Seit 01:05 Uhr Tonart
Freitag, 17.09.2021
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Lesart / Archiv | Beitrag vom 06.11.2014

David Foster WallaceNicht nett zu Frauen

Übersetzer Ulrich Blumenbach über das Phänomen David Foster Wallace

Moderation: Frank Meyer

Der Autor David Foster Wallace (1962-2008) zwei Jahre vor seinem Tod (CC BY 2.0 / Steve Rhodes / picture alliance)
Der Autor David Foster Wallace (1962-2008) zwei Jahre vor seinem Tod (CC BY 2.0 / Steve Rhodes / picture alliance)

Er galt als Ausnahmetalent der amerikanischen Literatur und setzte 2008 seinem Leben ein Ende: David Foster Wallace. Jetzt ist die erste Biografie über ihn erschienen. Diese sei gelungen und enthalte auch unangenehme Wahrheiten, sagt Wallace-Übersetzer Ulrich Blumenbach.

Der Autor David Foster Wallace wurde in der englischsprachigen Welt bewundert wie kaum ein anderer – für seine Romane "Der Besen im System", "Unendlicher Spaß" oder "Der bleiche König" genauso wie für seine Kurzgeschichten. Unter dem Titel "Jede Liebesgeschichte ist eine Gespenstergeschichte" ist jetzt auf Deutsch die erste Biografie des 2008 verstorbenen Autors erschienen. 

Ein gelungenes Werk, findet Ulrich Blumenbach, David-Foster-Wallace-Kenner und -Übersetzer. Biograf D.T. Max habe sehr viel Material gesammelt, auch Wallace' unveröffentlichte Briefe einsehen können.

"Daraus bezieht er einen Großteil seiner Fakten, und das ist einfach großartig."

Band mit David Foster Wallace' Briefen in Vorbereitung

In den USA werde derzeit ein Band mit Briefen von Wallace vorbereitet, von dem sein Biograf sage, er könne "einer der letzten großen Briefschreiber der amerikanischen Literatur gewesen sein".

Auch räume die Biografie mit Legenden und Gerüchten um die Depression des Schriftstellers auf und bringe "Ordnung" in dessen Krankengeschichte: wann dieser welchen depressiven Schub erlitten habe, wann er sich welcher Behandlung unterzogen habe und welche Selbstmordversuche es vor seinem letzten und erfolgreichen von 2008 gegeben habe.

"Politik der verbrannten Erde" im Umgang mit Frauen

Das Buch habe ihm aber auch unangenehme Facetten David Forster Wallace' gezeigt, sagte Blumenbach:

"Wallace hatte viele Freundinnen, viele Partnerinnen und er ist mit diesen Frauen nicht immer sehr sympathisch umgegangen. Also, er hat oft Beziehungen beendet mit einer Politik der verbrannten Erde."

Das passe nicht zu dem öffentlichen Bild des Schriftstellers Wallace als eines "sehr achtsamen Menschen, der eine Ästhetik, aber auch eine Lebensphilosophie der Empathie propagiert", so Blumenbach.

"Das war er in seinem persönlichen und vor allem in seinem Beziehungsleben nicht immer."

Daniel Max: Jede Liebesgeschichte ist eine Geistergeschichte. David Foster Wallace. Ein Leben.
Aus dem amerikanischen Englisch von Eva Kemper
Verlag Kiepenheuer & Witsch, 512 Seiten, 24,99 €

 

 (picture-alliance / dpa-Zentralbild / Arno Burgi)Der Übersetzer Ulrich Blumenbach (picture-alliance / dpa-Zentralbild / Arno Burgi)

Ulrich Blumenbach hat die meisten der Wallace-Bücher ins Deutsche übersetzt. Für seine Übertragung des Romans "Unendlicher Spaß" wurde er mit dem Leipziger Buchpreis für Übersetzung ausgezeichnet.

 

 

 

Mehr zum Thema:

David Foster Wallace - Großer Anspruch, begrenzte Freude
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 4.6.2014)

Literatur - Spezialist für amerikanische Literatur
(Deutschlandradio Kultur, Profil, 26.2.2014)

David Foster Wallace - Von Nerds, Neurosen und notorischen Schreibtischarbeitern
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 6.1.2014)

In den Köpfen der Anderen
(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 14.6.2013)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Lesart

Clemens Meyer: "Stäube"Die Faszination des Unterirdischen
Porträt von Clemens Meyer in einer dunklen Jacke.  (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)

In seinem Erzählband "Stäube" nimmt Clemens Meyer seine Leser mit unter Tage. Von der Erdoberfläche zu verschwinden, habe ihn als Metapher gereizt, erzählt Meyer. In drei Geschichten geht es buchstäblich und im übertragenen Sinne in den Untergrund.Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur