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Breitband | Beitrag vom 11.08.2018

ComputerDie Philosophie der Maschine

Martin Burckhardt im Gespräch mit Vera Linß

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(Alex Knight auf Unsplash.com)
Das Bild von Maschinen ist bislang von Extremen begleitet: extrem gefährlich oder extrem süß. (Alex Knight auf Unsplash.com)

Martin Burckhardt ist sich sicher: Wenn wir Computer wirklich verstehen würden, würden wir sie nicht verteufeln - oder verehren. Brauchen wir eine neue Aufklärung?

Computer sind seit Jahren aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, sei es am Arbeitsplatz, in Form unserer Smartphones oder des vernetzten Kühlschranks. Wir sind umgeben von Computern - von Maschinen. Martin Burkhardt, Kulturtheoretiker und Autor, sieht das kritisch: "Wo die Maschine da ist, begreifen wir diese als Selbstexpandierungstechnik, also, wir werden einfach größer damit und in gewissem Maße blind. Wir setzen voraus, dass das Ding immer da ist und das tut, was wir tun können."

Kann man Mensch und Maschine voneinander trennen?

Martin Burckhardt: "Wenn man die Frage von Kant nimmt 'Was ist Aufklärung?', dann sagt er, dass der Mensch ohne Vormund sich seines Verstandes bedienen soll. Ein Selbstdenker sein soll. Der Vormund ist laut Kant die Kirche oder der Adel. Kant schreibt zum Schluss: 'Die Würde des Menschen soll mehr sein als eine bloße Maschine.' Heutzutage ist es aber so, dass wir erst wissen müssen, was die Maschine ist, sonst ist Aufklärung nicht möglich."

Der Weg zur Aufklärung sei steinig. Laut Burckhardt haben wir Menschen noch nicht einmal begonnen, uns ernsthaft damit auseinanderzusetzen, was die Vernetzung und die ständige Anwesenheit von Maschinen für uns als Menschen und als Gesellschaft überhaupt bedeutet. Stattdessen würden wir ständig in Extremen denken: "Wir sind nicht aufgeklärt. Wir müssten uns erst aufklären über die Gesetze des Denkens, aber die erwischen wir nicht, wenn wir von Fluch und Segen reden. Allein die ganze Rede über Technologie oszilliert immer zwischen religiösen Polen. Es wird diabolisiert oder in den Himmel projiziert als Erlösung. Das ist ein Punkt, in dem ich sagen würde, da hat das Denken noch gar nicht begonnen."

Der Blick zurück hilft uns, die Gegenwart zu verstehen

Für den Kulturwissenschaftler ist es wichtig, die Entstehung einzubeziehen. "Wenn man wollte, könnte man schon fragen, wo kommt ein Computer her und was bedeutet ein Computer. Man kann eine Geschichte nur verstehen, wenn man den Anfang mitbekommen hat. [...] Es ist auch schwer, die Genese einer Maschine nachzuempfinden, wenn sie eine Hülle hat, so wie ein Motor. De facto weiß man nicht, wie es funktioniert. Das sind schon Abstraktionshöhen des menschlichen Geistes, die sind schon enorm. Wenn man wirklich auf der Höhe der Zeit sein möchte, ist es wirklich hilfreich, sich klar zu machen, in welchem Maße man Phantasien aufsitzt. Sonst hat man das Dilemma, dass man ein Gottesreich erwartet."

Die Aufklärung über die Maschinen - und dann?

Aber was passiert, wenn wir die Maschinen wirklich verstehen? Für Martin Burckhardt würde sich mit dem anderen Blick alles verändern: "Man würde weniger religiös umgehen. Man wäre gelassener."

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"Philosophie der Maschine" - Ein Ding ohne Denker
(Deutschlandfunk, Corso, 05.07.2018)

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