beitrag vom 17.04.2012

Die Brooklyn-Bridge-Sinfonie

Mit Hart Cranes Poem "The Bridge" über New Yorks Wahrzeichen

Von Holmar Attila Mück

Die Brooklyn Bridge in New York mit ihren Stahlseilen vor dunklen Wolken (picture alliance / dpa / Tobias Kleinschmidt)
Die Brooklyn Bridge in New York mit ihren Stahlseilen vor dunklen Wolken (picture alliance / dpa / Tobias Kleinschmidt)

Er gilt als Schlüsseltext der amerikanischen Moderne, in dem Mythen und Werbeslogans, Technik und Großstadterfahrung, Blues- und Gospelgesänge aufgehoben sind: Durch Hart Cranes Gedichtzyklus "The Bridge" erhielt das bizarre Bauwerk über den East River eine poetische Entsprechung.

Der Weg des amerikanischen Dichters Hart Crane nach Deutschland war lang. Ein Dreivierteljahrhundert nach seinem Tod brauchte der Gedichtzyklus "The Bridge", sein Opus Magnum, bis er ins Deutsche übertragen wurde. Die Übersetzung besorgte die österreichischen Anglistin Ute Eisinger für den kleinen Salzburger Verlag "Jung und Jung". Crane, der sich 33-jährig im April 1932 das Leben nahm, galt als schwer übertragbar, obwohl das Poem als Schlüsseltext der amerikanischen Moderne gilt.

Die Gegensätze zwischen Technologie, Naturmythologie und Großstadterfahrung sollten im zentralen Symbol der Brücke aufgehoben werden, und dafür benutzte Crane historische Mythen von Pocahontas bis Columbus, sowie musikalische Variationen: einzelne Erzählstränge klingen wie Indianergesänge, Blues oder Gospel, andere wie irische Balladen oder Werbeslogans. Crane, der labile, ruhelose Trinker, hat in harter Arbeit, mit nahezu fanatischer Intensität eine unvergleichliche Sprach - und Gesellschaftsanalyse, ein Klangbild von bizarrer Schönheit geschaffen. Das außerordentliche Bauwerk über den East River erhielt durch ihn eine poetische Entsprechung.

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