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Tonart | Beitrag vom 21.03.2018

Der Jazzpianist Sir Charles ThompsonEin überragender Stilist

Von Matthias Wegner

Schwarze und weiße Tasten eines Klaviers (imago/blickwinkel)
Sir Charles Thompson starb am 16. Juni 2016. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden. (imago/blickwinkel)

Schon mit zwölf Jahren wurde er Profi-Musiker, spielte später mit Charlie Parker und Coleman Hawkins: Sir Charles Thompson arbeitete sich sein Leben lang an den Schnittstellen von Swing und Bebop ab. Heute wäre der Jazzpianist 100 Jahre alt geworden.

Wenn Sir Charles Thompson in jungen Jahren spielte, glaubte man gerne mal, der Piano-Riese Count Basie und Bigband-Innovator würde spielen. Eine Kopie? Nein. Am Count kam natürlich niemand vorbei. Also sinnlos und wenig erfolgsversprechend ihn nachzuahmen. Aber: Auch Thompson war ein sehr ökonomischer Spieler – und er arrangierte ja auch für den Count und während der gemeinsamen Zeit hat er sich natürlich auch das ein oder andere abgehört.

Einer der Großen im Jazz-Business

Thompson wurde schon mit zwölf Jahren professioneller Musiker. Und ein paar Jahre später zog es ihn dahin, wo alle Jazzer von Relevanz lebten – nach New York. Viele der ganz großen Namen im Jazz-Business tauchten in kürzester Zeit auch in der Biografie von Thompson auf: Lionel Hampton, in dessen erster Bigband er bereits ab 1940 spielte. Charlie Parker, Coleman Hawkins – und auch der Saxofonist Lester Young. Der war bekannt dafür, dass er seinen Kollegen gerne Spitznamen verteilte. Viele hießen bei ihm "Lady". Charles Thompson aber, wegen seiner Generosität und seiner Eleganz bekam den Zusatz SIR verpasst. 

Wie so viele Musiker seiner Generation arbeitete sich Sir Charles Thompson im Grunde sein ganzes Leben lang den Schnittstellen von Swing und Bebop ab. Und egal, was er da eigentlich genau spielte, bei allem Swing-Gefühl in seiner Musik, wusste er auch immer um die besondere Kraft, die zwischen den Noten steckt.

Er war nicht nur ein überragender Stilist und Begleiter – er schrieb auch eine Menge bedeutender Songs: Sein Signature Song, der bis heute Relevanz hat: "Robbins Nest". Diesen schrieb Thompson Mitte der 40er-Jahre für den damals sehr einflussreichen Radio-DJ Fred Robbins – genauer gesagt als Erkennungsmelodie für dessen schwer angesagte Radiosendung. Der Song wurde später zum bedeutenden Standard, nachdem ihn Illinois Jacquet und schließlich auch Count Basie aufnahmen.

Später Neustart

Natürlich lief auch bei Sir Charles Thompson nicht alles nur in eine Richtung. In den 60er- und 70er-Jahren dudelte er viel auf der Hammond-Orgel und auf schlechten Klavieren in winzigen Clubs herum. Nebenbei spielte er Golf – auch ein wenig aus Langeweile. In den 90er-Jahren schließlich ein Neustart, Thompson, heiratete eine Japanerin, verließ für sie seine Heimat und profitierte davon, dass die Japaner Jazz, vor allem, wenn er aus den USA kam, liebten. Bis weit in die Nuller-Jahre trat Thompson noch auf. Am 16. Juni 2016 verstarb er schließlich in seiner Wahlheimat im stolzen Alter von 98 Jahren.

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