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Tonart | Beitrag vom 25.03.2020

Corona-Playlists auf SpotifyDie Botschaft lautet "Ihr seid nicht allein"

Von Mathias Mauersberger

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Screenshot von Spotify. Eine Liste mit Coronasongs. (Screenshot/Spotify)
Die "Coronavirus Quarantäne-Party" ist die erfolgreichste Corona-Playlist bei Spotify. (Screenshot/Spotify)

Die Coronapandemie spiegelt sich auch bei Spotify-Playlisten. Die Schlagworte "Coronavirus", "Corona" oder "Covit-19" tauchen in vielen Namen auf. Hunderte dieser Playlists gibt es, eine hat schon mehr als 200.000 Follower.

"Bist auch du in Quarantäne? Dann werden diese Songs in den nächsten Wochen deine Begleiter sein." So verspricht es der Begleittext der Playlist "Coronavirus Quarantine Party", die bei Spotify schon mehr als 200.000 Follower – also Abonnenten – hat.

Die 50 Songs wurden von einem User namens "DJ" ausgewählt und spannen einen Bogen: Von Psychedelic Rock bis Mainstream-Pop.

Die "Coronavirus Quarantäne-Party" ist die erfolgreichste Corona-Playlist bei Spotify. Und sie präsentiert Songs, die natürlich lange vor der Pandemie veröffentlicht wurden, aber in der aktuellen Situation eine neue, ironische Bedeutung bekommen. "Toxic" von Britney Spears etwa erzählt von einer dysfunktionalen Beziehung, könnte aber auch von einem Corona-Infizierten handeln.

"U Can’t Touch This", der Titel des einzigen Hits von MC Hammer, klingt plötzlich wie eine Hygiene-Anweisung: "Wenn du gesund bleiben willst, solltest du DAS nicht anfassen!"

Hunderte Corona-Playlists

Hunderte von Playlisten sind in den letzten Monaten bei Spotify entstanden, die "Corona" oder "COVID-19" im Titel tragen. Die meisten scheinen sich nicht unbedingt an Covid-19-Infizierte zu richten, sondern eher an die vielen Menschen, die gerade zuhause sitzen, sich langweilen, oder versuchen Haushalt und Homeoffice unter einen Hut zu kriegen.

Darunter findet sich musikalisch Erwartbares, aber auch Spezielles: Etwa in der "Swing Social Distancing"-Playlist…

...oder lateinamerikanischer Pop, in der "Relax"-Playlist des kolumbianischen Sängers J Balvin.

Wer es lieber praktisch und funktional mag, der sollte der Userin jenntrev ein Ohr leihen. Sie hat Songs zusammengestellt, die allesamt einen zwanzigsekündigen Refrain haben.

Laut internationalen Gesundheits-Standards ist das die optimale Zeitspanne, um in Corona-Zeiten seine Hände gründlich und effektiv zu waschen.

Playlist aus Mailand

Deutlich ernster und melancholischer klingen die "Songs for Pandemics" von Carlotta Freni. Seit Ende Februar sitzt die Italienerin in Mailand in Quarantäne. Ihre Pandemie-Songs hat sie am 24. Februar ins Netz gestellt. Einen Tag, nachdem die gesamte Lombardei abgeriegelt wurde.

"Ich weiß, dass wir alle zuhause bleiben müssen, um eine gesundheitliche Krise zu verhindern. Also habe ich diese Playlist zusammengestellt, um diese guten Sounds mit meinen Freunden zu teilen," sagte Carlotta Freni dem Magazin "Business Insider".

In ihrer Auswahl finden sich Songs von englischsprachigen Bands, die ihre Auftritte in Mailand wegen der Corona-Krise absagen mussten. Aber auch italienischer Pop, zart und geschmackvoll.

Natürlich spielt die globale Pandemie auch in den sozialen Medien eine Rolle: Bei TikTok, YouTube und Instagram laden Userinnen und User Videos und Fotos aus ihrem Alltag mit Corona hoch. Beim Musik-Streaming fehlt diese visuelle Ebene. Dafür hat man die Möglichkeit, sich in den direkten musikalischen Austausch mit seinen Lieblings-MusikerInnen zu begeben.

Die Sängerin Rita Wilson etwa sitzt mit ihrem Ehemann, Schauspieler Tom Hanks derzeit in Quarantäne. Sie bat ihre Fans via Twitter um Musikvorschläge und stellte die Liste "Rita Wilsons Quarantunes" zusammen, die bei Spotify schon 40.000 Abonennten hat.

Auch Matt Berninger von "The National" oder Kevin Drew haben sogenannte "Selbstisolations-Playlisten" veröffentlicht, die alle mehr oder minder eine Botschaft haben: Ihr seid nicht allein. Zumindest nicht bei Spotify.

Pietätlos oder Hoffnungsschimmer?

Angesichts einer globalen Krise, die tagtäglich Menschenleben fordert, mag es pietätlos wirken, sich überhaupt mit locker-leichter Popmusik im Internet zu beschäftigen. Tatsächlich wirken die Titel einiger Playlisten etwas makaber: Welcher Covid-19-Infizierte hat schon Lust, ernsthaft eine "Quarantäne-Party" zu feiern?

Aber für Gesunde wie Erkrankte dürfte Musik in den nächsten Wochen ein wichtiger Begleiter und Trostspender sein. Und Spotify bietet da momentan einige Möglichkeiten.


In eigener Sache: Nicht nur Musik lässt sich auf Spotify in Playlists organisieren, sondern auch Podcast-Audios. Unter dem Titel "Coronavirus - was wir wissen" haben wir für Sie ein fortlaufend aktualisiertes Audio-Dossier unserer Hintergrundbeiträge zusammengestellt:

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