Mittwoch, 27.10.2021
 

Lesart / Archiv | Beitrag vom 04.08.2017

Der lyrische TageskommentarIn Washington steht ein Kartenhaus

von Dominik Erhard

US-Präsident Donald Trump bei einer Pressekonferenz im Garten des Weißen Hauses (picture-alliance/dpa)
US-Präsident Donald Trump bei einer Pressekonferenz im Garten des Weißen Hauses (picture-alliance/dpa)

Nicht nur die Nachrichten können das Weltgeschehen abbilden. Auch die Lyrik hat eine lange politische Tradition. Dominik Erhard schaut mit dem Text "In Washington steht ein Kartenhaus" auf die Politikbühne der USA und Donald Trumps Einwanderungspolitik.

In Washington steht ein Kartenhaus

von Dominik Erhard

In Washington seht ein Kartenhaus, in dem es viele Schwarze Peter, aber keinen König gibt.
Und in dem man nicht nur Spiele spielt, die man versteht, sondern auch — Russisch Roulette zum Beispiel.
Reince Pribus, Anthony Scaramucci und andere
hat es schon erwischt, die Frage, wer als nächstes an der Reihe ist,
ist — vollkommen egal!
Denn diese politische Seifenoper hollywoodreifen Formats
ist lediglich dazu da,
von Anderem, weit Verhängnisvollerem abzulenken.

Während Trump wild um sich feuert und entlässt, arbeitet er unter anderem daran,
dass man auch ein Gesetz zur Erschwerung legaler Einwanderung erlässt.
Das ist wirklich tragisch, denn es bedeutet in einfachen Worten ausgedrückt:
Auch das hier ist ein Kartentrick.
Greencard heißt die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, die man bekommt, um in den USA zu leben, doch davon soll es bald nur noch die Hälfte geben.
Gerade mal eine halbe Millionen.
Der Rest wird einfach weggezaubert.
Nur wer Englisch spricht, gebildet und finanziell abgesichert ist,
für den öffnet sich die Pforte der Staaten.
"Gebt mir eure Wachen, eure Reichen/Eure konsumierenden Massen,
die sich danach sehnen, endlich wieder great zu sein!"
Doch sind wir ehrlich, sehen wir klar. Im Grunde geht es darum,
dass der Hofnarr auf dem Thron im Game of Cards zum Joker wird.
Dass er der Einzige ist, der übrig bleibt, dass er alleine all die verwirrend Regeln schreibt.

In Washington seht ein Kartenhaus, an dem ein dilettantischer Zauberer baut.
Ablenkung ist sein bester Trick, passen wir auf, fallen wir nicht
drauf rein.

Sie hören den lyrischen Tageskommentar von den Poetry Slammern Lene Morgenstern und Dominik Erhard im Rahmen des Lyriksommers dienstags und freitags in der "Lesart" - oder online.

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