David Byrne zum 70. Geburtstag

Multikünstler und Pop-Visionär

05:50 Minuten
Porträt des schottischen Musikers David Byrne mit E-Gitarre auf einer Bühne, 2018.
David Byrne auf einer Bühne in Toronto, Kanada 2018. © imago / ZUMA Wire / Angel Marchini
Von Goetz Steeger · 13.05.2022
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Er hat Filme gedreht, Musicals und Bücher geschrieben und sich auch mit Architektur und Klimapolitik beschäftigt. Das Vokabular der Popmusik ist durch ihn und seine Band, die "Talking Heads", um vieles reicher. Nun wird David Byrne 70 Jahre alt.
Ein junger Mann rasiert sich auf der Bühne zu anheimelndem Akkordeonspiel, neben ihm steht ein Showgirl, das mit russischer Sprache beschriebene Tafeln hochhält. Auf der renommierten RISD, der Rhode Island School of Design, war man über so etwas Anfang der 70er-Jahre not amused. David Byrne hatte das Institut wenig später zu verlassen.
Für den jungen Pop-Dadaisten kam das gelegen, er hatte ohnehin anderes vor. Nach New York wollte er und mit seiner Band dort eine Rock'n'Roll-Karriere starten.

Talking Heads Vorgruppe der Ramones

Die Band mit Tina Weymouth am Bass und Chris Frantz am Schlagzeug hieß noch „The Artistics“. In New York änderten sie ihren Namen in Talking Heads. Der erste Gig im Jahre 1975 fand im legendären CBGB’s statt – als Vorgruppe der Ramones. Was für ein Startpunkt. Die hörbare Nervosität setzten sie als Stilmittel ein.

 „Drei Wochen später waren wir auf dem Cover der Zeitung 'Village Voice', meine Güte! Da waren wir wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort!“, sagte David Byrne in der Talking-Heads-Doku „Well, How Did We Get Here“ dazu.
Keyboarder Jerry Harrison kam zur Band. 1977 erschien das erste Album: "Talking Heads: 77"
Punk hatte einen schlechten Ruf, um ins US-Radio zu kommen, brauchte man einen anderen Genrebegriff. "New Wave" war die Idee des Plattenlabels – und die Talking Heads hatten als erste New-Wave-Band mit "Psycho Killer" einen Radiohit.

Rock'n'Roll trifft auf Afrobeat

David Byrnes Songs hatten skurrile Themen, und für damals Pop-unübliche Soundideen wie Rock'n'Roll mit Afrobeat zu verbinden die Freiheit, sich ständig selbst zu widersprechen – das war das erklärte Credo.
David Byrne steht auf der Bühne und bewegt sich. Er hat weiße Haare, trägt einen silbergrauen Anzug. Im Hintergrund ein dunkelgrauer Vorhang.
David Byrne 2018 auf der Bühne in Durham im US-Bundesstaat North Carolina. © imago images / ZUMA Wire / Andy Martin Jr.
In Brian Eno als Produzenten fand David Byrne einen Menschen mit ähnlichen Vorstellungen.
Man ging ins Studio, ohne einen fertigen Song zu haben, die Band jammte, während David Byrne zwischendurch Textzeilen aufschrieb. Er und Eno loopten dann die besten Passagen – daraus entstand das epochale Album „Remain In Light“, das vierte Talking-Heads-Album, darauf auch "Once in a Lifetime"
Als bahnbrechend in Sachen Sampling gilt David Byrnes und Brian Enos Album „My Life In The Bush Of Ghosts". Geloopte Percussionbeats, Sprachsamples und Atmosphären: postmoderne Popkunst, wie man sie bis dahin noch nicht gehört hatte. Darauf findet sich etwa "Help me Somebody". 

Multikünstler und Oscar-Gewinner

David Byrnes multidisziplinäres Kunstverständnis brach sich in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre immer mehr Bahn. Bei seinem ersten Film „True Stories“ war er für Drehbuch, Regie und Produktion verantwortlich, spielte auch selbst mit. Der Soundtrack kam von den Talking Heads, die sich aber 1991 auflösten.

Zusammen mit Ryuichi Sakamoto und Cong Su komponierte David Byrne den Soundtrack für den Bertolucci-Film „Der Letzte Kaiser“ und bekam dafür 1988 einen Oskar.
David Byrne hat mit DB Radio ein eigenes Internet-Radio, sein Label Luaka Bop hat einen Riesenkatalog an internationaler Musik. Er arbeitet mit jüngeren Kolleginnen und Kollegen wie Arcade Fire oder St. Vincent, hat eine Kolumne in der "New York Times", seine Fotoarbeiten, sein Buch „Bicycle Diaries“ über die Bedingungen für Fahrradfahrer in verschiedenen Metropolen der Welt – Byrne ist vielfältig aktiv.

Ideen gegen Armut und Klimawandel verbreiten

Sein letztes Album „American Utopia“ ist Teil eines großen Projektes mit dem Ziel, Lösungsideen zur Verbesserung in Sachen Klima oder Armut zu präsentieren. Spike Lee war als Regisseur dabei.

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„Wenn ich etwas sehe, sage ich: 'Guck mal, da ist etwas in Schweden, in Uruguay oder sonst wo gemacht worden, was wirklich funktioniert. Könnte das auch woanders gehen? Dann lass uns allen davon erzählen.'"

David Byrne

Am 14. Mai hat David Byrne seinen 70. Geburtstag. Möge sich seine To-Do-Liste noch lange fortsetzen.

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