Seit 05:05 Uhr Studio 9
Freitag, 18.06.2021
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Lesart / Archiv | Beitrag vom 07.12.2016

"Creative Writing"-Kurs im IrakSchreiben als Antwort

Najem Wali im Gespräch mit Joachim Scholl

Der Schriftsteller Najem Wali im Studio von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Annette Bräunlein)
Der Schriftsteller Najem Wali im Studio von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Annette Bräunlein)

Erbil, Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan im Irak, ist geprägt von Krieg und Gewalt. Was kann man dem blutigen Alltag entgegensetzen? Kultur . Ein Schreibkurs, beispielsweise. Der Schriftsteller Najem Wali hat es getan.

1980 floh er aus dem Irak, weil er nicht in den Krieg wollte: Najem Wali. Heute ist er deutscher Staatsbürger und ein arrivierter Schriftsteller, erst nach dem Sturz Saddam Husseins konnte er wieder in seine Heimat reisen. Das hat Wali inzwischen oft getan, und er nutzt seine Aufenthalte dort auch, um Zeichen zu setzen.

Stadtansicht von Erbil, Hauptstadt der autonomen Region Kurdistan Irak, aufgenommen am 23.09.2016 in Erbil im Irak. (dpa / Michael Kappeler)Stadtansicht von Erbil (dpa / Michael Kappeler)

Gerade ist er aus Erbil zurückgekehrt, wo er "Creative Writing" gelehrt hat. In seinem Kurs saßen 20 Frauen, von überall her aus dem Irak anreisten. Fünf Tage, in denen Wali hauptsächlich journalistisches Schreiben mit seinen Schülerinnen übte: vom Essay bis zur Reportage. Erstaunt war er über die Themen, die sich die Frauen aussuchten: Homosexualität beispielsweise.

Die intellektuelle Kultur im Irak wächst

Najem Wali mit den Teilnehmerinnen des "Creative Writing"-Workshop in einem Restaurant. (privat)Najem Wali mit den Teilnehmerinnen des "Creative Writing"-Workshop in einem Restaurant. (privat)

Ein Drittel von ihnen wird vermutlich weiterschreiben, berichtete Wali im Deutschlandradio Kultur. Aber auch für die anderen sei der Besuch des Kurses nicht umsonst gewesen: Diskussionen und der Austausch untereinander hätten alle beeinflusst.

Wali sieht die intellektuelle Kultur im Irak wachsen, und die Frauen seien daran mehr als die Männer beteiligt. Auch ihn habe der Workshop inspiriert, sagte er. Und einiges, was er von seinen Schülerinnen erfahren hat, werden seine Leser künftig auch in seinen Romanen wiederfinden.

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Lesart

Geflüchtete SchriftstellerWeltliteratur aus dem Exil
Augusto Roa Bastos umringt von Mikrofonen. (picture-alliance / dpa / epa)

Diktatoren fürchten Schriftsteller, sagt der Autor Marko Martin. Deshalb leben viele im Exil. Das sei problematisch, weil sie dort als Autoren unsichtbar werden, meint die Schriftstellerin Annika Reich. Andererseits entstand im Exil Weltliteratur.Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

Jan Haft: "Heimat Natur"Die Geheimnisse des Engelsrotz
Cover des Buches "Heimat Natur: Eine Entdeckungsreise durch unsere schönsten Lebensräume von den Alpen bis zur See" von Jan Haft. (Deutschlandradio / Penguin Verlag)

Jan Haft gehört zu Deutschlands besten Naturdokumentaristen. Mehrfach hat der Biologe bereits die Natur in faszinierenden Nahaufnahmen auf die Leinwand gebracht. Sein Buch „Heimat Natur“ zum gleichnamigen Film ist ein Plädoyer für den genauen Blick.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur