Samstag, 28.11.2020
 

Interview | Beitrag vom 26.10.2020

CoronapandemieWer wird zuerst geimpft?

Ilona Kickbusch im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Eine Hand hält eine Spritze, aus der ein Tropfen kommt. (imago images / Laci Perenyi)
Die Forschung ist weit in der Entwicklung mehrerer Impfstoffe gegen Corona. Doch wer soll wo zuerst geimpft werden? Darüber wird debattiert. (imago images / Laci Perenyi)

Im Kampf gegen das Coronavirus richten sich die Hoffnungen auf einen Impfstoff. Die internationale Forschung gebe Anlass zu Optimismus, sagt die Gesundheitsexpertin Ilona Kickbusch. Sorgen bereiten ihr aber die Finanzierung und Verteilung.

Weltweit arbeitet die Forschung an wirksamen und gut verträglichen Impfstoffen gegen das Coronavirus. Dabei sind mehrere Vakzine bereits in der entscheidenden Testphase. Eine Konkurrenz hierbei sieht die Gesundheitsexpertin Ilona Kickbusch nicht. Im Gegenteil: "Wir haben schon gesehen, dass sich in den letzten sechs Monaten Formen der Zusammenarbeit entwickelt haben, die wir bisher noch nie hatten." Man sei so einem Impfstoff "sehr viel schneller sehr viel näher gekommen".  

Impfstoff für wenige Menschen in allen Ländern

"Ganz besonders besorgt" hingegen zeigt sich Kickbusch, die auch Teilnehmerin des virtuellen Weltgesundheitsgipfels ist, über die künftige Verteilung eines Serums. Wer soll wo zuerst versorgt werden? Denn es werde nicht "über Nacht" genug Impfstoffe für alle auf der Welt geben, so die Expertin.

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Der Ansatz der Weltgesundheitsorganisation und vieler Experten sei, dass man "wenigen Menschen in allen Ländern" Impfstoffe zur Verfügung stelle, also "ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung". An den Kriterien werde gearbeitet, wer das dann sei, beispielsweise Gesundheitsmitarbeitende, besonders gefährdete Gruppen, "wichtige Menschen, die die Gesellschaft am Laufen halten". Das seien auch ethische Diskussionen. Zudem gehe es um die Frage: Wer zahlt?

USA nicht zur Zusammenarbeit bereit

Ein Problem sei dabei, dass die Vereingten Staaten derzeit nicht bereit seien mitzuwirken. Lieber wollen sie separate Programme aufstellen: "Das ist natürlich eine ganz gewaltige Lücke, auch im Hinblick auf die Finanzierung solcher Impfprogramme", kritisiert Kickbusch.

Es bleibe die Frage, inwieweit die Länder zusammenarbeiten, wenn die Krise zunehme. Wenn das aber nicht geschehe, dann werde sich der Kampf gegen das Virus sehr lang hinziehen, so Kickbusch: "Wir können nicht pausenlos Grenzen schließen, Lockdowns machen oder Ähnliches. Man muss das Virus überall bekämpfen."

(bth)

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