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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 04.04.2020

Corona und die WirtschaftWie lange halten wir den Stillstand durch?

Dominik Enste und Martin Mair im Gespräch mit Katrin Heise

Geschlossener Laden in Berlin (picture alliance / Global Travel Images)
Wie viele Menschenleben gefährdet ein langer Stillstand? Wie viele rettet er? Eine schwierige Güterabwägung steht bevor. (picture alliance / Global Travel Images)

Geschlossene Läden, Firmen in Kurzarbeit, Unternehmen droht die Insolvenz: Die Maßnahmen gegen das Coronavirus treffen Gesellschaft und Wirtschaft hart. Wie lange können wir das durchstehen? Wie kann ein Ausstieg aussehen? Diskutieren Sie mit!

Das Coronavirus legt das öffentliche Leben in Deutschland zunehmend lahm. Neben den persönlichen Einschränkungen treffen die Schutzmaßnahmen auch die Wirtschaft immer stärker. Seit Beginn der Krise haben mehr als 470.000 Betriebe Kurzarbeit angemeldet, vielen Betrieben droht die Insolvenz. Experten erwarten, dass der wirtschaftliche Schaden der Corona-Ausbreitung den der globalen Finanzkrise in den Jahren 2008 / 2009 weit übertreffen wird. Angesichts dieser Szenarien wird die Frage immer lauter, wie ein möglicher Ausstieg aussehen kann. Diese Diskussion um eine Exit-Strategie bringt auch ethische Fragen mit sich.

Plan für den schrittweisen Ausstieg

"Grundsätzlich geht die Gesundheit vor", sagt Prof. Dr. Dominik Enste, Leiter des Kompetenzfelds Verhaltensökonomik und Wirtschaftsethik am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. "Auch die Milliardensummen, die jetzt ausgegeben werden im Bereich der Wirtschaft, dienen am Ende dem Zweck, möglichst viele Menschenleben zu erhalten." Dies sei als erste Reaktion sinnvoll und notwendig. Dem müsse aber ein weiterer Schritt folgen, so der Wirtschaftsethiker: "Es ist dringend erforderlich, dass sich jetzt möglichst viele Wissenschaftler zusammenfinden, die gemeinsam mit der Bundesregierung abwägen, wie lange wir diese Güterabwägung in dieser Richtung beibehalten können." Dazu hat ein Forscherteam gerade ein Positionspapier für einen schrittweisen Ausstieg vorgelegt.

"Wer darf gefährdet werden?"

Die damit verbundenen Fragen beträfen auch die gesamte Gesellschaft: "Wie viele Menschenleben gefährdet ein langer Stillstand, etwa durch die Zunahme häuslicher Gewalt? Wie schwer wiegen auch für den Einzelnen die ökonomischen Folgen?" Letztlich müsse auch entschieden werden: "Wer darf gefährdet werden und wer nicht? Wie gehen wir damit um, dass wir Menschen gefährden?"

Das Ansteckungsrisiko senken

"Wenn man sagt, wir lockern die Maßnahmen, dann explodiert die Zahl", sagt Martin Mair, Wissenschaftsredakteur bei Deutschlandfunk Kultur. "Ich kann die Sorge total verstehen, wie lange wir das wirtschaftlich durchhalten. Gerade, wenn man Wirtschaft auch als Dienst an der Gesellschaft sieht. Was ich merkwürdig finde, ist, dass wir diese Diskussion jetzt schon so konkret führen, wo die Wissenschaftler sagen: Wir haben noch nicht einmal angefangen. Wir haben eine Zahl in Deutschland, die noch gering ist, aber diese wird wachsen."

Ziel aller Bemühungen sei, den Zeitraum, in dem sich die Zahl der Betroffenen verdoppelt, so weit wie möglich zu strecken, um genügend Intensivbetten zur Verfügung zu haben. Das klappe nur, wenn die Ansteckungsrate jedes Einzelnen sinke. Und da sei Geduld gefragt.

Auch Martin Mair sieht angesichts der Ausstiegsdiskussion existenzielle Fragen auf uns zukommen: "Welchen Preis sind wir am Ende bereit zu zahlen, um Ältere und Kranke zu schützen?"

(sus)

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