Seit 23:05 Uhr Fazit

Freitag, 06.12.2019
 
Seit 23:05 Uhr Fazit

Interview / Archiv | Beitrag vom 08.06.2019

Demokratiebewegungen am Beispiel SudanDas Schweigen der internationalen Gemeinschaft

Julia Leininger im Gespräch mit Ute Welty

Beitrag hören Podcast abonnieren
Im Sudan gehen Sicherheitskräfte gegen Demonstranten vor. (Mohammed Najib/AP)
Gewalt gegen Demonstranten: Im Sudan geht das Militär gegen die Proteste vor. (Mohammed Najib/AP)

Die Demokratiebewegung im Sudan muss ohne internationale Unterstützung auskommen. In der Außenpolitik spiele Demokratie als wichtiges Prinzip kaum noch eine Rolle, sagt die Politikwissenschaftlerin Julia Leininger.

"Es gibt wenige Staaten, die sich proaktiv für Demokratie einsetzen." Das beklagt Julia Leininger vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik in Bonn.

Am Beispiel des Sudans werde dies deutlich. In der Hauptstadt Khartum hatte der herrschende Militärrat am Montag Blockaden von tausenden Demonstranten gewaltsam räumen lassen. Die Demonstranten hatten eine zivile Regierung für das nordostafrikanische Land gefordert. Mehrere hundert Menschen sollen getötet worden sein.

Kein internationales Engagement für den Sudan

Während Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed einen schnellen demokratischen Übergang im Nachbarland Sudan fordere, lasse das europäische oder internationale Engagement auf sich warten, sagte Leininger.

In den USA und in Europa habe man "Demokratie als wichtiges Prinzip und Ziel von Außenpolitik" aus den Augen verloren. Seit etwa fünf Jahren sei in den Vereinten Nationen und den OECD-Staaten der Einsatz für Demokratiebewegungen von der Agenda gefallen.

Die Demokratie als "universeller Wert" verschwinde. Stattdessen sei "ein eher autoritäres Modell, wie es von China verkörpert wird" international hoffähig geworden und werde legitimiert.

(huc)

Mehr zum Thema

30 Jahre Tiananmen-Massaker - Nur Hongkong trauert und erinnert
(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 04.06.2019)

Wirtschaft im Sudan - Zwischen Mafia und Militär
(Deutschlandfunk, Informationen am Morgen, 01.06.2019)

Fußball-Doku "Khartoum Offside" im Sudan - Spielen für Akzeptanz und Freiheit
(Deutschlandfunk Kultur, Nachspiel, 26.05.2019)

Interview

"German Zero"Wie ein Bürgerrat das Klima retten will
Berber sitzt im Wuestensand, Marokko, Merzouga. (imago images / blickwinkel / M. Woike)

Das Klimapaket der Bundesregierung reicht nicht, um einen entscheidenden Beitrag zur Klimawende zu leisten, sagen Kritiker. Die Bürgerinitiative "German Zero" will ein Gesetz einbringen, dass der Politik höhere Ziele setzt, das Klima zu schützen.Mehr

Internationale KonflikteBeim Dialog niemanden ausgrenzen
Geschäftsmann und Geschäftsfrau beim Handschlag mit Stangen über einem Abgrund (imago images / Ikon Images)

In manchen Regionen der Welt halten Konflikte so lange an, dass die Situation verfahren scheint. Ist Diskussionsbereitschaft kulturell bedingt? Konfliktforscher Hans-Joachim Giessmann erklärt, worauf es ankommt. Die Situation in Deutschland besorgt ihn.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur