Deutsche Bahn

Ineffizient und "politisch total durchsetzt"

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Die Eisenbahnbrücke, die den Bahnverkehr zwischen dem deutschen Görlitz und dem polnischen Zgorzelec ermöglicht, wird zur blauen Stunde angestrahlt.
Die Bahn braucht mehr Wettbewerb, findet Ursula Weidenfeld und verweist auf die Strukturreformen bei Post und Telekom (Symbolbild) © imago / Florian Gärtner
Moderation: Julius Stucke · 06.11.2021
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Den Bahnverkehr bis 2030 verdoppeln: Das wird nur durch mehr Wettbewerb und eine effizientere Nutzung des Schienennetzes gehen, sagt die Wirtschaftsjournalistin Ursula Weidenfeld. Eine Trennung von Netz und Betrieb sieht sie als den richtigen Weg.
Die Deutsche Bahn AG braucht dringend eine Reform. So weit herrscht Einigkeit bei den Unterhändlern der drei Parteien für eine Ampelkoalition. Doch über das "Wie" gehen die Meinungen auseinander: Während Grüne und FDP den Betrieb des Schienennetzes aus der Bahn lösen und in eine öffentliche, gemeinwohlorientierte Gesellschaft überführen wollen, will die SPD offenbar die Einheit des Bahnkonzerns zumindest formal erhalten.
Für die Wirtschaftsjournalistin Ursula Weidenfeld ist eine Trennung von Netz und Transportbetrieb der richtige Weg, weil so mehr Wettbewerb in den Bahnbetrieb kommen würde. Derzeit müssten andere Bahnbetreiber wie zum Beispiel Flixtrain beantragen, wenn sie auf den Gleisen der Deutschen Bahn fahren wollten. Und nach viel Papierkram bekämen sie dann Slots zugeteilt.
"Andere Länder machen das viel besser", sagt Weidenfeld. Sie hätten ein Bestellsystem, das auch online bedienbar sei. "Da, glaube ich, würde sehr viel in Bewegung kommen, wenn das Netz selber neutral wäre." Denn dann hätten Mitbewerber der Bahn auch "die Gelegenheit, sich um diese Fahrten zu bewerben und zum Zuge zu kommen".

Post und Telekom als erfolgreiches Modell

Weidenfeld verweist in diesem Zusammenhang auf die Strukturreform von Post und Telekom. In diesen Bereichen habe Wettbewerb zu vergleichsweise günstigen Preisen geführt. "Ich wüsste nicht, warum das bei der Bahn anders sein soll."
Ohne eine Reform wird die Bahn das politisch gesetzte Ziel, den Passagierverkehr bis 2030 zu verdoppeln, nach Einschätzung der Wirtschaftsjournalistin nicht erreichen. Denn der Bahnbetrieb sei "politisch total durchsetzt" und lebe davon, dass die Bahn immer dann, wenn sie kein Geld mehr habe, Zuschüsse aus dem Verkehrsministerium bekomme. Angesichts der großen Aufgaben müsse man im Bahnverkehr effizienter wirtschaften und auch effizienter mit der Ressource Schienennetz umgehen, unterstreicht Weidenfeld. "Das scheint mir völlig offensichtlich zu sein."

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin, Kolumnistin und Moderatorin. Sie studierte Wirtschaftsgeschichte, Germanistik und Volkswirtschaft in Bonn und München und promovierte mit einer Arbeit über die Wirtschaftspolitik der Adenauer-Erhard-Ära.

Die gesamte Sendung "Der Tag mit Ursula Weidenfeld" hier zum Nachhören: [AUDIO]
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