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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 12.11.2017

Deutsche Eishockey-LigaMit einem Kodex gegen Manipulationen

Von Heinz Schindler

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Yannic Seidenberg (EHC Red Bull Muenchen) in der Hauptrundenbegegnung der Deutschen Eishockey Liga zwischen dem EHC Red Bull Muenchen und den Iserlohn Roosters am 29.10.2017.  (imago)
Die Deutsche Eishockey-Liga will sich gegen Manipulationen wappnen. Hier im Bild: Yannic Seidenberg von EHC Red Bull München. (imago)

Manipulationsskandale habe es bei der Deutschen Eishockey-Liga bislang zwar nicht gegeben, sagt Liga-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Mit einem "Anti-Manipulations-Code" wolle man nun sicherstellen, dass dies auch so bleibt. Dabei dürfte es auch um den Schutz der Marke gehen.

Versuchsobjekt oder Vorreiter? Es ist eine Frage, wie man die Anti-Manipulations-Ordnung der Deutschen Eishockey- Liga betrachtet. Denn die Beobachtung des Wettmarktes und die sportrechtliche Verfolgung wird wie bei Dopingvergehen seit Saisonbeginn Externen überlassen, erläutert der Geschäftsführer der DEL, Gernot Tripcke:

"Es geht einfach darum, klar zu zeigen, dass wir da neutral sind, dass wir unabhängig sind. Dass das hier Leute machen, die keinerlei von den Clubs beeinflusst sind oder von der Liga beeinflusst sind. Rein theoretisch könnten da ja auch führende Leute involviert sein. Das hat man ja im Fußballbereich in Südosteuropa oft genug gesehen, dass das bis in die Eigentümer-, Gesellschafter-, Trainerstrukturen reingeht. Also von daher ist es für uns ganz wichtig, wie im Doping-Bereich, dass wir diese Themen outsourcen, um da einfach in der Ermittlung glaubwürdig zu bleiben."

Der Anti-Manipulations-Code

Dabei kooperiert die DEL mit der Firma Sportradar, die sich wie auch im Fußball der Überwachung von Sportwetten annimmt. Entsteht hier ein Verdacht auf Manipulationen, so tritt die Münchener Anwaltskanzlei Sportslawyer auf den Plan. Sportrechtlerin Anja Martin, ehemalige Geschäftsführerin der NADA, hat gemeinsam mit Prof. Nolte von der Deutschen Sporthochschule einen "Anti-Manipulations-Code" für den deutschen Sport entwickelt. Die sportrechtliche Verfolgung wäre dann Sache des Deutschen Sportschiedsgerichtes.

"Es können auch komplette Mannschaften oder Offizielle sanktioniert werden. Es gibt die klassische Geschichte: man verliert aus irgendeinem Grund und lässt sich bestechen oder erpressen, damit der andere aufsteigt, nicht absteigt oder sonst irgendwas tut. Klar! Und dann gibt es sicherlich – ob nun wettrelevant oder halt auch nur sportlich relevant – irgendein Insider steckt einem Gegner oder einem Wett-Menschen zum Beispiel, dass der Top-Torwart verletzt ist, nicht spielt und was natürlich gerade für den sportlichen aber auch für den Wettbereich 'ne hohe Wichtigkeit hat."

"Definitiv prophylaktisch"

Doch – und da beruhigt Gernot Tripcke gleich – konkrete Verdachtsfälle hat es im deutschen Eishockey noch nicht gegeben.

"Das ist definitiv prophylaktisch, also toi, toi, toi, im deutschen Eishockey hat es da keine Probleme gegeben. Und Eishockey auch selber ist relativ wenig bisher von Sportmanipulationen betroffen. Nichtsdestotrotz möchten wir da gewappnet sein, möchten für alle Fälle vorbereitet sein und möchten vor allen Dingen klarstellen, dass das wirklich dann unparteiisch und unabhängig untersucht wird und dann nicht irgendwie ein Geschmäckle auftritt im Falle eines Falles. Dass man dann indirekt, ja, irgendwie auch noch in eigener Sache ermittelt."

Der Schutz der Marke

Hinzu kommt, dass die Deutsche Eishockey-Liga die Umsetzung der Anti-Manipulations-Ordnung logistisch allein nur schwer bewerkstelligen könnte. Mit der Auslagerung an die beiden Dienstleister will man sich auch ein Stück weit unangreifbar machen. Letztendlich geht es natürlich auch um den Schutz der Marke DEL. Finanziell kommen Sportradar und Sportslawyer der DEL momentan noch entgegen. Eine Investition in die Zukunft und in die Hoffnung, dass andere Ligen dieses Modell übernehmen werden, so Gernot Tripcke.

"Wir haben jetzt 'ne Struktur geschaffen, die wir - toi, toi, toi – hoffentlich nie nutzen werden. Aber die natürlich auch Kosten verursacht, aber die kann man leicht auch auf andere Sportarten und andere Ligen adaptieren. Von daher sehen wir uns da in einer gewissen Vorreiterrolle, die wir aber wiederum vielleicht auch relativ leicht einnehmen können, weil wir natürlich jetzt nicht so massiv von dem Thema aktuell betroffen sind."

Am Ende könnte – analog zur NADA im Bereich Doping und auch mit Hilfe der Sportpolitik - ein Institut entstehen, das sich sportartübergreifend Fällen von Wettbetrug und Manipulationen annimmt.

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