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Fazit / Archiv | Beitrag vom 18.11.2016

"Der Raub der Sabinerinnen" am Schauspiel Stuttgart Ein Loblied auf die Schauspieler

Von Rainer Zerbst

Regisseur Sebastian Hartmann, 2008 auf einer Pressekonferenz in Leipzig  (picture-alliance/ ZB / Peter Endig)
Regisseur Sebastian Hartmann, 2008 auf einer Pressekonferenz in Leipzig (picture-alliance/ ZB / Peter Endig)

Sebastian Hartmann hat mit seinem "Raub der Sabinerinnen" in Stuttgart aus dem Jubeltheater auf die Schmiere ein Hohelied auf das Schauspiel komponiert: eine Komödie in allen Facetten - allerdings ein klein wenig zu strapaziert am Ende.

An der Stelle kurz vor Ende des Abends, an dem Theaterdirektor Striese sein berühmtes Loblied auf das Schmierentheater sprechen sollte, beginnt der Schauspieler des Striese (Holger Stockhaus) in der Stuttgarter Inszenierung ganz leise ein kleines Loblied auf den Schauspieler zu sprechen: Man könne  eben nur, was man könne, nämlich einfach da sein, und dann geschehe etwas, was nur hier geschehe.

Bescheidener kann man den Zauber des Schauspielers nicht ausdrücken. Und um Schauspieler bzw. Schauspiel geht es in Sebastian Hartmanns Inszenierung, wie es ja in der Komödie "Der Raub der Sabinerinnen" auch um nichts anderes geht. Mehr noch. Es geht nicht nur darum, dass ein Schulmeister als Jugendsünde ein Drama verfasst hat, es geht auch darum, dass er es all seinen Lieben verheimlicht, also eine Rolle spielt, so wie auch die übrigen ständig den anderen etwas vormachen. - Das hat Hartmann zum Tenor seiner Inszenierung gemacht. Und so lässt er eben Theater spielen, in allen Facetten der Komödie – von Sitcom, über Volkstheater à la Millowitsch bis Comedy.

Die Stuttgarter Schauspieler können es

Die Figuren werden hier allesamt zu Witzfiguren, die sie, wenn man sich das Originalstück genau ansieht, auch dort sind. Hartmanns Inszenierung ist in diesem Sinne sehr originalgetreu und die Schauspieler agieren ihre diversen Knallchargenrollen grandios aus: komödiantisch, skurril, akrobatisch.

Freilich: Zweieinhalb Stunden eine Lachnummer an der anderen wirkt auch enervierend. Im Verlauf des Abedns sagt Striese einmal zu einem jungen Mann, der seine slapsgtickartige Lachnummer zum zehnten Male wiederholte, man müsse auch wissen, wann ein Gag ausgereizt sei. Das hätte sich auch Hartmann zu Herzen nehmen sollen.

Alles in allem aber ist das, was im Original ein Loblied auf die Schmiere ist, hier ein Loblied auf die Fähigkeiten von Schauspielern, über sich und ihre Rollen hinauszuwachsen, sofern sie es können. Die Stuttgarter Schauspieler können es.

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