Seit 00:05 Uhr Chormusik

Mittwoch, 20.11.2019
 
Seit 00:05 Uhr Chormusik

Interview / Archiv | Beitrag vom 18.05.2015

Crystal MethDie Droge aus der Neonazi-Szene

Maik Baumgärtner im Gespräch mit Frank Meyer und Katja Schlesinger

Podcast abonnieren
(picture alliance / dpa)
Die Mode-Droge Crystal Meth wird oft geraucht. (picture alliance / dpa)

Crystal Meth gilt unter den Drogen als Killer, denn es macht extrem schnell abhängig – auch wenn von ihm oft verharmlosend als "Partydroge" gesprochen wird. In Deutschland kommen die Dealer aus der Neonazi-Szene. Mike Baumgärtner hat die Mechanismen von Produktion und Beschaffung in einem Buch dokumentiert.

Spätestens seit der US-Serie "Breaking Bad" ist die Droge Crystal Meth ein Begriff: Was der krebskranke Chemielehrer Walter White in seinem Wohnmobil zusammenbraute und für einen schönen Batzen Geld vertickte, ist auch in Deutschland relativ einfach zu bekommen.

Das Nachbarland Tschechien gilt als Hauptproduzent in Europa, dort wird die Droge mit dem Wirkstoff Methamphetamin in großen Mengen produziert. Sie ist ziemlich simpel herzustellen und macht extrem schnell abhängig. Maik Baumgärtner, der gemeinsam mit Mario Born und Bastian Pauly die Crystal-Meth-Szene in dem Buch "Crystal Meth – Produzenten, Dealer, Ermittler" beleuchtet, sagt, in Deutschland seien keine Meth-Küchen entstanden, "weil der Zugang zu relativ hochwertigem Meth in Tschechien so einfach ist, dass hier gar kein Bedarf besteht, es selbst zu produzieren. Es kostet mich ein Zugticket an die tschechische Grenze und zwei Stunden später kann ich mir so viel kaufen, wie ich möchte."

Neonazis als Dealer

Baumgärtner und seine Mit-Autoren beschreiben  die Verstrickung von Neonazis in die Crystal Meth-Szene: In Sachsen habe die Zahl der Dealer aus der Neonazi-Szene, die mit großen Mengen der Droge aufgegriffen worden seien, zugenommen.. Diese seien keine "Dorf-Nazis", die keine Ahnung hätten, sondern Personen, "die sich in militanten, organisierten Strukturen bewegen ... Dieses Saubermann-Image, das sich die Neonazi-Szene gerne anheftet, das trifft nicht zu." Im sächsischen Landtag dagegen "stellt sich die NPD hin und sagt: Weg mit dem Crystal-Dreck - während ihre Leute auf der Straße, die sie wählen, es selber konsumieren oder sogar verkaufen."

Die Drogen-Polizei in Bayern und Sachsen, die Baumgärtner für seine Recherchen bei ihrer Arbeit beobachten durfte, sei "total überlastet" und nicht in der Lage die vielen Drogen-Geschäfte über die Grenze zu verhindern.

Maik Baumgärtner, Mario Born, Bastian Pauly: "Crystal Meth – Produzenten, Dealer, Ermittler"
Ch. Links Verlag, 2015
224 Seiten, 18 Euro.

Mehr zum Thema

Horrordroge Chrystal Meth - "Fürs Gehirn schädlicher als Kokain"
(Deutschlandradio Kultur, Thema, 10.03.2014)

Chemielehrer als Drogenbaron
(Deutschlandradio Kultur, Thema, 14.08.2013)

Vom Chemielehrer zum Drogenmischer
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 08.10.2010)

Interview

50 Jahre PuhdysDas Gesicht der DDR-Kultur im Ausland
Aus einem Regal mit zahlreichen Schallplatten wurde die LP "Heiß wie Schnee" von den Puhdys herausgezogen. Auf dem Cover ist das Porträt einer Frau zu sehen. (Peter Endig / dpa)

Deutsche Musik, die ins Ohr geht: Damit eroberten die Puhdys schon zu DDR-Zeiten auch Herzen westdeutscher Fans. Die ostdeutschen Rocker waren eine staatsnahe und überaus erfolgreiche Band, sagt Götz Hintze, Autor des "Rocklexikon der DDR".Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur