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Alte Musik | Beitrag vom 27.05.2020

Die "Antigona" des Tommaso TraettaFeminine Herrscherkritik?

Von Georg Beck

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Zwei Frauen knien hinter einem Toten, der von weiteren Menschen umstellt ist. (picture alliance / ZB / Claudia Esch-Kenkel)
Im Januar 2011 stand "Antigona" von Tommaso Traetta auf dem Spielplan der Staatsoper im Schiller Theater Berlin. (picture alliance / ZB / Claudia Esch-Kenkel)

Im Schatten Mozarts hatten es seine Werke lange schwer - in letzter Zeit rückt er wieder ins Bewusstsein: Tommaso Traetta. Als Opernreformer und Musikdramatiker war er nicht weniger bedeutend als Gluck. Seine wichtigste Oper: "Antigona" mit starken Frauen.

Es war Traettas (gest. 1779) Hauptwerk: die "Antigona", eine Vertonung des im italienischen Barock überaus beliebten Tragödienstoffs. Auf einen Text seines Librettisten Marco Coltellini komponierte Traetta 1772 diese Oper für den Petersburger Zarenhof. 

Übernahme Antiken-Story

Wieviel Antike ist drin? Kommt drauf an, wohin man schaut: Auch bei Coltellini/Traetta verweigert Kreon, König von Theben, die Bestattung des "Aufrührers" Polyneikes. Antigone lehnt sich - laut Überlieferung- dagegen auf. Und auch in der Oper will sie die Rücknahme des Befehls erwirken. 

Schicksals-Kreisel unterbrochen 

Doch anders als in der antiken Tragödie geht alles gut aus. Lässt Sophokles den Konflikt in einer Kette von Suiziden enden, sorgt Coltellini für ein "lieto fine", ein glückliches Ende - Zarin Katharina hatte das persönlich so gefordert. Kreon kehrt in dieser Fassung also den reumütigen Herrscher hervor, der Sohn Haimon und Antigone zum Traualtar führt! Zweigt sich im Text sogar ziviler Ungehorsam? Kritisiert hier eine Frau die Männermacht und deren Willkür? Katharina war's zufrieden.

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