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Stunde 1 Labor | Beitrag vom 19.04.2020

Der Cellist Johannes Moser"Ich lerne auch von Amateuren"

Von Ulrike Timm

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Porträt des Cellisten Johannes Moser mit seinen Instrumenten. (Ultraschall Berlin / Uwe Arens)
Johannes Moser stammt aus einer Musikerfamilie: Seine Mutter ist Sängerin, sein Vater Cellist, die weltberühmte Sopranistin Edda Moser ist seine Tante. (Ultraschall Berlin / Uwe Arens)

Ein Jahrhunderte altes Violoncello ist sein "Partner": Johannes Moser spielt als Solist auf den großen Konzertpodien der Welt. Das Musizieren mit Nicht-Profis macht ihm dennoch Freude. Er gibt ihnen Tipps oder trifft sich mit ihnen zum Flashmob.

Der Musiker Johannes Moser reist als Solist durch die Welt, spielt auf allen großen Konzertpodien. Immer dabei: sein Guarneri-Cello. Es ist über 300 Jahre alt.

"Das Instrument sieht schon mitgenommen aus, da haben auch mal die Würmer dran gefressen, das ist auch mal hingeschmissen worden", berichtet er über sein wunderbar klingendes Violoncello, das ihm ein "Partner" ist –und dessen Stärken wie Marotten er kennt und achtet.

Mutter Sängerin, Vater Cellist, Tante Starsopranistin

Johannes Moser wurde in eine Musikerfamilie geboren, seine Mutter ist Sängerin, sein Vater Cellist, eine Tante ist die weltberühmte Sopranistin Edda Moser, deren Stimme mit der Rachearie der Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte in einer Raumsonde durchs Weltall fliegt. Die Disziplin, die Anforderungen eines Musikerlebens hat Johannes Moser entsprechend früh verinnerlicht.

"Üben bedeutet ja nicht nur, das Repertoire auf die Reihe zu kriegen", sagt er. "Es ist immer wieder Introspektion, es ist immer wieder schauen, wo ich stehe, und es wird sehr klar während des Übens, wo man gefühlsmäßig und auch wo man im Leben gerade steht. Insofern ist Üben natürlich auch eine Form der Meditation." Ein großes Glück sei, wenn nicht "er", sondern "es spiele".

Um solche kostbaren Momente zu ermöglichen und auch mit Anspannung und Lampenfieber besser umgehen zu können, bereitet sich Moser mit mentalem Training auf Auftritte vor. Die Technik dazu hat er sich von Sportlern abgeschaut.

Nomadischer Lebensstil mit kulturellen Überraschungen

"Schön ist es, irgendwo hinzukommen, schön ist aber auch, dass man wieder abreisen kann", meint er über seinen nomadischen Lebensstil, bei dem es immer wieder auch zu kulturellen Überraschungen kommt. Etwa im ostafrikanischen Ruanda, wohin der Cellist einige Jahre nach dem Genozid eingeladen worden war, in ein noch tief verwundetes Land.

Hier klatschte und tanzte das Publikum während der schnellen Sätze eines Haydn-Konzertes spontan fröhlich mit – Schlussapplaus gab es dagegen nicht, stattdessen gingen die Zuhörer, denn "es war ja vorbei". Die afrikanischen Gastgeber waren ihrerseits irritiert, wie "unrhythmisch" die deutschen Musiker den Auftritt eines ruandischen Tanzensembles beklatschten – vor allem aber, dass sie nicht mittanzten, sorgte für Verwunderung, denn das hätte in ihrer Kultur zum guten Ton gehört. Solche Erfahrungen bereichern und lassen Johannes Moser unsere Konzerttraditionen immer wieder hinterfragen.

Flashmob mit Hunderten Musikliebhabern

Häufig arbeitet der international hoch renommierte Cellist und Hochschullehrer auch mit Laien – sei es, dass er ihnen Tipps gibt, sei es, dass er sich mit Hunderten Musikliebhabern und ihren Instrumenten bei einem Flashmob trifft. "Ich sage regelmäßig nach solchen Sessions: Ich möchte zu einem guten Teil wieder Amateur sein! Es geht mir darum, dass man immer von 'amare', vom Lieben ausgeht", sagt er.

Im Gespräch mit Ulrike Timm erzählt Moser, warum Konzerte "wie ein Fallschirmsprung" sind – und auch, wie es war, als er einmal tatsächlich einen realen Fallschirmsprung gewagt hat. Denn Natur, Sport und Bergwandern gehören – fast – so intensiv zum Leben des Musikers wie sein Cello.

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