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Fazit | Beitrag vom 11.08.2018

Der legendäre Berliner Club SO36 wird 40"Wie ein Ufo, gelandet im Nirvana, im Ödland"

Wolfgang Müller im Gespräch mit Britta Bürger

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Eine Ansicht der Vorderfront des Clubs aus steiler Untersicht (imago stock&people)
Der Berliner Szeneclub SO36 in Kreuzberg (imago stock&people)

Vor 40 Jahren wurde das SO36 gegründet. Es sollte zum Treffpunkt der West-Berliner Subkultur werden. Auch die Performancegruppe "Die tödliche Doris" ist hier aufgetreten, gegründet von Wolfgang Müller. Er sagt, das Experimentelle zeichne diesen Ort aus.

Wolfgang Müller erinnert an die Anfänge des SO36 und sagt: "Es war wie so ein Ufo, das im Nirvana gelandet ist, im Ödland." Es habe eine "ganz spezielle Mischung von Kunst, Musik und Performance reingebracht, die es so woanders nicht gegeben hat".

Zur damaligen Subkultur gehörten "viele Einzelgänger aus allen möglichen Ländern, die alle irgendwo einen gemeinsamen Konsens hatten", vergleichbar mit einer Familie, in der die einzelnen Mitglieder trotzdem verschieden seien, so Müller weiter.

"Das, was später als interdisziplinäre Künste bezeichnet wurde, hat im SO36 sehr früh stattgefunden, diese Nichttrennung zwischen den einzelnen Genres oder diese fließenden Übergänge. Dort konnten Bildende Künstler auch Musik machen", so wie er selbst.

Er habe schließlich Musik gemacht, weil er in der Bildenden Kunst damals keinen Ort gefunden habe, der ihn interessiert habe. "In der Zeit war in der Musik viel eher der Ort zu finden." Daraus entstand dann mit seinem Kommilitonen Nicolaus Utermöhlen die Band "Die tödliche Doris".

Für eine Ausstellung im Jahre 1991 wandelte "Die tödliche Doris" Knabenschlüpfer, Fransenslips und kratzige Glitzeroberteile in die Lichtobjekte "Lampe Slip", "Lampe Oberteil" und "Lampe Revue" um.  (dpa)Für eine Ausstellung im Jahre 1991 wandelte "Die tödliche Doris" Knabenschlüpfer, Fransenslips und kratzige Glitzeroberteile in die Lichtobjekte "Lampe Slip", "Lampe Oberteil" und "Lampe Revue" um. (dpa)

Zu den Legenden, die unglaublich, aber wahr sind, zählt die von Rattenjenny: "Es gibt die Erzählung, dass die Rattenjenny Pogo tanzte und dann im Erdboden verschwunden ist, weil der Boden schon so morsch war", doch dann sei sie einfach wieder heraus gekrabbelt und habe weitergetanzt.

Müller erklärt, das Besondere am "SO" sei, dass es immer ein offenes Ohr für neue Tendenzen gehabt habe. Oft hätten Bands im SO36 gespielt, deren Sound dann erst "später super populär wurde".

Das "SO" habe den Mauerfall "irgendwie gut überlebt" mit neuen Programmen und queeren Veranstaltungen wie "Gayhane" oder "Oriental Night". Es sei immer ein Platz für Neuentwicklungen gewesen, der sich schnell geöffnet habe, "dieses Experimentelle, diese Offenheit zeichnet diesen Ort aus".

Wolfgang Müller (imago stock & people)Wolfgang Müller erzählt aus dem Nähkästchen. (imago stock & people)

Vor dem SO36 steht heute Abend und Nacht ein Bus von Wolfgang Müller, in dem er sich mit verschiedenen Gästen trifft und an die Geschichte des legendären Clubs erinnert: Wolfgang Seidel von der Band "Ton Steine Scherben" oder Ahmed Hamad, ein syrischer Geflüchteter werden ihn besuchen. "Der Bus steht, er fährt nicht." 

Neben einem 400 Seiten starken Buch gibt es dieses lange Radio-Feature über das SO36:
Mehr zum Thema

Die Tödliche Doris und das Westberlin der 80er-Jahre
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 19.02.2013)

Wolfgang Müller: "Aus Liebe zur Kunst" - Über das Scheitern der Kunstkritik
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 27.06.2018)

Der Club als Freiraum und Gesamtkunstwerk - SO36
(Deutschlandfunk Kultur, Feature, 04.08.2018)

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