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Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.09.2017

"Cosmopolis" auf der RuhrtriennaleKapitalismuskritik auf dem Spielplatz

Stefan Keim im Gespräch mit Britta Bürger

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Szene aus "Cosmopolis" nach dem Roman von Don DeLillo in der Regie von Johan Simons bei der Ruhrtriennale in der Jahrhunderthalle Bochum - hier: der Schauspieler Mandela Wee Wee (imago/Bettina Strenske)
Szene aus "Cosmopolis" nach dem Roman von Don DeLillo in der Regie von Johan Simons bei der Ruhrtriennale in der Jahrhunderthalle Bochum - hier: der Schauspieler Mandela Wee Wee (imago/Bettina Strenske)

Vier Schauspieler auf einem Kinderspielplatz, doch der Eindruck täuscht: An seine Bühnenadaption von Don DeLillos Roman "Cosmopolis" bei der Ruhrtriennale geht Johan Simon weniger spielerisch. Ihm geht es um die Diskussion der Theorie - das Thema ist Kritik am Kapitalismus.

Ein Banker fährt mit seiner Luxuslimousine durch Manhattan. Er will zu seinem Frisör, die Stadt scheint in Aufruhr zu sein. Er begegnet Demonstranten, Geschäftspartnern - und schließlich einem Mann, der ihn ermorden will.

Don DeLillos Roman "Cosmopolis" erschien 2003 und beschreibt die Welt eines durchdrehenden Turbokapitalismus, der jede Bodenhaftung verliert. Johan Simons hat bei der Ruhrtriennale eine Bühnenbearbeitung inszeniert, es ist seine letzte Regiearbeit als Intendant dieses Festivals.

Johann Simon hat sich immer wieder mit der politischen Gegenwart beschäftigt – auf einem sehr hohen Reflexionsniveau. Das tut er auch diesmal.

Am Ende rauschte der Kopf

Die Schauspieler setzt er in Bochum auf einen Spielplatz, verfremdet also die Romanvorlage - und lässt sie dort kapitalismus-kritisch diskutieren.

"Allen rauschte am Ende noch etwas der Kopf", meinte unser Kritker Stefan Heim nach der Premiere. Der Applaus sei anerkennend, aber nicht begeistert gewesen. Es sei ein Abend "zum Denken", nicht "zum Einfühlen" gewesen.

Die Bühne als Spielplatz: die Schauspieler Mandela Wee Wee, Pierre Bokma und Elsie de Brauw in der Jahrhunderthalle in Bochum während der Fotoprobe zum Theatestück "Cosmopolis" unter der Regie von Johan Simons (picture alliance / Caroline Seidel/dpa)Die Bühne als Spielplatz: die Schauspieler Mandela Wee Wee, Pierre Bokma und Elsie de Brauw in der Jahrhunderthalle in Bochum während der Fotoprobe zum Theatestück "Cosmopolis" unter der Regie von Johan Simons (picture alliance / Caroline Seidel/dpa)

Das Fazit unseres Kritikers: 

"Der Abend ist alles andere als eine Komödie. Er hat immer wieder auch leichte und menschliche Momente. Aber im Prinzip geht es wirklich sehr darum, hier Theorie zu diskutieren. Also wenn die dann [auf dem Spielplatz] bemerken (…), da draußen sind anscheinend Globalisierungskritiker, die sich Ratten als ihr Symbol ausgesucht haben und die Stadt durcheinander bringen, da fangen sie dann eben gleich an, auf einem sehr hohen Level theoretisch darüber zu diskutieren. (…) Und solche Erkenntnisse werden einem dann in diesem sehr dichten, sehr viel Konzentration fordernden Abend schon recht heftig um die Ohren geknallt."

(huc)

"Cosmopolis" ist bis zum 30. September 2017 auf der Ruhrtriennale zu sehen.

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