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Interview / Archiv | Beitrag vom 20.03.2020

Corona und die Flüchtlinge in Griechenland"Die Lager müssen sofort evakuiert werden"

Vasilis Tsianos im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Aufnahme aus dem Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos am 10.3.2020. (picture alliance/dpa/ANE)
Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos vor zehn Tagen: Wann bricht hier das Coronavirus aus? (picture alliance/dpa/ANE)

42.000 Flüchtlinge säßen zurzeit in Lagern auf den griechischen Inseln fest, sagt der Soziologe Vasilis Tsianos. Bis das Coronavirus sich ausbreitet, sei es nur noch eine Frage der Zeit. Er fordert, die Menschen in leeren Hotels auf dem Festland unterzubringen.

In den Flüchtlingslagern in Griechenland müssen Zehntausende Menschen derzeit unter zum Teil katastrophalen Bedingungen leben. Wenn sich auch dort die Coronapandemie ausbreiten sollte, gäbe es ein weiteres, gewaltiges Problem. Vasilis Tsianos, Soziologe und Professor für Soziale Arbeit an der Fachhochschule Kiel, hat kürzlich Lager in Griechenland besucht.

In Lagern wie Moria auf Lesbos würden zurzeit 42.000 Menschen festsitzen, sagt Tsianos. Seit dem 1. März sei der internationale Status der Menschen dort nicht geklärt. Defacto könnten die betroffenen Menschen seitdem keine Asylanträge stellen. Die Menschen könnten sich auf den Inseln auch nicht frei bewegen, es handle sich um "eine neue Form von Racial Profiling", sagt der Soziologe.

"Sonderausgangssperre" für Flüchtlinge

Für die Flüchtlinge gebe es eine "Sonderausgangsperre". Man könne sich vorstellen, was das für die Betroffenen bedeute. Offiziell gebe es noch keine Meldungen über Coronafälle in den Lagern, aber "wir werden sicher welche in den nächsten Tagen haben", sagt Tsianos. Vor Lesbos würden derzeit auf einem Militärschiff gerade mehr als 500 Menschen leben. Wenn dort nur eine Person infiziert werde, seien innerhalb von vier Tagen alle infiziert.

Um das Ausbreiten des Virus in den Lagern zu verhindern, sei es zu spät. In den Lagern gebe es keine sichere Wasser- und keine Medikamentenversorgung. Seit einer Woche dürften auch keine Betreuer und keine Rechtsanwälte mehr die Lager betreten. Der Soziologe fordert, die Lager sofort zu evakuieren und die Tourismusinfrastruktur wie die leeren Hotels auf dem Festland zu nutzen, um die Flüchtlinge unterzubringen. 

(jde)

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