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Fazit | Beitrag vom 07.09.2020

Coronaregeln in TheaternGute Chancen auf weitere Lockerungen

Ulrich Khuon im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Der Zuschauerraum im Berliner Ensembles mit teilweise abgebauten Sitze als Schutzmaßnahme in der Coronapandemie (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)
Die Sicherheitskonzepte der Theater seien hervorragend, sagt Ulrich Khuon - Abstände zwischen Zuschauern sollten weiter reduziert werden. (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)

Derzeit kann im Durchschnitt nur jeder vierte Zuschauerplatz im Theater wegen Corona vergeben werden. Dank neuer Erkenntnisse hält Bühnenverein-Präsident Ulrich Khuon halb volle Zuschauerränge schon im Oktober für realistisch.

Wie viele Menschen dürfen ein Konzert, eine Oper oder eine Theateraufführung besuchen – und können sich diese erlaubten Personenzahlen ändern? Um das zu beantworten, hat der Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses am Montag Experten unter anderem von der Charité eingeladen und auch Ulrich Khuon. Er leitet das Deutsche Theater in Berlin und ist Präsident des Deutschen Bühnenvereins.

Die sichersten Orte in der Öffentlichkeit

Als nächster logischer Schritt bei künftigen Lockerungen sollte sich der Abstand zwischen den Besuchern und Besucherinnen weiter verringern, sagt Khuon: "Wir haben im Moment eineinhalb Meter Abstand zwischen den Zuschauern. Wir haben ein Hygienesystem und ein Sicherheitssystem – nicht nur wir im Deutschen Theater, sondern alle Theater, Konzerthäuser und Opernhäuser. Sie sind die sichersten Orte in der Öffentlichkeit – mit einem Sicherheitssystem, das im öffentlichen Raum seinesgleichen sucht."

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Dies hätten die letzten Wochen gezeigt und sei auch beweisbar. Darum sei als nächster Schritt logisch, dass der Abstand auf ein Meter verringert werde "und dass man das Rautensystem hat". Besetzte und unbesetzte Zuschauerplätze wechseln sich dabei ab, Reihen sind nach vorne und hinten zudem leicht versetzt.

Einen Meter Abstand zwischen Zuschauern hält Khuon in den nächsten Monaten für realistisch. "Das kann man zusammen mit den Zuschauern ausprobieren. Man muss ja alles lernen miteinander." Das Vertrauen in die gegenwärtige Situation wachse sehr stark. "Jetzt spüren die Zuschauer, die machen das gut. Das Vorderhauspersonal ist fit und lenkt die Wege. Jeder hat Respekt."

In keinem Theater oder Konzertsaal sei eine Ansteckung mit dem Coronavirus bekannt geworden. Darum könne man auch sehr selbstbewusst auftreten. "Weil wir das auch garantieren und weil wir selber sehr vorsichtig sind und sehr umsichtig in der Befolgung der Maßregeln." Einen einzigen Coronafall habe es bei den Salzburger Festspielen gegeben – ein Mitarbeiter – bei 110 Veranstaltungen mit 80.000 Zuschauern und Zuschauerinnen.

Halb volle Zuschauerränge als Ziel

Man hoffe im Oktober auch in anderen Bundesländern, zu einer Lösung zu kommen, sodass ungefähr die Hälfte der Zuschauer wieder in die Häuser könnten, so Khuon. "Es gibt natürlich Länder, die sind schon weiter als wir oder einzelne Häuser oder Theater. Aber für die meisten in Deutschland gilt das, was ich beschrieben habe. Und insofern ist es jetzt wichtig, den nächsten Schritt zu tun."

Bei den Regelungen plädiert Khuon für so viel Einheitlichkeit wie möglich: Je mehr differenziert werde, desto mehr Streit und Unruhe entstehe. "Die großen Städte stehen ja erstaunlich gut da, wenn man bedenkt, wie viele Menschen hier oder in Hamburg leben oder in München. Trotzdem sehe ich ein, dass es Unterschiede geben muss."

Ulrich Khuon, der Präsident des Deutschen Bühnenvereins. (dpa / picture alliance / Paul Zinken)Die Hygienekonzepte hätten sich bewährt, Abstände sollten weiter verringert werden, um die Theater zu 50 Prozent auszulasten, sagt Ulrich Khuon. (dpa / picture alliance / Paul Zinken)

Wichtig sei ein ausbalanciertes Sicherheitssystem, so Khuon. Dazu gehörten neben der Lenkung der Zuschauer auch die Lüftungsanlagen. Viele Konzertsäle seien hervorragend ausgestattet: "Da kommt Frischluft rein zwei bis dreimal pro Stunde. Das ist natürlich optimal."

Unterscheidungen von Haus zu Haus zu machen, seien berechtigt. Man müsse nicht überall spielen, sagt Khuon und verweist auf sein Deutsches Theater in Berlin: "Wir haben auch einen kleinen Raum – die Box. Der ist im Grunde zwei Meter 50 hoch. Den haben wir geschlossen."

"So wenig Befehle wie möglich"

Khuon setzt auf die Freiwilligkeit beim Tragen von Masken im Publikum: "Wir empfehlen, die Maske aufzulassen. Wer sie absetzen will, kann sie auch absetzen. Aber erst im Moment, wenn die Vorstellung beginnt. Man setzt sie wieder auf, wenn der Applaus beginnt. So ist die Ansage. Das finde ich vernünftig. Viele befolgen das." Wichtig sei: "So wenig Befehle wie möglich."

(mle)

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