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Kompressor | Beitrag vom 25.08.2021

Comiczeichnerin aus dem LibanonZeichnen als Flucht vor der Realität

Nour Hifaoui Fakhoury im Gespräch mit Massimo Maio

Vor der Kulisse des zerstörten Beiruts hält ein Demonstrant eine libanesische Flagge. (imago / ZUMA Wire / Marwan Bou Haidar)
Protest im Hafen von Beirut: "Mit all dem, was in den letzten Jahren passiert ist, war es praktisch unmöglich, einfach nur kreativ zu sein, an etwas Leichtem und Fröhlichem zu arbeiten", sagt Nour Hifaoui Fakhoury. (imago / ZUMA Wire / Marwan Bou Haidar)

Die Situation im Libanon ist katastrophal. "Wir haben keine Regierung, aber wir wollen produktiv sein", sagt die Beiruter Comiczeichnerin Nour Hifaoui Fakhoury. Sie erzählt, wie die Probleme sich auf ihre Comics auswirken.

Die Explosion im Hafen von Beirut, die Corona-Pandemie, Inflation und ein Mangel an Benzin, Strom und nun womöglich auch Wasser: Die Situation im Libanon ist katastrophal. Was heißt das für libanesische Künstler und ihre Arbeit?

Die Comiczeichnerin Nour Hifaoui Fakhoury lebt in Beirut und ist Teil des libanesischen Comic-Kollektivs Samandal. Die Menschen im Libanon versuchten, normal zu leben, erzählt sie, was aber eigentlich nicht möglich sei, unter anderem wegen des fehlenden Stroms: "Mein Tag gestaltet sich meist so, dass ich dauernd den Ort wechsle auf der Suche nach Strom, ich schlafe an verschiedenen Plätzen, je nachdem, wo es gerade Strom gibt."

Hier geht es zum Literatursommer von Deutschlandfunk Kultur. (Foto: imago / fStopImages / Malte Müller)

Es sei komisch, "dass wir immer noch arbeiten und produktiv sein wollen, während um uns herum alles zusammenbricht", so die Comiczeichnerin. "Wir haben keine Regierung, aber wir wollen produktiv sein."

Alpträume zeichnen

Im Oktober muss Fakhoury einen Comic für Jugendliche fertigstellen. "Aber mit all dem, was in den letzten Jahren passiert ist, war es praktisch unmöglich, einfach nur kreativ zu sein, an etwas Leichtem und Fröhlichem zu arbeiten." In gewisser Weise sei die Arbeit an dem Comic aber auch eine Fluchtmöglichkeit aus dem Elend der Realität.

Vor einem oder zwei Monaten habe sie angefangen, ihre Alpträume zu zeichnen, berichtet Fakhoury. "In diesen Alpträumen wird immer das Land verändert und die Politiker im Land. Ich versuche, sie voranzutreiben, sie gegenüber den Politikern noch böser zu gestalten und mit ihrer Hilfe Dinge auszudrücken, die wir im realen Leben nicht sagen können."

Die Vernetzung im Kollektiv, dessen Mitglieder zum Teil auch im Ausland leben, sei eine Unterstützung, sagt die Comiczeichnerin: "Zu wissen, dass man Freunde hat, die das Gleiche machen wie man selbst, Menschen, die in anderen Ländern leben und einen einladen können, einfach nur, um ein wenig Zeit dort zu verbringen."

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