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Tonart | Beitrag vom 29.03.2021

Danger Dans "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt"Politische Kampfansage gegen Neue Rechte

Alex Barbian im Gespräch mit Andreas Müller

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Ein Konzert der Band Antilopen Gang in der  Berliner Berghain Kantine. Im Vordergrund: Sänger Danger Dan alias Daniel Pongratz. (imago / Votos-Roland Owsnitzki)
Kalkulierte Grenzüberschreitung: Daniel Pongratz, besser bekannt als Danger Dan von der Antilopen Gang. (imago / Votos-Roland Owsnitzki)

Der Rapper Danger Dan sorgt mit einem Song für Aufsehen: Darin richtet er sich unter Berufung auf die Kunstfreiheit explizit gegen Führungsfiguren der Neuen Rechten. Der Musikjournalist Alexander Barbian hält die Provokationen für wohlkalkuliert.

Das Grundrecht auf Kunstfreiheit ist ein hohes Gut. Trotzdem müssen ihre Grenzen von Zeit zu Zeit neu ausgehandelt werden. Vor allem dann, wenn sie mit anderen Grundrechten, etwa dem Persönlichkeitsrecht, kollidiert.

Der am 26. März erschienene Song "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" von Rapper Danger Dan befeuert angriffslustig die Debatte um die Grenzen des Sagbaren und sorgt für jede Menge Wirbel im Internet.

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Ein Auszug aus dem Text:

"Also jetzt mal ganz spekulativ
Ich nutze ganz bewusst lieber den Konjunktiv
Ich schriebe einen Text, der im Konflikt mit dem Gesetz
Behauptet, Gauland sei ein Reptiloid
Und angenommen, der Text gipfelte in ei’m
Aufruf, die Welt von den Faschisten zu befrei’n
Und sie zurück in ihre Löcher reinzuprügeln noch und nöcher
Anstatt ihnen Rosen auf den Weg zu streuen
Juristisch wär die Grauzone erreicht
Doch vor Gericht machte ich es mir wieder leicht
Zeig mich an und ich öffne einen Sekt
Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt."

Eigentlich ist Danger Dan als Mitglied der Hip-Hop-Formation Antilopen Gang bekannt. Doch im April erscheint ein Soloalbum, auf dem er mit Pianomusik ganz andere Wege beschreite, sagt Musikjournalist Alex Barbian.

"Ich würde das, was er da aktuell macht, mehr als balladenartig-kabarettistische Form der Kunstperformance beschreiben. Eigens komponierte Klavierstücke, zu denen Danger Dan singt und mehr Liedermacher als Rapper ist" – eine Mischung aus "Hannes Wader und Comedian Harmonists".

Durch Kunstfreiheit gedeckte Grenzüberschreitung

Warum ist der aktuelle Song nebst dazugehörigem Video so interessant? Zum einen, sagt Barbian, weil die durch die Kunstfreiheit gedeckte Grenzüberschreitung schon im Songtitel stecke und damit sehr bewusst in den Fokus gestellt werde. "Zum anderen, weil im Stück viele politische Kampfansagen stecken, die sehr konkret an verschiedene Führungsfiguren der Neuen Rechten, die Polizei und den Verfassungsschutz gerichtet sind. Danger Dan schießt zum Beispiel gegen den rechtsradikalen Verleger Götz Kubitschek oder den Bundestagsfraktionsvorsitzenden der AfD, Alexander Gauland."

Seine Anfeindungen verpacke er mithilfe unterschiedlicher rhetorischer Werkzeuge sehr geschickt: Mit ironischem Unterton unterstreiche Danger Dan über den gesamten Song hinweg immer wieder, dass es sich dabei um subjektive Ausführungen – also seine persönliche Meinung – handele. "Zuerst trifft er seine Aussagen im Konjunktiv, also hypothetisch, später nutzt er dann den Indikativ", analysiert Barbian.

Juristische Folgen einkalkuliert

Und: "Ich bin kein Jurist, aber ich gehe stark davon aus, dass Danger Dan die gerichtliche Auseinandersetzung um die eine oder andere Aussage in seinem Song gewissermaßen einkalkuliert hat."

Für Danger Dans Band, die Antilopen Gang, wäre das nicht der erste Prozess dieser Art: 2015 hatte der neurechte Journalist Ken Jebsen die Kombo wegen einer Liedzeile verklagt, in der sein Name gefallen war. Dieser Prozess ging damals zugunsten der Antilopen Gang aus.

(mkn)

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