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Tonart | Beitrag vom 22.07.2020

"Da, wo du herkommst" von SAMRapper remixen Anti-Rassismus-Hymne

Malcolm Ohanwe im Gespräch mit Oliver Schwesig

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Samson (vorn) und Chelo Wieland in der Frühzeit ihrer Karriere am 1.11. 2012 im Haus Auensee Leipzig. (imago / Star Media)
Samson Wieland (1990-2018) auf der Bühne, hier im Vordergrund: Sein Bruder Chelo hat Kolleginnen und Kollegen eingeladen, um an ihn zu erinnern. (imago / Star Media)

Samson Wieland vom Hip-Hop-Duo SAM wäre vor einer Woche 30 Jahre alt geworden. Sein Bruder Chelo hat deshalb mit Ahzumjot weitere Musiker zu einem Remix von "Da, wo du herkommst" eingeladen – ein Track, der sehr gut in die heutige Zeit passt.

Vor einer Woche, am 17. Juli, wäre der deutsche Rapper Samson Wieland 30 Jahre alt geworden, eine Hälfte des Hip-Hop-Duos SAM. SAM gehörten zu den vielversprechendsten Hoffnungen der deutschen Musiklandschaft. Vor fast zwei Jahren ist Samson jedoch überraschend gestorben.

Bevor er starb, haben die Brüder mit deutschen und sambischen Wurzeln die Single "Da, wo du herkommst" aufgenommen, die sich gesellschaftskritisch mit Rassismus befasste. Als Geburtstagswidmung hat nun Chelo Wiegand mit dem Rapper Ahzumjot und weiteren Kolleginnen und Kollegen eine aktualisierte Fassung der Antirassismus-Hymne aufgenommen.

"Fluffig, mit wichtiger Message"

Schon die Originalversion sei eine super gelungene Nummer, sagt der Kulturjournalist Malcolm Ohanwe: "Der Track ist so fluffig melodisch, aber dennoch hatte er eine sehr wichtige Message." SAM erzählten 2018 die Geschichte von einem Schwarzen Mann, der sich in eine weiße, gutbürgerliche Frau verliebt und sich dann mit ihrer rassistischen Familie konfrontiert sieht.

"Da, wo du herkommst" thematisiere aber auch "diesen gewissen Zwiespalt, den viele afrodeutsche Menschen spüren, vor allem diejenigen, die auch noch einen weißen deutschen Elternteil haben", erklärt der Journalist.

Malcolm Ohanwe hebt hervor, dass an der neuen Fassung vor allem die Besetzung überzeuge: Ahzumjot, Booz, Nura, Reezy, Chima Ede, Kelvin Colt und Lary – also wirklich größere Namen in der deutschen Pop- und Rap-Szene. Besonders sei auch, dass sich viele der Künstler zum ersten Mal musikalisch so explizit mit ihrem Schwarzsein beschäftigten.

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Dass Schwarzsein eine besondere Rolle spielt, zeigt sich auch in kleinen Referenzen, etwa der Nennung allerlei afrikanischer Speisen: "Nura erwähnt das eritreische Gericht 'Injerra' und Chima Ede spricht über die in Nigeria beliebten Kochbananen, 'Plantain'." Viele Schwarze Kids könnten sich damit identifizieren, sagt Malcolm Ohanwe.

Beschäftigung mit Schwarzsein

Während Nura oder Chima Ede schon eine lange Historie im Kampf gegen Diskriminierung hätten, sei es sehr spannend, dass nun auch eine Popsängerin wie Lary oder der Rapper Reezy dazu Stellung beziehen.

Reezy thematisiert die Stigmatisierung von Schwarzen Menschen, wenn sie sich mal locker kleiden, wie etwa in einer Jogginghose. "Bei Weißen ist das oft cool oder Hippie Look", sagt Ohanwe. "Schwarze gelten dann oft als Gangster."

Das sei auch bei dem Tod von Trayvon Martin ganz kontrovers diskutiert worden, sagt er: Ein Afroamerikaner, der einen Kapuzenpulli getragen hatte und in Florida von George Zimmermann getötet worden sei, weil Martin auf ihn bedrohlich gewirkt habe.

"Ahzumjot, der diesen Song mitkuratiert hat, persifliert den weißen deutschen Onkel, der superrassistische Dinge sagt und gar nicht merkt, was da von sich gibt", erläutert Ohanwe den Remix. "Ansonsten werden so lästige Vorteile thematisiert wie, dass Schwarze besser tanzen können, dass sie kein Deutsch verstünden, dass sie immer zu empfindlich seien, wenn es zum Beispiel um rassistische Witze geht."

Das Fazit von Ohanwe zu dem Remix: "Der Song reiht sich ein in eine wachsende Bewegung von Schwarzen Personen im deutschen Hip-Hop, die sich solidarisch zusammentun und politischere Musik machen."

(mfu)

Tonart

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