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Länderreport | Beitrag vom 03.09.2020

Corona am MainWenn Offenbach sich mit Frankfurt verträgt

Von Ludger Fittkau

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Auf ein Masken-Sonderangebot macht ein Schild in der Fußgängerzone von Offenbach aufmerksam.  (dpa / picture alliance / Boris Roessler)
Offenbach ist ein Corona-Hot-Spot – das macht auch dieses Masken-Angebot in der Innenstadt deutlich. (dpa / picture alliance / Boris Roessler)

Offenbach am Main ist ein Corona-Hotspot. Trotzdem gibt es Hoffnung auf einen Weihnachtsmarkt. Wie lebt es sich in der Stadt?

Rathaus Offenbach, die 14. Etage des Beton-Hochhauses der Nachkriegsmoderne. Hier empfängt mich Gesundheits-Stadträtin Sabine Groß unter Corona-Bedingungen mit weit geöffneten Fenstern. Die Grünen-Politikerin, die eigentlich in ihrer Freizeit gern imkert und wandert, hat in den zurückliegenden Wochen angesichts der hohen Covid-19-Fallzahlen in der Stadt wenig Ruhe gehabt:

"Die waren anstrengend. Ich kenne viele Bekannte, die sagen: Es gab es so eine Entschleunigung. Und ich dachte immer: Wovon reden die? Das war bei uns natürlich nicht der Fall, weil wir uns zum Teil dreimal die Woche im Verwaltungsstab getroffen und uns mit dem Thema Corona befasst haben. Und die Unsicherheit bei allen möglichen Akteuren in der Stadt ist groß."

Die Gründe, warum Offenbach in den vergangenen Wochen teilweise der Corona-Hot-Spot der Republik war, kann Sabine Groß klar benennen:

"In Offenbach leben 150 Nationen gut und friedlich zusammen. Von daher sind natürlich viele Leute auch noch Familienangehörige besuchen gegangen. Aber natürlich auch ganz normale Urlauber. Und wir hatten die meisten Infizierten aus Kroatien. Das waren sechs. Gefolgt von vieren aus Bosnien und der Türkei, drei aus Slowenien, Moldau und dem Kosovo. Und dann gab es Einzelpersonen aus Italien, Rumänien, Serbien, Griechenland und Bulgarien."

Kooperation mit Frankfurt

Die Stadt Offenbach reagierte schnell und verteilte etwa in vielen Sprachen die Infos über die aktuellen Quarantäne-Regeln. Auch deswegen, weil Offenbach als sogenannte "Arrival-City" gilt. Das heißt, viele neue Einwanderer nach Deutschland beginnen ihr Leben in Offenbach, weil sie hier in ihren jeweiligen Sprach- und Kulturgemeinschaften Hilfe finden.

Obwohl sich Offenbach und die unmittelbar angrenzende Nachbarmetropole Frankfurt am Main sonst geradezu eine Rivalitäts-Folklore betreiben – die Pandemie bringt die Städte zusammen, betont die Offenbacher Gesundheitsstadträtin. Wenn möglich, will man die Maßnahmen, die man trifft, abstimmen, um die Leute nicht zu verwirren:

"Wir werden auch eine gemeinsame Kampagne starten: Es ist nicht normal in normalen Zeiten, das Offenbach und Frankfurt Freundschaft schließt. Aber wir machen das sozusagen unter dem Motto: Besondere Zeiten erfordern besondere Freundschaft. Und damit werden wir auch in dieser Werbekampagne spielen."

Hoffnung auf Normalität

Die Ärztinnen Joida Madani und Klotilda Muca hoffen, dass wenigstens der Weihnachtsmarkt in Offenbach stattfinden kann. Die Stadt arbeitet gerade an einem Hygienekonzept. Die Chancen sind deshalb nicht schlecht, wenn im Oktober die Fallzahlen einigermaßen stabil bleiben sollten, mein Gesundheitsstadträtin Sabine Groß:

"Die Gespräche laufen mit neuen Hygienekonzepten. Wir werden viel mehr Fläche brauchen. Und das Problem ist natürlich auf Weihnachtsmärkten: Man kann nicht durchgängig eine Maske tragen, weil viele gehen zum Essen und Trinken dorthin und da muss man sich Formate überlegen, wie es trotzdem sichergestellt werden kann, dass kein Infektionsgeschehen passiert. Und in der Innenstadt ist natürlich immer die die große Frage wie kontrolliert man, wie viele Leute tatsächlich auf einem solchen Platz dann sind? Also, wir sind dran, versuchen, eine Lösung zu finden. Wir werden sehen, ob es gelingt. Und es wird immer vom aktuellen Infektionsgeschehen abhängen."

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