"Denn die Weltgeschichte ist mindestens zur Hälfte eine Liebesgeschichte"

Von Robert Brammer |
Mit seinem Hauptwerk "Der Mann ohne Eigenschaften" gilt Robert Musil als Mitbegründer der literarischen Moderne, seine Bedeutung wird mit der von James Joyce oder Marcel Proust verglichen.
Doch schon kurze Zeit nach Erscheinen des ersten Bandes im November 1930 prophezeiten Kritiker, dass Musils Werk große Bewunderung, aber nur wenige Leser finden werde - denn das monumentale Werk sperre sich durch Umfang, Form und Inhalt einem breiteren Leserkreis. Kritiker haben das Buch in einer Umfrage am Ende des vergangenen Jahrhunderts dennoch zum bedeutendsten deutschsprachigen Roman seit 1900 gekürt, vor Thomas Manns "Zauberberg" etwa oder den Erzählungen von Franz Kafka.

Der noch weniger bekanntere und noch weniger gelesene Nachlassband schildert die alle gesellschaftlichen Konventionen sprengende Liebe zwischen Ulrich und seiner Schwester Agathe. Ulrich, "der Mann ohne Eigenschaften" sucht in diesem Liebeserleben die Utopie des "anderen Zustandes", eine Synthese zwischen Seele und Verstand.