Depressionen

    Psychotherapeut rät zur Vorsicht bei Medikamenten

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    Ein Mann steht am Fenster und verbirgt aus Trauer sein Gesicht.
    Gerade im Herbst leiden wieder viele Menschen unter Depressionen und suchen Hilfe. © Imago / Shotspot
    Thorsten Padberg im Gespräch mit Ute Welty  · 27.10.2021
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    Der Psychotherapeut Thorsten Padberg warnt davor, bei der Behandlung von Depressionen zu stark auf Medikamente zu setzen. Stattdessen sollten soziale Ursachen mehr beachtet werden, so Padberg in seinem Buch "Die Depressions-Falle".
    In seinem Buch "Die Depressions-Falle" setzt sich der Psychotherapeut Thorsten Padberg kritisch mit der Einnahme von Medikamenten bei der Behandlung von Depressionen auseinander. Er kritisiert, dass immer öfter eine schwere Phase oder Zeit der Trauer gleich als Depression angesehen wird.
    "Wir wissen inzwischen aus der Forschung, dass der Unterschied zwischen Placebos und Antidepressiva ziemlich klein ist", sagt Padberg. Einige Patienten profitierten davon, andere weniger. Ein solches Medikament könne für eine Zeit lang eine gute Stütze sein, man sollte sich aber nicht dauerhaft darauf verlassen. Der Verhaltenstherapeut verwies auf die Nebenwirkungen: "Das sind keine Smarties." Padberg warnte auch davor, Antdepressiva einfach abzusetzen, weil das zu Entzugserscheinungen führen könne. Sie könnten dann einer Depression sehr ähneln, sodass Patienten oft dächten, dass ihre Depression zurückkehre, sobald sie die Medikamente absetzten. Man sollte das deshalb nur unter Aufsicht von Fachleuten tun.

    Mehr Aufmerksamkeit für soziale Lage

    Padberg sieht mit Sorge eine Fixierung auf Medikamente und das Gehirn bei der Behandlung von Depressionen. Es sei wichtiger, sich auch den sozialen Ursachen mehr zuzuwenden. "Wir sollten da gucken, wo liegt das Problem im Umfeld des Klienten?" Auch stelle sich die Frage, wie man Menschen wieder besser in Kontakt bringe.
    Dass sich Prominente zu ihrer Depression bekennen, helfe dabei, der Krankheit ihr Stigma zu nehmen. Viele fühlten sich dadurch auch weniger schuldig für ihren Zustand. Allerdings sollte nicht jede schwere Phase von Traurigkeit durch die depressive Brille gesehen werden, so der Therapeut. Sonst bestehe die Gefahr, dass Patienten aufhörten, nach Lösungsansätzen zu suchen, die sie selbst in der Hand hätten.

    Thorsten Padberg: "Die Depressions-Falle"
    S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2021
    272 Seiten, 23 Euro

    Wer das Gefühl hat, an einer Depression zu leiden oder sich in einer scheinbar ausweglosen Lebenssituation zu befinden, sollte nicht zögern, Hilfe anzunehmen. Hilfe bieten zum Beispiel die Telefonseelsorge in Deutschland unter der Telefonnummer 0800 111 0 111, das Info-Telefon Depression unter 0800 3344533 oder die Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

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