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Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.07.2018

Debatte über Frankfurter Paulskirche Denkmal deutscher Demokratie

Nikolaus Bernau im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Ausschnitt aus dem Wandgemälde Der Zug der Volksvertreter vom Berliner Maler Johannes Grützke, 1991, auf der Innenseite des ovalen Wandelganges in der Paulskirche, Frankfurt am Main. (imago/imagebroker)
Ausschnitt aus dem Wandgemälde "Der Zug der Volksvertreter" vom Berliner Maler Johannes Grützke, 1991, in der Paulskirche, Frankfurt am Main. (imago/imagebroker)

Die Paulskirche in Frankfurt am Main, in der sich 1848 die ersten frei gewählten Volksvertreter versammelten, ist sanierungsbedürftigt. Über die Art der Sanierung – Reparatur des Nachkriegsbaus, Rekonstruktion des Originalbaus – wird gestritten.

Der Architekturkritiker Nikolaus Bernau bestätigt, dass die Paulskirche in die Jahre gekommen sei. "Das heißt, man muss etwas tun. Es muss am Dach etwas gemacht werden, es muss die Innenausstattung saniert werden, es muss auch die Technik saniert werden", so Bernau.

Aber ansonsten sei der Bau ein bemerkenswert gut erhaltenes Kunstwerk der Zeit um 1950. "Mit all den Bedeutungsschichten, die eben um 1950 für solch ein Kunstwerk galten. Und das ist das eigentlich spannende bei der heutigen Paulskirche", erläutert Bernau.

Erinnern an die Erinnerung von 1848

Die eigentliche Frage sei, meint Bernau, ob die Paulskirche tatsächlich an 1848 erinnern soll, oder an die Erinnerung von 1848 in späteren Zeiten. Im Krieg ist der Bau komplett ausgebrannt, es stand nur noch die Außenhülle.

"Das heißt, die ganze Kirche, in der die Nationalversammlung stattgefunden hat, ist ein vollständiger Totalverlust und wurde dann 1947/48 zur Hundert-Jahr-Feier wieder aufgebaut", sagt der Architekturkritiker. Der Architekt Rudolf Schwarz habe sehr genau auf das totale moralische Desaster der Zeit zwischen 1933 und 1945 reagiert, meint Bernau.

Entschieden werden sollte in Berlin

Wie die Paulskirche saniert werden soll, ist eine Frage, die nicht in Frankfurt vom Oberbürgermeister entschieden werden solle, sondern in Berlin von Kulturstaatssekretärin Grütters, fordert Bernau. "Und zwar aus ganz vielen Gründen. Das eine ist, man braucht zweifellos ein Dokumentationszentrum", sagt Bernau.

Sanierung ist eine nationale Frage

Die bestehende Ausstellung aus den 1980er-Jahren sei heute nicht mehr diskutabel. "Das zweite ist, es ist eine nationale Frage, wie man mit dem Gebäude umgeht. Das dritte, was ganz wichtig ist, dass wir offensichtlich ein Problem damit haben, die Erinnerung an die Nazi-Zeit gut zu behandeln. Wir wollen das einfach wegschieben", so Bernau. Dabei bräuchten wir diese Erinnerung auch in der Architektur sehr dringend, meint Architekturkritiker Nikolas Bernau.   

(beb)

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