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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 25.06.2019

Debatte über Verkehrspolitik"Die haben jetzt das Läuten gehört"

Birgit Marschall im Gespräch mit Korbinian Frenzel

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Ein Hinweisschild für Parkplätze mit Ladestation für Elektroautos. (picture alliance / McPhoto / C. Ohde)
Nach wie vor gibt es in Deutschland kein ausreichendes Netz an Ladestationen für E-Autos. (picture alliance / McPhoto / C. Ohde)

90.000 Elektroautos rollen auf Deutschlands Straßen - statt der ursprünglich avisierten eine Million bis 2020. Schuld daran seien sowohl Staats- als auch Marktversagen, sagt Birgit Marschall. Dennoch ist sie optimistisch, dass das Umdenken begonnen haben könnte.

Keine sonderlich gute Presse bekam der Autogipfel gestern Abend im Kanzleramt. Der Tenor: keine konkreten Ergebnisse. Birgit Marschall von der "Rheinischen Post" bemüht sich um eine positivere Sichtweise.

"Wichtig ist, dass eben überhaupt irgendetwas besprochen wurde", sagte sie im Deutschlandfunk Kultur. Nach Ansicht der Journalistin haben die Verantwortlichen in Politik und Automobilindustrie inzwischen begriffen, worum es gehe. "Wir haben ja schon ein Umlenken in den großen Konzernen", betonte sie, vor allem mit Blick auf VW. Auch Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) äußere sich in letzter Zeit "auffallend ökologisch".

Statt 1 Million nur 90.000 E-Autos

Gleichzeitig räumte Marschall ein, dass Deutschland dem vor wenigen Jahren ausgegebenen Ziel meilenweit hinterherhinke, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen. "Wir haben ja erst 90.000 Elektroautos auf den Straßen und wir haben insgesamt 47 Millionen PKW, da muss man mal die Dimensionen sehen."

Schuld an diesem Rückstand sei eine Kombination aus Staats- und Marktversagen. Zum einen habe die Automobilindustrie zu spät angefangen, Elektroautos zu entwickeln, die im Vergleich zu Benzinern und Dieselautos nicht zu teuer seien. Auf der anderen Seite stehe das Versäumnis des Staates, eine Ladeinfrastruktur zu schaffen.

Wer viel fährt, soll viel zahlen

Allein mit Elektromobilität ist die Verkehrswende Marschall zufolge ohnehin nicht zu schaffen, sondern man brauche in der Verkehrspolitik ein Vielzahl von Maßnahmen.

"Meines Erachtens muss da unbedingt eine CO2-Bepreisung dazu. Das heißt also, Menschen, die viel fahren und viel Benzin und Diesel usw. verbrauchen, die müssen über einen zusätzlichen Preis, ich sag mal, bestraft werden", betonte sie.

(uko)

Birgit Marschall berichtete zehn Jahre lang für die "Financial Times Deutschland" aus Berlin. Zuvor arbeitete die Diplom-Volkswirtin für die "Berliner Zeitung", die "Wirtschaftswoche" und die "Berliner Morgenpost". Seit Anfang 2010 verstärkt sie das Berliner Büro der "Rheinischen Post". Sie ist dort vor allem für Wirtschafts- und Finanzpolitik zuständig.
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