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Lesart / Archiv | Beitrag vom 29.07.2016

"Daldossi oder Das Leben des Augenblicks"Kriegsreporter in der Krise

Sabine Gruber im Gespräch mit Maike Albath

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Ein Bild aus dem Band "War Porn" des Kriegsfotografen Christoph Bangert (Christoph Bangert / Kehrer Verlag)
Ein Bild aus dem Band "War Porn" des Kriegsfotografen Christoph Bangert (Christoph Bangert / Kehrer Verlag)

Er flüchtet sich in den Alkohol und braucht nachts Schlaftabletten. Im Mittelpunkt von Sabine Grubers Buch "Daldossi" steht ein alternder Kriegsfotograf in der Lebenskrise. Ein wichtiger Schauplatz des Romans ist die italienische Insel Lampedusa.

Immer an vorderster Front sein – das ist das Geschäft von Kriegsberichterstattern und Fotoreportern. Auch Bruno Daldossi, der Held in Sabine Grubers Roman "Daldossi oder Das Leben des Augenblicks", ist ein Kriegsfotograf in der Krise:

"Er hat das Problem, dass er schon etwas älter ist, und das Magazin, für das er gearbeitet hat, 'Estero' in Hamburg, will ihn nicht mehr haben", sagt Sabine Gruber. Hinzu kommt dass Daldossi von seiner Lebensgefährtin verlassen wurde und er die Bilder, die er im Laufe seiner Karriere geschossen hat, nicht aus dem Kopf bekommt.

"Daldossi ist einer, der sich ins Trinken flüchtet und der nachts seine Tabletten braucht, um überhaupt schlafen zu können."

Im 19. Jahrhundert wanderten Italiener in den Maghreb aus

Ein wichtiger Schauplatz des Romans ist Lampedusa, das die Autorin gut kennt. Außerdem habe sie sich auch mit Flüchtlingen auseinandersetzen wollen. Auf Lampedusa sei die Aufnahmebereitschaft sehr groß, betont sie.

Möglicherweise liegt das daran, dass in traditionellen Auswandererregionen wie Süditalien das Thema Migration sehr präsent war - lange Zeit in umgekehter Richtung: Ab 1835 seien bis zu 150.00 Lampedusaner, Sizilianer und Süditaliener in den Maghreb ausgewandert. In Tunis beispielsweise hätte es eine große italienische Gemeinschaft gegeben. Willkommen waren die Fremden offenbar nicht:

"Das, was man heute oft (…) erlebt, dass die Nordafrikaner nicht erwünscht sind, das war damals genau umgekehrt. Man schrieb von den kulturlosen, dreckigen Italienern, die den Tunesiern die Arbeit und die Frauen wegnehmen würden. Es ist interessant, dass das alles schon mal andersrum dagewesen ist."

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