Promis mit Depressionen

    "Danke, Nora Tschirner"

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    Nora Tschirner auf dem Roten Teppich im September 2019 in Köln.
    Auch Prominente wie Nora Tschirner, die vermeintlich alles haben, können krank werden. Das sei wichtig, zu wissen, meint Sonja Koppitz. © picture alliance / dpa / Flashpic / Jens Krick
    Sonja Koppitz im Gespräch mit Johannes Nichelmann · 16.04.2021
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    Nora Tschirner hat in einem Interview öffentlich über ihre Depressionen gesprochen. Moderatorin Sonja Koppitz, die selbst von der Krankheit betroffen ist, ist dankbar für die Offenheit der Schauspielerin.
    Im aktuellen SZ-Magazin spricht die Schauspielerin Nora Tschirner zum ersten Mal öffentlich über ihre Depressionen und auch darüber, wie der Kulturbetrieb sie krank gemacht habe. Ihr Leiden zu thematisieren, sei ein Tabu gewesen.
    Sonja Koppitz leidet selbst seit zehn Jahren an der Krankheit. Sie moderiert unter anderem Plus Eins im Deutschlandfunk Kultur und spricht in dem Podcast "Kopfsalat" über Depressionen. Die 39-Jährige begrüßt es, dass jetzt Prominente wie die Schauspielerin Nora Tschirner oder der Comedian Kurt Krömer öffentlich darüber reden.

    Es hilft, wenn andere reden

    "Ich habe gedacht: Danke, Nora Tschirner!", sagt Sonja Koppitz. Es helfe Betroffenen immer, von anderen Menschen zu hören, wie ihre Erfahrungen mit Depressionen sind. Und wenn diese in der Öffentlichkeit stehen und die vermeintlich alles haben und erfolgreich sind, komme noch die Erkenntnis hinzu: "Auch solche Menschen können krank werden."
    So werden Berührungsängste genommen, sagt Koppitz: "Ich bin damit nicht allein. Und das finde ich wahnsinnig wichtig." Denn wie andere psychische Erkrankungen sind auch Depressionen immer noch stigmatisiert.


    Auch Koppitz hat am Anfang keinem gezeigt, wie es in ihr aussah. "Ich konnte das gut verbergen." Ihre Arbeit hat sie immer gemacht, der Absturz kam erst später: "Das Mikrofon ist an, dann habe ich noch funktioniert. Und bin zu Hause zusammengebrochen."
    Moderatorin Sonja Koppitz schaut in die Kamera.
    Sonja Koppitz findet es wichtig, dass die Berührungsängste vor der Krankheit Depression schwinden.© Sonja Koppitz

    Samthandschuhe oder blöde Sprüche

    Viele hätten auch nicht gewusst, wie sie mit der Krankheit umgehen sollen: "Kann ich noch normal mit der reden? Fängt die gleich an zu heulen?". Sie sei entweder mit Samthandschuhen angefasst worden oder habe Sprüche gehört wie "Ruh dich mal aus. Mach mal eine Pause", sagt Koppitz.
    "Man kann die Depression nicht wegschlafen und auch in Urlaub fahren hilft nicht. Das ist eine psychische Erkrankung mit einer neurobiologischen Grundlage."
    Aber auch prekäre Arbeitsbedingungen begünstigen Depressionen, ob im künstlerischen Bereich, wo nie klar ist, ob auf ein Engagement auch das nächste folgt, oder als unterbezahlte Pflegekraft. "Wir verbringen die meiste Zeit unseres Lebens bei der Arbeit. Wenn da die Bedingungen so sind, dass man psychisch darunter leidet, ist es nicht verwunderlich, dass man krank werden kann."
    (beb)

    Hilfsangebote für Menschen mit Depressionen: Wenn Sie das Gefühl haben, an einer psychischen Krankheit zu leiden, wenn Sie sich in einer scheinbar ausweglosen Lebenssituation befinden oder das auf einen Ihrer Angehörigen zutrifft, zögern Sie nicht, Hilfe anzunehmen bzw. anzubieten. Hilfe bietet unter anderem die Telefonseelsorge in Deutschland unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (gebührenfrei) und im Internet unter telefonseelsorge.de.

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